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Microsoft: Rumantsch-Fenster zur Cyberwelt

Eine Primarschülerin in Domat-Ems notiert sich neben der Schriftsprache Rumantsch Grischun die verschiedenen Idiome.

(Keystone)

Rumantsch ist auf dem Rückzug. Jetzt erhält die vierte Landessprache der Schweiz Unterstützung von unverhoffter Seite.

Der Gigant Microsoft entwickelt eine Software-Erweiterung (Interface), damit Bündner ihr Computer-Betriebssystem in ihrer Sprache benützen können.

Nicht nur Gründer und Milliardär Bill Gates, sondern auch sein Unternehmen Microsoft entwickelt immer philantropischere Züge: Der Software-Gigant will es Schweizern ermöglichen, auf dem Computer das Betriebssystem Windows sowie das Office-Programm auf Rumantsch laufen zu lassen.

Möglich machen soll dies eine neue Applikation, mit welcher der Gigant sein Betriebssystem nicht mehr nur in 40, sondern neu in 80 Sprachen anbietet. Ziel: Möglichst viele Menschen sollen in ihrer Muttersprache auf dem Computer arbeiten können.

Der Riese und die kleine Lia Rumantscha

Die Lia Rumantscha, die Dachorganisation aller rätoromanischen Sprach- und Kulturvereine, unterstützt Microsoft bei der Entwicklung einer Sprachensoftware, welche im nächsten Herbst in die Läden kommen soll.

Beide, Lia Rumantscha und Microsoft Schweiz, begrüssten die gemeinsame Entwicklung vor dem Hintergrund, dass Rumantsch im Kanton Graubünden seit Jahren von immer weniger Menschen gesprochen wird. Rumantsch Grischun ist eigentlich eine "Kunstsprache", eine Standard-Sprache, welche die fünf romanischen Dialekte zusammenfasst, die in verschiedenen Teilen des Kantons beheimatet sind oder waren.

Steter Rückgang

Gemäss der Volkszählung waren es im Jahr 2000 noch rund 35'000 Personen, die Rumantsch als Muttersprache angaben. Und eine jüngst veröffentlichte Studie zeigte, dass sich die vierte Landessprache ins Unterengadin sowie ins Surselva-Tal zurück zieht.

"Das Projekt zeigt, dass Rumantsch wie jede andere Sprache in Bereichen angewendet werden kann, die einen anspruchsvollen und eher technischen Wortschatz voraussetzen", sagte Daniel Telli von der Lia Rumantscha gegenüber swissinfo.

Erweitertes Vokabular

Telli weilte kürzlich im Microsoft-Hauptquartier in Seattle, wo er an der Entwicklung des Rumantsch-Sprachmoduls für die Spracherweiterung mithalf. Dieses umfasst auch eine Sprach-Korrektur. Der Einzug von Rumantsch in die Welt der Informations-Technologie (IT) helfe weiter, Standards auch für eine geschriebene Sprache zu setzen: das Rumantsch Grischun.

Alexander Stüger, Chef von Microsoft Schweiz, äusserte sich ebenfalls positiv über die ungewöhnliche Kooperation. "Wir sind erfreut, dass wir im Rahmen unseres sozialen Engagments in der Schweiz helfen können, Rumantsch Grischun als schriftliches Pendant des Rumantsch zu etablieren.

"Mit der Partnerschaft mit dem Kanton Graubünden und dem Einsatz von IT wollen wir einen Beitrag zur kulturellen und sprachlichen Vielfalt der Schweiz leisten", so Stüger. Mit anderen Worten: Alte Traditionen mit neuester Technologie bewahren.

Weiterführende Strategie

Laut Telli kann die Software weitere Bemühungen unterstützen, in Graubünden die heimische Sprache zu stärken. Beispielsweise im Schulunterricht, und in Ämtern und Kirchen, wo Rumantsch wieder vermehrt zu hören sein soll.

Die Bündner Behörden haben darauf hingewiesen, dass in den letzten Jahrzehnten Rumantsch sogar in seinen traditionell angestammten Gebieten allmählich von Deutsch zurückgedrängt wurde.

Morgenröte sehen die Behörden dagegen im Unterengadin und in der Surselva. Dort sind Schulen dazu übergegangen, die Kinder in Rumantsch zu unterrichten.

"Wir hoffen, dass das Projekt das sprachliche Bewusstsein der Rumantsch sprechenden Bevölkerung zu fördern", so Daniel Telli. "Wir rufen damit auch in Erinnerung, dass es in der Schweiz vier Landessprachen gibt."

swissinfo, Morven McLean
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

In Kürze

In der Schweiz sprechen heute noch gut 35'000 Menschen oder 0,5% der Bevölkerung Rumantsch als Muttersprache.

1990 waren es noch 0,6% der Bevölkerung.

Noch 60,000 Leute sprechen heute Rumantsch. Das ist ein Minus von 8,4% gegenüber 1990.

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