Medienecho auf das WEF wird schwächer

Nur noch wenige Schweizer Zeitungen kommentieren das WEF. swissinfo.ch

Das Weltwirtschaftsforum Davos (WEF) 2006 ist zu Ende. Der pompöse Anlass ist nur noch in wenigen Zeitungen Thema für einen Kommentar.

Dieser Inhalt wurde am 30. Januar 2006 - 08:37 publiziert

Im Zentrum stehen kritische Fragen nach den Inhalten und der Bedeutung des WEF.

Das Weltwirtschaftsforum Davos (WEF) 2006 ist zu Ende. Die Bilanz in der Schweizer Presse fällt äusserst zwiespältig aus. Das WEF selber ist nur noch in wenigen Zeitungen Thema für einen Kommentar. Was am meisten interessiert: Die Verhandlungen der Schweiz mit den USA über Erleichterungen im Handel.

"Anmassend, aber anregend", resümiert der Zürcher Tages-Anzeiger und stellt die Frage: "Verliert das Weltwirtschaftsforum schleichend an Bedeutung?" Dafür gebe es Indizien. Erfolgreichste WEF-Veranstaltung sei ein Seminar der Sex-Therapeutin Dagmar O'Connor gewesen, das sie wegen des grossen Andrangs gleich dreimal habe geben müssen.

Weiteres Indiz für die abnehmende Bedeutung: Wenn Stars wie die Rocksänger Bono und Peter Gabriel, die Schauspieler Angelina Jolie und Michael Douglas, Bill Gates oder Bill Clinton die Scheinwerfer auf sich ziehen, "bleibt für das WEF nicht mehr viel übrig", so der Tagi.

Starparade statt Inhalte

Der Inhalt der Treffen würden die grosse Medienpräsenz nur schwerlich rechtfertigen, schreibt die Lausanner Zeitung 24 HEURES. "Raison, peut-être, pour laquelle le WEF a trouvé la parade avec les people?" Vielleicht der Grund, weshalb das WEF zur Starparade geladen habe.

"Mais qu'est-ce qui fait courir les gens au Forum économique mondial?", fragt sich 24 Heures, "Was hat die Leute am WEF am meisten auf die Beine gebracht?" Die Westschweizer Zeitung Le Temps hat die Antwort: "Sex und China".

Wichtigster Input aus dem Publikum

"Massiv überschätzt – und trotzdem bitter nötig", titelt die Neue Luzerner Zeitung. Die Medien suggerierten pompöse Treffen, an denen Entscheidendes erzielt werde. "Ein Trugschluss: Der illustren Schar fehlt es sowohl an der Legitimität als auch an der Zeit, überhaupt vernünftige Lösungen zu entwickeln", so die NLZ.

Dennoch sei das WEF ein unersetzlicher Anlass. "Seine Bedeutung steigt gerade in der Zeit, in der das Vertrauen in die Mächtigen in beängstigendem Tempo erodiert."

Die wichtigste Botschaft am diesjährigen WEF sei am Schluss gekommen – von einer Teilnehmerin aus dem Publikum, schreibt die Aargauer Zeitung. "Ich mache, statt ich sollte machen. Das ist meine Grundhaltung." Diesen Appell der Besucherin habe sich anschliessend WEF-Gründer Klaus Schwab zu Herzen genommen.

Auch Peter Brabeck, der Boss des Schweizer Nahrungsmittel-Konzerns Nestlé, habe die Stimme aus dem Publikum aufgenommen und räsonierte: "Oft sind wir einer Meinung, wenn wir unter uns sind. Das trennt uns von der Aussenwelt."

Wo sind die Inhalte?

Die Neue Zürcher Zeitung stilisiert das WEF zu einer Wettkampf-Arena, in der die aufstrebenden Wirtschaftsmächte China und Indien, denen das Hauptthema gewidmet war, um die Gunst der Bosse buhlten. Die Inder hatten die Nase vorn, vor allem dank ihrer "Indian Soirée".

Am übrigen WEF-Geschehen recht desinteressiert, stellt die NZZ fest: "Intellektuelle Substanz findet man am WEF meist abseits der medienwirksamen Anlässe." So beispielsweise in einem Artikel einer Broschüre, die am Forum aufgelegen habe. Christentum und Buddhismus begünstigten den Kapitalismus, zitiert die Zeitung den Artikel. Der Islam dagegen wirke sich eher negativ auf eine marktwirtschaftliche Entwicklung aus.

Schweiz-USA

"Deiss wendet Debakel ab", so der Titel der Berner Zeitung auf der Front. "Nach dem Nein des Bundesrats zu einem Freihandels-Abkommen mit den USA gelang es Bundesrat Joseph Deiss zu retten, was zu retten war." Die beiden Länder wollen versuchen, ihre Handelsbeziehungen auszubauen.

"Deiss sieht 'Erfolg", so der Fronttitel des Bund, der anderen Zeitung aus der Hauptstadt. Die Schweizer Wurzeln des US-Handelsdelegierten Rob Portman und die Davoser Alpenluft begünstigten, das Scheitern des angestrebten Freihandelsabkommens als Start einer neuen Kooperation darzustellen, so der Bund kritisch.

"Mit der Schaffung eines 'Handels- und Investitionsforums' demonstrieren Portman und Volkswirtschaft-Minister Joseph Deiss den Willen, wenigstens in einzelnen Bereichen den gegenseitigen Handel zu erleichtern."

swissinfo, Renat Künzi

In Kürze

1971 gründete Klaus Schwab das "European Management Symposium" in Davos, das 1987 in das Weltwirtschafts-Forum (WEF) umgewandelt wurde.

2002 fand das jährliche Treffen ausnahmsweise in New York statt, nach den Attentaten auf das World Trade Center vier Monate zuvor.

Die Gelüste des WEF, den Kongressort weg von Davos zu zügeln und der damit verbundene Druck gewisser Kreise in der Schweiz, haben in letzter Zeit abgenommen.

2006 besuchten 2400 Führungs-Persönlichkeiten das WEF, darunter 735 Direktoren und Präsidenten multinationaler Konzerne, rund 15 Staats- oder Regierungs-Präsidenten und Filmstars wie Angelina Jolie und Michael Douglas.

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