Ökonomen: Schweizer Konjunktur zeigt sich robust

Der private Konsum macht einen gewichtigen Anteil am Schweizer Brutto-Inlandprodukt aus. Das gute Konsumklima ist deshalb ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Keystone Archive

Die Schweizer Wirtschaft spürt zwar die weltweite Konjunkturflaute. Nach Ansicht von Ökonomen hält sich die Schweiz aber im europäischen Vergleich recht gut. Die Struktur-Reformen der letzten Jahre und der flexible Arbeitsmarkt zeigen Wirkung.

Dieser Inhalt wurde am 19. August 2001 - 10:46 publiziert

Bis weit in die 90-er Jahre war die Schweiz mit Wachstumsraten von unter 1% das Schlusslicht unter den OECD-Ländern. Die Forderungen nach einer Revitalisierung der Wirtschaft, überfälligen Struktur-Reformen und Deregulierung machten die Runde.

An Fitness gewonnen

Auch wenn die Reformziele nicht überall erreicht wurden, ist die Schweizer Wirtschaft nach einhelliger Meinung von Ökonomen doch spürbar fitter geworden. Die hohen Wachstumsraten bei den Ausrüstungs-Investitionen in den letzten Jahre sind ein Beleg dafür.

"Die Wirtschaft hat ihren Kapitalstock in den 90-er Jahren grundlegend erneuert", sagte Alois Bischofberger, Chefökonom der Credit Suisse. Noch wichtiger aber sei, dass sich der Arbeitsmarkt nach den Krisenjahren rasch und nachhaltig verbessert habe.

Schweiz koppelt sich ab

Damit sei der Grundstein für das gute Konsumklima in der Schweiz gelegt worden. Konjunkturelle Rückschläge liessen sich so besser verkraften. Der private Konsum ist mit einem Anteil von knapp zwei Dritteln die wichtigste Grösse des Brutto-Inlandproduktes (BIP).

"Die Schweiz hat sich dank der starken Binnenwirtschaft ein Stück weit von der Konjunkturschwäche in Europa und den USA abkoppeln können", sagte Bischofberger. Heute liegt die Schweiz mit ihren Wachstumsraten wieder in der Spitzengruppe der OECD-Länder.

Geteilte Meinungen zur Zukunft

Ob das gute Konsumklima anhalten wird, darüber gehen die Meinungen auseinander. Während Serge Gaillard, Zentralsekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, ab Herbst einen spürbaren Anstieg der Arbeitslosigkeit und nur noch ein BIP-Wachstum von 1,4% für 2001 voraussagt, sind andere Ökonomen optimistischer.

Josef Perrez, Ökonom bei der Zürcher Kantonalbank, rechnet nur mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit. Der Konsum dürfte damit stark bleiben. Perrez hält nach wie vor ein BIP-Wachstum von 1,9% für möglich. Das Risiko einer Korrektur nach unten sei aber in letzter Zeit grösser geworden.

Gleich tönt es bei UBS-Warburg-Ökonom Andreas Höfert. Die UBS hatte bereits im Juni ihre BIP-Schätzung von 2,2% auf 1,6% kräftig nach unten revidiert. Spuren hinterlasse die schwächere Weltkonjunktur vor allem bei den Exporten.

Konjunktur-Einbruch in Deutschland

Die jüngsten Meldungen aus Deutschland, mit Abstand wichtigster Abnehmer von Schweizer Produkten, stimmen in der Tat nicht gerade zuversichtlich. Deutsche Ökonomen rechnen für das zweite Quartal 2001 gegenüber dem Vorquartal mit einem BIP-Rückgang von 0,1%. Das dritte Quartal dürfte eher noch schlechter ausfallen.

Wie stark die Konjunktur-Flaute in wichtigen Exportländern auf die Schweiz durchschlägt, werden die BIP-Zahlen für das zweite Quartal 2001 zeigen. Sie werden am 20. September vom Staatssekretariat für Wirtschaft veröffentlicht.

BIP-Revision für 2000 nach unten?

Unerwartet Schützenhilfe könnte die für den gleichen Tag geplante Statistik zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) bereithalten. Laut inoffiziellen Quellen wird das BIP für 2000 von 3,4 auf rund 3% nach unten revidiert. In diesem Fall würde der positive Basiseffekt die Zahlen für 2001 nach oben drücken.

swissinfo und Winfried Kösters (sda)

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