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Libyen wieder salonfähig

Der Öl-Export ist die wichtigste Einnahmequelle Libyens.

(Keystone)

Eine Schweizer Geschäfts-Delegation ist zu einem viertägigen Besuch in Libyen eingetroffen, um mit dem nordafrikanischen Land neue wirtschaftliche Beziehungen zu knüpfen.

Libyen hat - nach der Aufhebung der Wirtschafts-Sanktionen - seine Märkte für Geschäfte mit dem Ausland geöffnet.

Die Delegation, die bis zum 4.Mai in Libyen weilt, wird angeführt von Botschafter Jörg Reding, Leiter des Bereichs Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco).

In Redings Begleitung sind Delegierte der Schweizerisch-Arabischen Handelskammer, 20 Schweizer Wirtschaftsrepräsentanten aus den Bereichen Finanzen, Erziehung, Tourismus, Beratung, Textil, Gesundheit und Nahrungsmittel, sowie weitere Seco-Mitarbeiter.

Nach dem Anschlag von Lockerbie

Tripolis hat seine Märkte für Geschäfte mit dem Ausland geöffnet, seit der UNO-Sicherheitsrat im letzten September seine Sanktionen gegen das Land aufgehoben hat.

Die Sanktionen waren nach dem Bombenanschlag auf einen Jumbo Jet im Jahr 1988 über dem schottischen Lockerbie verhängt worden.

Ein schottisches Gericht hatte einen Libyer für den Tod der 270 Menschen, die Opfer des Anschlags wurden, verantwortlich gemacht.

Seit der Aufhebung der Sanktionen bemüht sich der libysche Revolutionsführer Moammar Gaddafi um bessere Handelbeziehungen mit dem Rest der Welt. So machte er am Dienstag einen historischen Besuch im Hauptquartier der Europäischen Union in Brüssel.

Für Reding sind die Fortschritte beim Liberalisieren und Reformieren der libyschen Märkte gute Nachrichten für Schweizer Geschäftsleute.

"Vieles hat sich in den letzten paar Monaten ereignet", sagte Reding gegenüber swissinfo. "Libyen öffnet seine Ökonomie und hat einige Reformen in die Wege geleitet. Unser Besuch ist ist eine Erkundungs-Mission, um festzustellen, was sich wirklich bewegt hat."

Geschäftsgelegenheiten

Die Delegation möchte die traditionell guten Beziehung zwischen Libyen und der Schweiz verbessern. Libyen ist in Afrika der zweitgrösste Handelspartner der Schweiz (nach Südafrika).

Libyen ist zudem der grösste Energielieferant der Schweiz. Importe von libyschem Erdöl machen über 30% des schweizerischen Bedarfs aus. Rund 90% der Libyschen Exporte in die Schweiz sind Erdöl.

Doch Reding ist überzeugt, dass es noch grossen Raum in den Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern gibt, speziell, was die Exporte der Schweiz nach Libyen betrifft.

Während die Importe von Libyen 750 Mio. Franken pro Jahr betragen, exportiert die Schweiz nur gerade Güter im Wert von 120 bis 130 Mio. Franken übers Mittelmeer nach Libyen.

Laut Reding will die Delegation Schweizer Schlüsselindustrien wie Chemie und Pharma fördern.

Auch der Tourismus gilt als möglicher Markt für Investoren. Libyen besitzt eine lange Mittelmeer-Küste, die erschlossen werden könnte, um Touristen anzuziehen. Aus diesem Grund gehören auch Vertreter aus dem Hotel- und Gastgewerbe zur Schweizer Delegation.

Starke Konkurrenz

Die Schweizer sind nicht die einzigen, die sich um Geschäfte mit Libyen bemühen. Seit Tripolis begonnen hat, seine Märkte zu öffnen, zeigen ausländische Gesellschaften ein gesteigertes Interesse an dem Land und den Geschäftsmöglichkeiten, die es bietet.

"In Libyen ist eine starker Wettbewerb entbrannt", sagt Reding. "Wir wissen, dass dort täglich Geschäfts-Delegationen eintreffen. Aber ich bin der Überzeugung, dass wir einen ausgezeichneten Ruf in Libyen haben. Diesen sollten wir auch nutzen", so Reding weiter.

Kulturelle Unterschiede

Die kulturellen und politischen Unterschiede könnten sich als Herausforderung für Schweizer Geschäftsleute entpuppen, die mit Libyen Geschäfte machen wollen.

Reding sieht voraus, dass gerade am Anfang Probleme auftreten könnten, da die Bürokratie unter Gaddafis Regime eine andere Praxis entwickelt hat, als wir sie in Europa kennen.

"Wenn Schweizer nach Libyen gehen, müssen sie sich bewusst sein, dass dort keine schnellen Lösungen zu erwarten sind. Sie müssen sich an die andere Kultur anpassen und die andere Art, wie dort Geschäfte gemacht werden, akzeptieren. Das könnte alles ein wenig länger dauern als in anderen Ländern."

Kritik an Menschenrechtsverletzungen

Eine andere mögliche Hürde ist die aufkommende Kritik am libyschen Regime durch Menschenrechts-Gruppen. Im Februar hat Amnesty International einen Report publiziert, der fortwährende Menschenrechtsverletzungen anprangert. Zudem herrsche ein "Klima der Angst" unter der Bevölkerung.

Aber Reding meint, dass das politische Angelegenheiten seien und nicht mit der Geschäftswelt verknüpft.

swissinfo, Joanne Shields
(Aus dem Englischen übertragen von Etienne Strebel)

Fakten

2002 importierte die Schweiz Güter für 657 Mio. Fr. aus Libyen. 2003 waren es 755 Mio. Fr.; 90% davon war Öl.
Die Exporte von der Schweiz nach Libyen beliefen sich 2003 auf 120 Mio. Fr.

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In Kürze

Maschinen, pharmazeutische Produkte und Fahrzeuge sind die wichtigsten Artikel, welche die Schweiz nach Libyen exportiert.
Die Uno hat ihre Wirtschafts-Sanktionen im letzten September aufgehoben; die USA ist letzte Woche dem Beispiel gefolgt. Wirtschafts-Restriktionen durch Europa bleiben teilweise in Kraft.
Die libysche Wirtschaft ist 2003 um 5,6% gewachsen, beflügelt durch die Aufhebung der UNO-Sanktionen.

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