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Lonza enttäuscht und entlässt CEO

Die Arbeiter in der Lonza hatten 2004 etwas weniger zu tun.

(Keystone)

Beim Spezialitätenchemie-Konzern Lonza sank der Reingewinn um knapp 59%. Konzernchef Markus Gemünd nimmt den Hut.

Gründe für den schlechten Geschäftsgang seien Kosten für Restrukturierungen und die schwierige Lage der Spezialitätenchemie auf dem Weltmarkt.

Lonza-Verwaltungsrats-Präsident Segio Marchionne hatte Konzernchef Gemünd am Sonntag in einem Interview angegriffen und erklärt, dieser sei nicht fähig gewesen, die eigenen Erwartungen zu erfüllen. Er sei nicht zufrieden, hatte Marchionne gesagt und wörtlich: "Wenn die Führung versagt, dann gibt es eine neue, die es kann."

Für Jean-Marc Müller, Analyst bei der Bank Bellevue in Zürich, kommt die Entlassung von Gemünd nicht überraschend, wie er gegenüber swissinfo sagt. Schon seit einigen Monate habe es Hinweise darüber gegeben, dass die Tage von Gemünd an der Spitze von Lonza gezählt seien.

Gemünd sei von der Biotechnologie hergekommen und habe vermutlich den andern Sparten des Konzern zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Auch habe sich der Firmenchef mit Christoph Blocher überworfen. Dessen Ems-Chemie, bei der Blocher bis zu seiner Wahl in den Bundesrat an der Spitze stand, hält über 20% der Namenaktien der Lonza-Gruppe.

Aktie im Keller

Der Spezialitätenchemie hat sich auch im zweiten Halbjahr 2003 nicht wie erhofft erholen können und meldet einen Gewinneinbruch von gut 58%.
Somit liegt der Reingewinn für das ganze Jahr noch bei 91 Mio. Franken.

Dass Konzernchef Gemünd für das schlechte Ergebnis gerade stehen und Lonza verlassen muss, sorgte am Schweizer Aktenmarkt dafür, dass die Lonza-Aktie zum Taucher des frühen Handelsgeschäftes wurde.

Die Aktie notierte 10,2% tiefer und lag am Schluss des SMI. Nicht nur der Rückgang des Reingewinnes belastete die Aktie, auch das operative Ergebnis ging um knapp 30% zurück.

Lonza revidierte auch den Ausblick für das Geschäftsjahr 2004 nach unten. Neu wird demnach ein Betriebsergebnis von 225 Mio. Franken und ein Gewinn je Aktie von 3 Franken erwartet.

Schwieriges Jahr für Spezialitäten

Der Analyst Müller sagt zum Lonza-Ergebnis, dass die Spezialitätenchemie generell ein sehr schwieriges Jahr hinter sich habe. Eine Besserung sei nicht in Sicht.

Das sehe man auch bei der Basler Clariant, die im selben Geschäftsbereich tätig sei und auch nicht richtig vom Fleck komme.

Auch der Biologiesektor der Firmen inklusive Lonza sei schwach geblieben. "Die Firmen leiden unter Überkapazitäten".

Dazu komme die weltweit geringe Nachfrage nach organischen Zwischenprodukten und der schwache Dollar.

Auch die Konkurrenz durch billigere Anbieter aus China würde der Spezialitätenchemie hier generell zu schaffen machen, gibt Müller zu bedenken.

Belastung durch Werkschliessung

Grund für den Gewinneinbruch sind vorab – so Lonza - die ausserordentlichen Belastungen über 158 Mio. Franken. Lonza legte nämlich eine ganz Reihe von Feinchemikalien-Anlagen still, was zu einmaligen, nicht cash-wirksamen Aufwendungen vor Steuern von 100 Mio. Franken führte.

Das Betriebsergebnis sank auf 302 Mio. Franken. Der Verwaltungsrat schlägt eine Dividende von 1,3 Franken vor.

Der Jahresumsatz sank um 11,6% auf 2,242 Mio. Franken. Damit übertraf Lonza immer noch die Erwartungen der Analysten, die mit noch weniger Umsatz gerechnet hatten. Allerdings wurden sie beim Gewinn eher enttäuscht.

Bereits im ersten Halbjahr hatte Lonza 10% weniger umgesetzt und den Gewinn beinahe halbiert. Im Mai hatte die Firma nach einer Gewinnwarnung den Abbau von 500 Stellen angekündigt.

Kein Käufer für Polymere Zwischenprodukte

Gescheitert ist auch der geplante Verkauf der Divison Polymere Zwischenprodukte mit einem Umsatz von 578 Mio. Franken.

Die Sparte sollte bis 2005 verkauft werden. Ursprünglich hätte dies bereits im Jahr 2001 – noch unter dem damaligen Konzernchef Marchionne – über die Bühne gehen sollen.

Spezialitätenchemie im Schatten der Pharma-Industrie

Das Geschäft der Spezialitätenchemie rückte erst vor wenigen Jahren ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Was mit der Verselbständigung der technischen Divisionen von Sandoz (1995, Clariant) und (Ciba 1997, Ciba Spezialitätenchemie) begann, setzt sich dann mit der Ausgliederung der Lonza Group AG aus der ihrerseits zum Alu-Weltkonzern Nummer eins ("APA") fusionierten Algroup (früher "Alusuisse") fort.

Dass die Branche im Schatten der Pharmaindustrie auch heute noch kaum ein Aussenstehender bewusst wahrnimmt, ist erklärbar.

Mit Ausnahme des Ciba-Klebstoffs "Araldit" stellen die Spezialchemiekonzerne kaum Güter her, die für den Endkunden direkt identifizierbar sind.

Spezialchemikalien sind Substanzen, die entweder in der chemisch-pharmazeutischen Industrie weiterverarbeitet werden oder in zahlreichen andern Industriezweigen für Spezialeffekte zur Anwendung kommen: Von Textilfarbstoffen und Autolacken über Kunststoff-Stabilisatoren und Aufhellern bis zu Waschmittel-Zusätzen und lichtempfindlichen Flüssigkeiten der Elektronikbranche.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Lonza ist ein in den Life Sciences tätiges Unternehmen mit Sitz in der Schweiz. Das Unternehmen verfügt über 18 Produktions- und F&E-Standorte in 8 Ländern und beschäftigt weltweit rund 6000 Mitarbeitende.

Im Bereich der Exklusivherstellung für die Pharma- und agrochemische Industrie bietet Lonza Wirkstoffe und Zwischenprodukte auf chemischer und biotechnologischer Basis an.

Lonza offeriert auch ein umfassendes Sortiment an organischen Zwischenprodukten für eine breite Palette von Anwendungen und bietet antimikrobielle und verwandte Produkte sowie polymere Zwischenprodukte und Compounds an.

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