Ozonloch: Erfolgsstory mit offenen Fragen

Ozonloch: Wissenschaft und Politik haben sich hier zusammengerauft. Keystone Archive

Das Problem des Ozonlochs scheint gelöst zu sein. Doch das grösste globale Umweltproblem, die Klimaveränderung, bleibt bestehen.

Dieser Inhalt wurde am 29. Januar 2002 - 16:58 publiziert

Das Problem des Ozonlochs sei eine Erfolgsstory, sagt Thomas Peter, Professor für Atmosphären-Chemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) gegenüber swissinfo. "Wissenschaftliche und politische Gruppen haben in diesem Bereich in der Vergangenheit gut miteinander gearbeitet." So habe man die verursachenden Substanzen dieses Phänomens, die FCKWs, bannen können.

Allerdings beziehe sich die Erfolgsstory hauptsächlich auf den politischen Teil, räumt Professor Peter ein. Denn wissenschaftlich blieben noch Fragen offen. Damit sei es eine relative Aussage. Das Ozonloch werde sich frühstens in einigen Jahrzehnten schliessen und erst dann wieder auf dem Stand von vor 1980 sein.

Trotzdem sei es eine Erfolgsstory. "Denn wenn wir weiter gemacht hätten ohne zu reagieren, ohne diese politischen Protokolle zu haben, dann stünden wir heute ganz anders da. Und wir müssten davon ausgehen, einen massiven Ozonschwund zu haben. Und zwar weltweit, nicht nur in der Südpolar-Region, wo sich das Ozonloch befindet, sagt Thomas Peter.

Ähnlich tönt es von Seiten des WWF Schweiz. Das Problem des Ozonlochs sei heute zwar noch nicht gelöst, doch seien die notwendigen Massnahmen getroffen worden, damit es in einigen Jahrzehnten gelöst sein werde, sagt Marcel Odermatt, Leiter Bereich Klima und Energie beim WWF in Zürich. "Aber man muss eigentlich sagen, die Ozonloch-Geschichte ist eine Erfolgsgeschichte für die Umweltbewegung und die Umweltpolitik", so Odermatt zu swissinfo.

Wissenschaftlich-politisches Lehrstück

1985 hatten zwei britische Wissenschafter das von ihnen beobachtete Phänomen extrem niedriger Ozonwerte in der Antarktis in direkten Zusammenhang mit den Emissionen von FCKWs (Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe) gestellt. Diese künstliche Stoffgruppe wurde seit rund drei Jahrzehnten grosstechnologisch produziert.

Die Erkenntnisse der britischen Forscher schlugen wie eine Bombe ein: Bereits 1987 unterzeichneten 24 Nationen das "Montrealer Protokoll zur Begrenzung ozonabbauender Stoffe". Das ursprüngliche Protokoll und die jeweils verschärften Folgeabkommen von London (1990), Stockholm (1992) und Wien (1995) sind heute von über 150 Staaten - auch der Schweiz - ratifiziert.

Hauptproblem Klimaveränderung

Das drängenste globale Umweltproblem ist heute die Veränderung des Klimas durch die Emission von Treibhausgasen. Das bestätigt Professor Peter. Die Treibhausproblematik sei viel schwieriger als jene des Ozonlochs.

Während die FCKW-Produkte einen relativ begrenzten Einsatzbereich gehabt hätten (z. B. Sprayflaschen, Kühlstoffe) und von nur relativ wenigen grossen Chemiefirmen produziert worden seien, ginge es bei der Treibhaus-Problematik vor allem um Kohlendioxid: "Das, was wir alle produzieren, wenn wir mit dem Auto zur Arbeit zu fahren." Da müssten nicht nur technologische, sondern auch Verhaltens-Änderungen vorgenommen werden.

So sieht es auch Marcel Odermatt vom WWF Schweiz. Die Klimafrage betreffe sehr viel grundlegendere Prozesse des Lebens, des Wirtschaftens: Verkehr, Heizung, Produktion von Gütern, alles sei mit Energie-Verbrauch verbunden, der heute noch auf den fossilen Energien Erdöl und Erdgas beruhe. "Da die grosse Wende zu bewirken, das wird noch ganz schwierige Diskussionen und Auseinandersetzungen geben. Da sind wir ganz, ganz am Anfang", so Odermatt zu swissinfo.

Besonders betroffene Schweiz

Die Klimaerwärmung könnte die Schweiz besonders betreffen, weil sie ein gebirgiges Land mit schwierigem Terrain sei, sagt Professor Peter. Wenn es in einer solchen Region zu meteorologischen Veränderungen komme, dann sei sie gefährdet: Es könnten sich vermehrt Bergstürze ereignen.

Die Schweiz hat sich 1997 im Klimaprotokoll von Kyoto dazu verpflichtet, ihren CO2-Ausstoss bis 2010 um 8% unter dem Stand von 1990 zu reduzieren. Der WWF Schweiz verlangt für die gleiche Zeitperiode eine 25%-Senkung. Eine Forderung, der sich auch Wissenschafter Thomas Peter anschliessen kann.

Schwierige Umsetzung

Allerdings ist Peter in Sachen Umsetzung der Massnahmen skeptisch und verweist auf die Enttäuschungen im Kyoto-Prozess mit den Folgekonferenzen in Bonn und Marakesch. "Es scheint ein Strohhalm gerettet worden zu sein, an dem wir uns im Moment festhalten bei den Dissonanzen zwischen den USA und Europa; ich denke, wir bräuchten hier wieder solideren Boden unter den Füssen. Die Entwicklung im Kyoto-Prozess scheint aber ziemlich anders zu verlaufen als im Montrealer-Prozess."

Marcel Odermatt vom WWF bezeichnet die Schweizer Verpflichtung in Sachen CO2-Reduktion als "ersten kleinen Schritt". Ob die Schweiz ihr Ziel erreicht, werde sich in der politischen Auseinandersetzung noch zeigen. "Im Verkehrsbereich ist allen klar, die gesetzten Ziele werden wir nicht erreichen bis 2010."

In den nächsten 30 bis 50 Jahren sollten rund 70% des heute verbrauchten CO2-Ausstosses reduziert werden. Und das sei eine enorme Anforderung an die Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, an alle Kosumentinnen und Konsumenten.

Jean-Michel Berthoud

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