Löhne vom Wirtschaftsboom bisher nicht erfasst

Wirtschaftsboom, aber das Portemonnaie ist nicht voller. Keystone

Das durchschnittliche Lohnwachstum nahm 2006 gegenüber den Vorjahren leicht zu, hinkte aber mit 1,2% deutlich dem Wirtschaftswachstum von 2,7% hinterher.

Dieser Inhalt wurde am 30. April 2007 - 14:18 publiziert

Gemäss Bundesamt für Statistik wurden die höheren Löhne fast vollständig durch die Teuerung aufgesogen. Die Reallöhne, also die Kaufkraft, stiegen kaum.

Das kräftige Wirtschaftswachstum geht an den Lohnempfängern vorbei, denn nach Berücksichtigung der Jahresteuerung von 1,1% resultiert ein reales Lohnwachstum von noch 0,1%. Dies zeigt der Schweizerische Lohnindex 2006, den das Bundesamt für Statistik (BFS) am Montag vorgestellt hat.

Die gute Wirtschaftslage habe die Lohnentwicklung zwar begünstigt. Das Lohnwachstum fiel 2006 im Vergleich zu den beiden vorhergehenden Jahren (2005: +1,0%, 2004: +0,9%) leicht höher aus. Die Wirtschaft wuchs im letzten Jahr um 2,7%, so stark wie seit dem Boomjahr 2000 nicht mehr.

Richtungswechsel

Trotz dieser im Gesamtdurchschnitt geringen Reallohnzunahme spricht das BFS in seiner Mitteilung von einem Richtungswechsel. Nach einem Reallohnanstieg von 0,8% im Jahr 2003 hatten die Zuwachsraten in den folgenden Jahren kontinuierlich abgenommen und 2005 einen Negativwert von -0,2% erreicht.

Die durchschnittliche jährliche Zunahme der Reallöhne beläuft sich von 2001 bis 2006 auf 0,4%. Davon entfallen 0,3% auf die Männer und 0,6% auf die Frauen. Im sekundären Sektor beträgt die Reallohnsteigerung im Jahresdurchschnitt 0,3%. Der tertiäre Sektor verzeichnete im gleichen Zeitraum einen Reallohnanstieg um 0,5%.

Plus in der Chemischen

In der Industrie (sekundärer Sektor) stiegen die Nominallöhne im Schnitt um 1,1%. Den grössten Lohnanstieg gab es in der Textilindustrie (s. Kasten). Auch die chemische Industrie verzeichnete eine überdurchschnittliche generelle Lohnerhöhung. Beide Branchen kamen damit in den Genuss einer Kaufkraftsteigerung.

Am unteren Ende der Skala figurieren die Papier-, Verlags- und Druckindustrie. Real mussten Arbeitnehmer dieser Branche einen Lohnrückgang hinnehmen, wie die Angestellten der holzverarbeitenden Industrie.

In der Uhrenindustrie stiegen die Löhne. Insgesamt wiesen die meisten Branchen des sekundären Sektors eine Lohnentwicklung aus, die nur geringfügig vom Durchschnittswert abweicht. So das Baugewerbe und der Maschinenbau.

Kaufkraftverlust im Gastgewerbe

In der Dienstleistungsbranche (tertiärer Sektor) lag das Durchschnittswachstum der Nominallöhne mit demjenigen im Industriebereich gleich auf. Die kräftigsten Wachstumsimpulse gingen vom Kreditgewerbe aus, gefolgt vom Unterrichtswesen und dem Versicherungsgewerbe.

Die tiefsten Raten wiesen das Gastgewerbe, der Verkehr sowie der Handel und die Reparatur von Autos auf. In allen drei Branchen hatten die Angestellten somit weniger Lohn als ein Jahr zuvor. Am stärksten fiel der Reallohnverlust im Gastgewerbe aus.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Zahlen 2006:

Wirtschaftswachstum: 2,7%
Steigerung der durchschnittlichen Nominallöhne: 1,2%
Teuerung: 1,1%
Reallohnzuwachs: 0,1%
(Ein Lohnanstieg von weniger als 1,1% bedeutet real einen Lohnrückgang)

Anstieg Nominallöhne nach Wirtschaftssektor:
Industrie insgesamt: 1,1%
Textilindustrie: 2,1%
Chemie: 1,7%

Dienstleistungssektor insgesamt: 1,2%
Kreditgewerbe: 2,5%
Versicherungen: 1,8%
Gastgewerbe: 0,3%

End of insertion

Lohnindex

Der schweizerische Lohnindex wird jährlich berechnet. Er stützt sich auf Daten, welche von den Unfallversicherungen erhoben werden. Die Berechnungen erfolgen aufgrund von rund 250'000 individuellen Angaben.

Der Bruttolohn enspricht dem Grundlohn (inkl. 13. Monatslohn) vor Abzug der obligatorischen Sozialversicherungs-Beiträge. Die Löhne von Teilzeitangestellten werden auf Vollpensen hochgerechnet.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen