Olympische Flamme unter starker Bewachung entzündet

Die olympische Flamme wird an den ersten Fackelläufer übergeben. Keystone

In Anwesenheit von zahlreichen Vertretern Griechenlands und Chinas ist das olympische Feuer der Spiele von Peking im heiligen Hain des antiken Olympia entzündet worden

Dieser Inhalt wurde am 24. März 2008 - 17:58 publiziert

Während einige Stimmen zu einem Boykott der Olympischen Spiele aufrufen, spricht sich Adolf Ogi, der ehemalige UNO-Sonderbeauftragte für Sport, gegen eine solche Massnahme aus.

Im Beisein des Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, entfachte die griechische Schauspielerin Maria Nafpliotou 137 Tage vor Beginn der Sommerspiele in Peking die Flamme traditionell mit einem Hohlspiegel.

Trotz grosser Sicherheitsvorkehrungen sorgten drei Demonstranten der Organisation "Reporter ohne Grenzen" für einen Eklat. Das Trio, unter ihnen der Chef der Organisation Robert Menard und ein Tibeter, sprang mitten in der Rede von Pekings Olympia-OK-Chef Liu Qi auf und stürmte mit Fahnen auf den Chinesen zu.

Auf ihren Spruchbändern standen die olympischen Ringe in Flammen und es war der Satz zu lesen: "Boykottiert das Land, das die Menschenrechte mit Füssen tritt."

Sicherheitskräfte überwältigen die drei. Insgesamt sechs Aktivisten wurden festgenommen. Eine der verhafteten Personen soll laut Polizeiquellen eine Schweizerin tibetischer Abstammung sein.

Symbol des Friedens

Er hoffe, das Feuer werde in den kommenden Wochen "überall und von jedem als Symbol des Friedens angesehen", sagte Rogge in seiner Rede und rief China indirekt auf, das Blutvergiessen in seiner krisengeschüttelten autonomen Region Tibet zu beenden:

"Der Fackellauf und die Spiele müssen unter einem friedfertigen Geist stehen." Die Spiele in Peking seien die Chance für die Menschen in China und der Welt, einander zu begegnen, sich kennenzulernen und zu respektieren. Im Vorfeld hatte Rogge gesagt, er sehe derzeit keine Anzeichen für eine Boykott-Bewegung.

Zahlreiche Tibet-Aktivisten haben Störaktionen für den Lauf angekündigt. Sie verlangen angesichts der blutig niedergeschlagenen Proteste in ihrer Heimat, dass das Feuer nicht wie geplant im Mai über Tibet auf den Mount Everest und vom 19. bis 21. Juni durch die tibetischen Städte Shannan Diqu und Lhasa gebracht wird.

Ogi gegen Boykott

Der ehemalige UNO-Sonderbeauftragte für Sport, Adolf Ogi, hat sich gegen einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking ausgesprochen. Damit würden vor allem die Athleten bestraft, sagte Ogi.

Frühere Olympia-Boykotte wie in Los Angeles und Moskau hätten wenig gebracht, erklärte der alt Bundesrat. Stattdessen rief Ogi dazu auf, die Probleme vor dem Grossereignis zu lösen. "Ich bin der Meinung, dass man nicht Erklärungen abgeben kann, sondern jetzt handeln muss."

Ogi schlug vor, dass der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, nach Peking reisen solle. Den Chinesen müsse klar gesagt werden, dass weitere Probleme auf sie zukämen.

Nebst der Tibetfrage würden auch die Menschenrechte, die Pressefreiheit, Doping und Umweltschutz thematisiert werden. Es sei sehr wichtig, wie China auf diese Fragen reagiere. Im Fall von Tibet habe Peking unverständlich reagiert und damit die totale Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich gezogen.

Eine weitere Möglichkeit wäre, einen Mediator einzusetzen, sagte Ogi. Als möglichen Vermittler nannte er den früheren britischen Premierminister Tony Blair.

swissinfo und Agenturen

Olympischer Fackellauf

Das olympische Feuer wird bis zum 30. März durch Griechenland getragen, ehe die Übergabe an die chinesischen Olympia-Organisatoren erfolgt.

Die Flamme kommt am 31. März in Peking an und startet dann unter dem Motto "Entfache die Leidenschaft, teile den Traum" zu ihrer "Reise der Harmonie" über fünf Kontinente, durch 20 Länder und ab 4. Mai durch alle chinesischen Provinzen, auch Tibet.

Mit 137'000 Kilometern wird es der längste Fackellauf der Geschichte. Der Weg einer zweiten Fackel führt auf den 8850 Meter hohen Mount Everest.

Tibet-Aktivisten haben Störaktionen für den Fackellauf angekündigt. Sie wehren sich insbesondere dagegen, dass die olympische Flamme auch durch Tibet und den Mount Everest getragen wird.

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Tibet

In Tibet, haben am 10. März dieses Jahres friedliche Proteste gegen das chinesische Regime begonnen.

Die Demonstrationen wurden gewalttätig, als die chinesische Polizei hart durchgriff.

Die Bilanz der Auseinandersetzungen: Während die Regierung in Peking 19 Toten zählte, spricht die tibetische Exilregierung von über 100 Toten.

Die internationale Gemeinschaft hat China zur Mässigung aufgefordert. Die Chinesen ihrerseits behaupten, die Tibeter nähmen die "Olympischen Spiele als Geisel". Peking beschuldigt die "Clique des Dalai Lama" für die Unruhen verantwortlich zu sein.

Der Dalai Lama, der geistige und politische Führer der buddhistischen Tibeter, der sich in Indien seit 49 Jahren im Exil befindet, kritisiert seinerseits die Repression in China heftig.

Der 1989 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Dalai Lama spricht sich für eine Autonomie Tibets aus. Von der Forderung nach Unabhängigkeit ist er inzwischen abgerückt.

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