Lonza streicht 500 Stellen

Schon 2002 baute die Lonza 225 Stellen ab. Keystone

Der Spezial-Chemie-Konzern Lonza streicht weltweit 500 Stellen, 90 davon in der Schweiz. Grund sind die schwierigen Marktbedingungen.

Dieser Inhalt wurde am 19. Mai 2003 - 11:13 publiziert

Trotz der Massnahmen erwartet der Konzern im zweiten Semester eine wesentliche Verbesserung des Betriebsergebnisses.

Der Basler Chemiekonzern hat auf seinem ehrgeizigen Wachstumskurs Rückschläge erlitten. Wegen Überkapazitäten und Auftragsausfällen startet Lonza ein Kostensenkungsprogramm, dem rund 500 Stellen zum Opfer fallen. 90 Arbeitsplätze werden in der Schweiz abgebaut.

Der Abbau werde so sozial verträglich wie möglich durchgeführt: Man werde Fluktuationen wie auch Möglichkeiten zu Pensionierungen und Frühpensionierungen ausnützen. "Sicher wird es aber auch Entlassungen geben", sagte Konzernsprecher Walter Eschenmoser.

Für das erste Halbjahr 2003 wird ein Betriebsergebnis erwartet, das rund 20 Prozent unter jenem des Vorjahres liegen wird, wie die Lonza-Gruppe in einem Communiqué schreibt. Für das zweite Semester 2003 jedoch erwarte man eine wesentliche Verbesserung.

Völlig unerwartet

"Diese Ankündigung kam aus heiterem Himmel", sagte Martin Vögtli, Analyst bei der Bank Vontobel, gegenüber swissinfo. "Es ist eine sehr negative Nachricht, vor allem, weil mit der Biochemie das eigentliche Flaggschiff der Lonza betroffen ist."

Doch weil in diesem Bereich in den nächsten zwei Jahren mit keiner Besserung zu rechnen sei, "müssen sie adäquat reagieren". Daher seien die Massnahmen sicher gerechtfertigt, meinte Vögtli.

Gewinnwarnung

Gesamthaft erwartet Lonza ein Jahresergebnis, das ohne Berücksichtigung ausserordentlicher Erträge nicht höher als im Vorjahr ausfallen wird. Damals erwirtschaftete der Konzern einen Nettogewinn von 221 Millionen Franken.

Lonza habe einen Massnahmenplan eingeleitet, der zum Ziel hat, die Effizienz in den Geschäftseinheiten und in den Dienstleistungsfunktionen zu erhöhen und die allgemeinen Betriebskosten zu senken, schreibt der Konzern.

Insgesamt würde die Kostensituation um rund 100 Mio. Fr. während einer Periode von 12 Monaten verbessert.

Die Kosten für die Massnahmen würden rund 50 Mio. Fr. betragen. Dazu sollen rund 500 Stellen - vorwiegend in USA und Europa - gestrichen werden, davon 90 in der Schweiz.

Nicht mehr neue Produkte

Der Chemiekonzern spürt in seinen Auftragsbüchern die weltweiten Überkapazitäten in der chemischen Auftragsproduktion. Zudem habe sich die Anzahl neu zugelassener Produkte nicht signifikant erhöht, hiess es.

Negativ beeinträchtigt wurde auch der Bereich Biologics, nachdem klinische Studien von Kunden mit Lonza-Produkten nicht erfolgreich verlaufen seien. Dies habe zu einer reduzierten Auslastung der Anlagen in Slough und Portsmouth in Grossbritannien geführt.

Die Kunden hätten zwar ihre Aufträge annulliert, der Einnahmeausfall werde aber durch Entschädigungszahlungen kompensiert, hiess es. Die weggefallenen Aufträge für 2004 müssen allerdings noch ersetzt werden.

Höhere Rohmaterialpreise und ungünstige Wechselkurse wirkten sich auf die Bereiche Organische Feinchemie, Anwendungsorientierte Spezialitäten und Polymere Zwischenprodukte aus. Es werde schwierig, den Ertragsausfall bis Jahresende zu kompensieren.

Weitere Massnahmen möglich

Lonza prüft zurzeit weitere Restrukturierungsmassnahmen, wie es hiess. Die Struktur des Kundensynthese-Geschäftes werde überarbeitet, um das Dienstleistungsangebot und die Marktdurchdringung zu verbessern.

Zudem wird die Bildung einer weltweit operierenden Geschäftseinheit Technology Services überprüft. Darin wäre das gesamte technische Know-how in der frühklinischen Entwicklungsphase vereint.

Dasselbe Prinzip für spätere Entwicklungsphasen sei für eine Geschäftseinheit Custom Manufacturing vorgesehen. Damit würden bis Ende 2004 weitere 50 Millionen Franken gespart.

Wie weit sich diese Veränderungen auf das im vergangenen Jahr formulierte Geschäftsziel 2005 eines Umsatzwachstums auf 2,7 Milliarden Franken auswirkt, liess Lonza vorerst offen. Informiert werde bei Bekanntgabe des Halbjahresresultats.

Die Börse schlug heftig nach unten aus. Bis 12.45 Uhr notierte der Titel mit 70,60 Franken um 12,5 Prozent im Minus.

swissinfo und Agenturen

Fakten

2002: 6200 Angestellte weltweit
Nettogewinn 2002: 221 Mio. Fr.
Aktie sank um 12,5% auf 70,60 Fr.

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In Kürze

Die Lonza wurde 1897 für die Produktion von Wasserkraft gegründet. Schon bald spezialisierte sie sich daneben auf die Produktion von Brennstoffen. Die Administration der Lonza ist in Basel, wo schon bald die Produktion von Düngemitteln begann. Der Konzernsitz jedoch befindet sich im Wallis, in Visp.


Vor dem zweiten Weltkrieg konzentrierte sich die Aktivität auf Düngemittel, eine Waffe in der so genannten "Anbauschlacht", welche die Schweiz zum Selbstversorger machte. Nach dem Krieg diversifizierte die Lonza in andere Sektoren. Heute ist sie in vier Bereichen tätig: Organische Chemie, Anorganische Chemie, Agrochemie und Herstellung synthetischer Stoffe.

1974 wurde die Lonza von der Alusuisse übernommen, die sich hauptsächlich für die elektrische Energie interessierte. Mit dem Auftritt von Christoph Blocher und Martin Ebner im Verwaltungsrat wurde eine klare Trennung der beiden bereiche vorgenommen. Die Lonza wurde rekapitalisiert und konzentrierte sich wieder auf den chemischen Sektor. Sie ist heute wieder unabhängig von der Alusuisse.

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