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Novartis eröffnet Fusions-Gespräche mit Aventis

Nun ist es offiziell: Novartis will mit Aventis fusionieren.

(Novartis)

Der Basler Pharmakonzern Novartis steigt offiziell ins Rennen um die deutsch-französische Aventis ein. Damit könnte er eine feindliche Übernahme durch die französische Sanofi-Synthélabo verhindern.

In Kürze würden Verhandlungen aufgenommen, teilte Novartis am Donnerstag mit.

Der Verwaltungsrat von Novartis habe beschlossen, das Angebot von Aventis anzunehmen und "über die Bedingungen eines potenziellen geschäftlichen Zusammenschlusses" zu verhandeln, heisst es im Quartalsausweis vom Donnerstag.

Finanzchef Raymund Breu unterstrich, Novartis wolle in Gesprächen mit der französischen Regierung die Vorteile des Zusammenschlusses klarmachen. Eine Fusion wäre wertsteigernd und von industrieller Logik.

Durch die Fusion würde der zweitgrösste Pharmakonzern der Welt entstehen. Ein Aventis-Sprecher begrüsste die Entscheidung von Novartis, machte aber keine weiteren Angaben.

Nach der Nachricht über die Verhandlungen reagierten die Novartis-Aktionäre skeptisch: Die Aktie sackte im Tagesverlauf um bis zu 3,3% auf 55,45 Franken ab; der Schlusskurs lag bei 56,20 Franken (minus 2%). Hingegen stieg der Kurs der Aventis-Aktie an der Pariser Börse um 4,9 Prozent.

Analysten waren bisher mehrheitlich davon ausgegangen, dass es Novartis nicht ernst meine mit einer Fusion, sondern vielmehr über die Gespräche an interne Informationen eines Konkurrenten gelangen wolle.

Quartalszahlen im Hintergrund

Mit der offiziellen Bestätigung zu Fusionsverhandlungen rückten die Quartalszahlen in den Hintergrund. Novartis ist gut ins Jahr 2004 gestartet und konnte den Reingewinn in den ersten drei Monaten um 22% auf 1,3 Mrd. US-Dollar steigern.

Der Umsatz stieg um 16% auf 6,64 Mrd. US-Dollar. Für das ganze laufende Jahr rechnet Novartis mit einem Umsatzwachstum in Lokalwährungen über dem Marktdurchschnitt im hohen einstelligen Bereich. Das operative Ergebnis und der Reingewinn sollen auf Rekordniveau steigen.

Auch der Konkurrent um Aventis, der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo empfahl sich am Donnerstag mit guten Quartalszahlen: So kann er eine Umsatzsteigerung um 12% auf 2,2 Mrd. Euro ausweisen.

Chancen unklar

Zusicherungen, ob es zwischen Novartis und Aventis zu einer Einigung kommen kann, könnten derzeit keine gemacht werden, hiess es. Aventis hat Novartis zu Hilfe gerufen, um eine Übernahme durch die Pariser Sanofi-Synthélabo abwehren zu können. Bislang hatte Novartis Fusionsverhandlungen von der Neutralität der französischen Regierung abhängig gemacht.

Paris favorisierte bisher jedoch ein Zusammengehen der beiden in Frankreich angesiedelten Unternehmen Aventis und Sanofi-Synthélabo. Sanofi-Synthélabo hatte knapp 48 Mrd. Euro für den grösseren Konkurrenten geboten.

Insider jedoch wollen wissen, dass Novartis über ihren Vorgänger Sandoz immer noch über beste Verbindungen in die französische Regierung verfügt. Die Sandoz-Stiftung, mit 2,9% Aktienanteil grösste Minderheitsaktionärin der Novartis, wollte dazu keine Stellung nehmen.

Keine Details zu Verhandlungen

An einer Telefonkonferenz sagte Novartis-Finanzchef Raymund Breu, Gespräche mit der französischen Regierung würden gesucht. Bestätigt wurde zudem ein Treffen zwischen Novartis-Chef Daniel Vasella und dem deutschen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement.

Bei einem derart grossen Deal werde allerdings die EU-Kommission als oberste Wettbewerbsbehörde der Union über einen Zusammenschluss entscheiden, sagte Breu.

Die Fusionsverhandlungen hätten noch nicht begonnen, und es sei deshalb auch offen, wann sie zu einem Abschluss kommen würden. Breu wollte sich auch nicht zu Preisvorstellungen äussern. Er bestätigte aber, dass über mögliche Spin-offs gesprochen werden solle.

Es handle sich nicht mehr um Vorgespräche sondern um ernsthafte Verhandlungen, erläuterte Breu.

Am Tag nach der Ankündigung der Fusionsverhandlungen schaltete sich am Freitag die französische Regierung in die Übernahmeschlacht um Aventis ein. Eine Fusion mit Sanofi-Synthélabo sei im "nationalen Interesse" Frankreichs, hiess es in Paris. Bern und Berlin mahnten Paris zur Zurückhaltung.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Durch die Fusion könnte der zweitgrösste Pharmakonzern der Welt entstehen (hinter Pfizer).
Die französische Regierung hat sich gegen eine Fusion ausgesprochen, will aber neutral bleiben.
Novartis hat den Gewinn im ersten Quartal um 22% auf 1,3 Mrd. Dollar erhöht.
Sanofi-Synthélabo bietet rund 70 Mrd. Franken für Aventis.
Novartis war 1996 aus der Fusion der beiden Schweizer Chemiekonzerne Sandoz und Ciba-Geigy entstanden.

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