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Naher Osten: Gründe zur Hoffnung

Die Zukunft wird zeigen, ob es zwischen Israel und Palästina richtige Türen geben wird. Keystone

Der Tod von Jassir Arafat öffnet ein Fenster für die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern.

Dieser Inhalt wurde am 11. November 2004 - 17:46 publiziert

Im swissinfo-Gespräch erklärt der Nahost-Experte Pascal de Crousaz, die Schweiz könne eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau des palästinensischen Staates spielen.

swissinfo: Die israelische Regierung hat wiederholt betont, sie habe mit Arafat keinen glaubwürdigen Verhandlungspartner für die Friedensverhandlungen. Dieses Argument ist jetzt hinfällig.

Pascal de Crousaz: Arafat als Haupthindernis, das war für Ariel Sharon wahrscheinlich in erster Linie ein Vorwand, um nicht verhandeln zu müssen. Dies mit dem Ziel, die Intifada zu zerschlagen und die Kolonisation in den Gebieten voranzutreiben, welche der israelischen Regierung am wichtigsten sind, also im Westjordanland.

Mit dem Tod Arafats ist dieses Argument überholt. Die israelische Regierung hat sich bereits vorbereitet, um den Dialog unter strengen Regeln wieder aufzunehmen, was ein nicht sehr gutes Vorzeichen ist.

Innerhalb der Likud-Partei von Ariel Sharon scheinen aber zugleich die pragmatischen Kräfte an Gewicht zu gewinnen. Zudem scheint es, dass gewisse Offiziere der israelischen Armee, von diesem Zermürbungskrieg ermüdet, die Regierung zur Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen drängen.

Könnte Israel gewisse Kolonien im Westjordanland behalten, wird es sich in andern Fragen vielleicht flexibler zeigen. Aber diese mögliche Öffnung hängt weitgehend vom Druck der Initianten der Road Map (UNO, USA, EU und Russland) ab.

swissinfo: Welche Tendenz zeichnet sich auf Seite der Palästinenser ab?

P. de C.: Hier zeichnet sich eine kollegiale Führung ab. Sie setzt sich aus Personen zusammen, welche gleichzeitig pedantisch auf das Recht des palästinensischen Volkes pochen, pragmatisch sind und breite Verhandlungs-Erfahrungen haben.

Bis jetzt hat dieses Kollegium einen fehlerfreien Parcours hinter sich, wie der amerikanische Aussenminister Colin Powell anerkannte. Es steht jedoch noch vor gewaltigen Herausforderungen, wie der Reform der palästinensischen Institutionen und der Verteilung der Macht.

Die palästinensische Führung geniesst aber auch eine temporäre Schonfrist seitens der verschiedenen palästinensischen Strömungen. Denn diese wissen, dass ein Bruderkampf für das palästinensische Anliegen schlecht wäre.

Das palästinensische Volk braucht jetzt eine rasche Verbesserung seiner dramatischen Lebensbedingungen. Dazu ist eine massive Unterstützung der internationalen Gemeinschaft notwendig.

swissinfo: Gibt die neue Dymanik auch der von der Schweiz unterstützten Genfer Initiative eine neue Chance?

P.de C.: In der Tat. Die Road Map beschreibt eine Serie von Etappen, die es braucht, um einen definitiven Frieden zu erreichen. Die Genfer Initiative passt perfekt zu diesem Prozess, weil sie den Inhalt dieses definitiven Friedens aufzeigt.

Das heisst jedoch nicht, dass das Dokument unverändert übernommen würde. Es missfällt der Regierung Sharon zu stark.

Hingegen werden die darin enthaltenen kreativen, originellen und vernünftigen Ideen sicher in die Verhandlungen um den definitiven Status eines Palästinenserstaates einfliessen.

swissinfo-Interview: Frédéric Burnand in Genf
(Übertragung aus dem Französischen: Andreas Keiser)

In Kürze

Pascal de Crousaz hat an der Universität Haïfa in Israel Geschichte des Nahen Osten studiert.

Seine Dissertation schrieb er über den Friedensprozess zwischen 1988 – 1993.

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Fakten

1988: Der palästinensische Nationalrat ruft den Staat Palästina aus.

1993: Jassir Arafat und Yitzhak Rabin unterzeichnen das Friedensabkommen von Oslo.

2000: Die Verhandlungen zwischen Jassir Arafat und Ehud Barak in Camp David scheitern. Beginn der zweiten Intifada.

2003: Unterzeichung der Genfer Initiative.

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