Nationalbank verzichtet auf Zinserhöhung

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) verzichtet vorerst auf eine weitere Straffung der Geldpolitik. Erwartungsgemäss liess die Notenbank ihr Zielband für die Geldmarktzinsen am Donnerstag (14.09.) unverändert. .

Dieser Inhalt wurde am 14. September 2000 - 15:35 publiziert

Sie begründete dies unter anderem mit dem ruhigeren Tempo des Wirtschaftswachstums

Gemäss den geldpolitischen Beschlüssen für das vierte Quartal dieses Jahres beabsichtigt die Nationalbank den Dreimonats-Libor weiterhin im mittleren Bereich des bestehenden Zielbands von drei bis vier Prozent zu halten. Die Notenbank hatte das Band letztmals am vergangenen 15. Juni um einen halben Prozentpunkt angehoben, um Inflationsgefahren vorzubeugen. Trotz einer weiteren Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank vor Wochenfrist setzt die Nationalbank nun die bisherige Politik fort.

Der Libor befindet sich zurzeit ziemlich genau in der angestrebten Mitte des Zielbands.

Zur Begründung verwies die Nationalbank unter anderem auf das deutlich höhere Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) von durchschnittlich 3,8 Prozent im ersten Halbjahr sowie auf die Abschwächung des Wachstums im zweiten Quartal. Die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten seien im zweiten Quartal erstmals seit acht Jahren wieder annährend voll ausgelastet gewesen.

Besonders deutlich habe sich dies auf dem Arbeitsmarkt gezeigt,wo vermehrt Anzeichen eines Mangels an Arbeitskräften aufgetreten seien. Vorlaufende Indikatoren wie der Bestellungseingang in der Industrie deuten laut SNB darauf hin, dass der breit abgestützte Aufschwung in den nächsten Quartalen anhalten wird. Er dürfte aber in ruhigeren Bahnen verlaufen als zum Jahresbeginn. Fürs ganze Jahr wird ein Wirtschaftswachstum von gut drei, für 2001 ein solches von etwa zwei Prozent erwartet.

Die Teuerung dürfte zunächst auf über zwei Prozent steigen, 2002 aber wieder unter diese Marke fallen, die die Nationalbank mit Preisstabilität gleichsetzt. Im laufenden Jahr hält die Notenbank an ihrer Teuerungsprognose von rund 1,5 Prozent oder vielleicht etwas mehr fest, wie SNB-Sprecher Werner Abegg auf Anfrage sagte. In der Mitteilung wird darauf hingewiesen, dass die Teuerung bei den inländischen Gütern erfreulich tief sei. Auf die Wechselkurse angesprochen, sagte Abegg, die Nationalbank sei nicht der Auffassung, dass sich die Lage derart fundamental von jener im Juni unterscheide, dass irgendwelche Massnahmen nötig wären.

Ökonomen hatten erwartet, dass die Nationalbank bei ihrer jüngsten Lagebeurteilung auf eine weitere Zinserhöhung verzichtet. Die jüngsten Zahlen zur BIP-Entwicklung, die eine Verlangsamung des Wachstums im zweiten Jahr aufzeigen, dürften diesen Entscheid erleichtert haben. Hinzu kommt der Umstand, dass sich der Kurs des Schweizer Frankens in jüngerer Zeit im Vergleich zum Euro gefestigt hat. Die Inflationsgefahren, die sich mit den Erdölpreissteigerungen erhöht hatten, sind damit weniger virulent.

swissinfo und Agenturen

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