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Nationalbank senkt Zins

Die Nationalbank schliesst weitere Zinsänderungen nicht aus - man beobachte die Entwicklung.

(swissinfo.ch)

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat mit einer Zinssenkung auf die rasche Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber wichtigen Währungen reagiert - die Wirkung blieb jedoch aus.

Die SNB senkte das Zielband für den Dreimonate-Libor per sofort um 0,5 Prozentpunkte auf 0,75 bis 1,75 Prozent. Das Zielband hat damit den tiefsten Stand seit Einführung der neuen Geldpolitik Anfang 2000 erreicht. Es war die fünfte Zinssenkung in Folge.

Wie erwartet keinen Zinswechsel gab es hingegen bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Der wichtigste Leitzins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbank-Geld bleibt damit bei 3,25 Prozent.

Starker Franken belastet Konjunktur

SNB-Sprecher Werner Abegg begründete den Schweizer Zinsschritt damit, dass die Frankenstärke die Konjunkturerholung gefährde. Die jüngsten Signale aus der Schweizer Wirtschaft und aus Europa deuteten nur auf eine schleppende Erholung hin.

"Es war notwendig zu handeln" - mit diesen Worten hat Nationalbankpräsident Jean-Pierre Roth am Donnerstagabend gegenüber SF DRS die überraschende Leitzinssenkung begründet. In den vergangenen Tagen sei ein neuer Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken entstanden. Der Dollar und der Euro seien schwach.

Hinzu komme, dass der Konjunkturaufschwung in der Schweiz noch fragil sei. Deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Leitzinssenkung, sagte Roth.

Wachstums-Prognose unverändert

An ihrer Dezember-Prognose eines Wachstums von 1,0 Prozent für das reale Bruttoinland-Produkt der Schweiz im laufenden Jahr hält die Nationalbank fest: Diese Schätzung sei im Vergleich mit den Prognosen vieler Konjunkturforscher ohnehin eher pessimistisch.

Als weiterhin günstig beurteilt die SNB die Aussichten für die Preisstabilität - trotz der jüngsten Preiserhöhungen bei SBB und SRG. Der Teuerungsanstieg im April sei vor allem auf Sonderfaktoren (Erhebungsmethode/Erdöl-Effekt) zurückzuführen.

Keine Wechselkurspolitik

Mit ihrer jüngsten Zinssenkung lockert die Nationalbank zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres ihre Geldpolitik explizit in der Absicht, die Frankenstärke zu brechen. Andererseits betont die Nationalbank stets, sie betreibe keine Wechselkurspolitik.

Die starke Frankenaufwertung wirke auf die Wirtschaft wie eine restriktivere Geldpolitik, sagte Nationalbank-Sprecher Abegg dazu. Mit ihrer Zinssenkung versuche die SNB, hier ein Gegengewicht zu erzeugen.

Franken als sicherer Hafen

Für die jüngste Frankenstärke seien vor allem wirtschaftliche und politische Unsicherheiten verantwortlich, teilte die Nationalbank weiter mit. Es sei derzeit kaum abzuschätzen, ob diese Unsicherheiten längere Zeit anhalten würden.

Die SNB verfolge die weitere Entwicklung aufmerksam. Sie werde ihren geldpolitischen Spielraum falls nötig trotz des bereits sehr tiefen Zinsniveaus ausnützen. Die SNB lässt damit durchblicken, dass sie ihr Pulver noch nicht verschossen hat.

Applaus aus allen Lagern

Wirtschaft, Gewerkschaften und Analysten bezeichneten die Zinssenkung durchwegs als positives Signal. Die Maschinen- und Elektroindustrie, die stark von den Exporten in den Euro-Raum abhängig ist, sieht ihre Forderungen an die SNB erfüllt.

Rudolph Walser, Ökonom beim Wirtschafts-Dachverband economiesuisse, bezeichnet die Leitzinssenkung auch in dieser Höhe als richtigen Entscheid. Gleichzeitig bedauert er, dass sich die SNB nicht bereits im März dazu habe durchringen können.

Christlichnationaler Gewerkschaftsbund will fixen Wechselkurs

Nach Ansicht des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) ist die Zinssenkung ein klares Zeichen, dass sich die Währungshüter dagegen stemmen, dass das Wirtschaftswachstum durch einen zu hohen Frankenkurs abgewürgt wird, sagte SGB-Ökonom Serge Gaillard.

Einen Schritt weiter geht der Christlichnationale Gewerkschaftsbund der Schweiz (CNG). Er fordert die SNB auf, ein Wechselkursverhältnis zwischen dem Schweizer Franken und dem Euro zu fixieren. Die Zinssenkung des SNB werde kaum ausreichen, die Aufwertung des Frankens zu stoppen.

Tiefere Hypozinsen gefordert

Der Schweizerische Hauseigentümerverband rief die Banken dazu auf, nun rasch die Hypozinsen zu senken. Zurückhaltender tönte es beim Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverband. Die Mieterschaft sei an tiefen und stabilen Hypozinsen interessiert.

Die Migrosbank, die bei Zinssenkungen oft mit tieferen Hypothekarzinsen vorangeht, sieht noch keinen Handlungsbedarf. Sie will aber den Markt aufmerksam verfolgen.

Franken reagiert kaum

Die Zinssenkung verpuffte am Devisenmarkt wirkungslos. Auch die Schweizer Aktien haben am Donnerstag insgesamt wenig verändert notiert.

swissinfo und Agenturen


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