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Barack Obamas Schweizer Wurzeln

Ried bei Kerzers: Kommt es bald zu einer Partnerschaft mit Washington DC?

(Keystone)

Ein Schweizer Dorf erhebt den Anspruch auf Barack Obamas Wurzeln. Ried bei Kerzers, im Kanton Freiburg, ist ein weiterer europäischer Ort, der sich in die Diskussion um die multikulturelle Herkunft des US-Präsidenten bringt.

Nach dreimonatigem Durchkämmen von Stadtarchiven ist ein Schweizer Archivar beim Stammbaum der Familie Obama auf einen Dorfbewohner aus der Westschweiz gestossen.

Dass der Vorfahre Hans Gutknecht, um den es geht, 1720 im französischen Dorf Bischwiller im Elsass lebte, war von Archivaren bereits bestätigt worden. Experten vermuteten, Gutknecht könnte aus der Schweiz stammen. Jetzt wurde seine Taufurkunde aus dem deutschsprachigen Bauerndorf Ried bei Kerzers, in der Nähe von Bern, entdeckt.

In der Vergangenheit war der Name Gutknecht in der Gegend um Ried bei Kerzers geläufig. Als in den letzten Jahren Spekulationen auftauchten über eine mögliche Verbindung zu Obama, meldeten sich einige Gutknechts aus Ried und beanspruchten den US-Präsidenten als den ihren.

"Geheimnis" gelüftet

Der Gemeinderat von Ried entschied darauf, das "Geheimnis" zu lüften und beauftragte seinen Ahnenforscher Hans Herren, den Fall abzuklären. Nachdem verschiedene Gutknecht-Stämme ausgeschieden waren, stiess Herren auf eine Familie im nahe gelegenen Fräschels. Der Familienstammbaum endet mit einem 12-jährigen Jungen, einem entfernten Cousin von Obama.

Gleichzeitig stiess Herren auf die Geburtsurkunde von einem Hans Gutknecht im Jahr 1692 – Obamas Grossvater siebten Grades mütterlicherseits. In den frühen 1700er-Jahren war dieser Hans Gutknecht nach Frankreich ausgewandert. Sein Sohn begab sich später nach Pennsylvania in die USA. Dabei änderte er seinen Namen in Goodnight. Die Recherchen wurden vom Freiburger Kantonsarchiv bestätigt.

Ehrenbürger

Das gesammelte recherchierte Material zum Stammbaum der Familie Gutknecht soll am 13. Juli an einer Medienveranstaltung des Dorfes Ried präsentiert werden. Die amerikanische Botschaft in Bern wurde auch eingeladen, doch sie wird an dem Event nicht offiziell vertreten sein, weil es eine private Angelegenheit sei, sagt Heinz Etter, Gemeinderatspräsident von Ried gegenüber swissinfo.ch.

"Dann schrieb ich einen Brief an US-Präsident Barack Obama. Der Gemeinderat beschloss, Barack Obama zum Ehrenbürger von Ried zu ernennen und ihm das Dokument zu überreichen", erzählt Etter im einzigen Kaffee des Dorfes. Es erübrigt sich zu sagen, dass aus Washington keine Antwort kam.

Positive Auswirkungen

Elisabeth Thomas ist ebenfalls eine Dorfbewohnerin von Ried, die über die Auswirkungen der Verbindungen zu Obama nachgrübelt. "Es ist eine sonderbare Sache. Die Leute reden darüber. Einige glauben es, andere nicht", sagt sie gegenüber swissinfo.ch.

"Letzten Endes hat die ganze Sache eine positive Auswirkung auf Ried", sagt die Frau. "In einem Dorf wie diesem sind die Leute, wie Sie sich vorstellen können, politisch eher rechtsstehend, wenn man über Schwarze spricht und so. Aber wenn man sagt, man habe vielleicht eine Verbindung zu Obama, dann…"

"Ich bin stolz", sagt Martin Schindrig, ein anderer Dorfbewohner. "Ich denke, er ist ein guter Mann. Ich weiss, dass Leute im Dorf wirklich glücklich über seine Wahl waren. Das war nur in den USA möglich. Hier in meinem Dorf kann ich mir keinen schwarzen Präsidenten vorstellen." Die USA seien ein Land von Einwanderern, "und es ist schön, dass dies immer noch so ist".

Gute Nachrichten für Demokraten

Obama erinnert in seinem Buch "Dreams of My Father" an Einzelheiten einiger seiner kenianischen Wurzeln. Und in den letzten Jahren wurde der Stammbaum der Fanilie seiner Mutter bis zurück nach Deutschland, Frankreich und Irland verfolgt. Jede Neuentdeckung provozierte Hinweise auf den US-Präsidenten: Obama in Lederhosen, oder Witze über seinen "wirklichen" Namen "O'Bama".

Die Entdeckung von Ried bei Kerzers wurde vom Freiburger Geschichtsdozenten und Obama-Anhänger Alain Chardonnens aufgenommen und in einem Buch verwoben, das er zu den ersten 100-Amtstagen Obama schrieb. Weitere Beweise über Obamas Schweizer Wurzeln würden Oppositionsstimmen zum Schweigen bringen, die Verschwörungstheorien über die Herkunft des Präsidenten verbreiteten und behaupteten, er sei nicht in den USA geboren, sagt Chardonnens gegenüber swissinfo.ch.

"Das war eine sehr wichtige Sache für ihn und die Demokratische Partei 2008. Die Republikaner denunzierten seinen arabischen Namen, Hussein. Die Demokraten wollten der weissen Wählerschaft zeigen, dass Obama auch weisse Wurzeln hat und ein Amerikaner wie jeder andere ist."

Die Entdeckung seiner Schweizer Wurzeln sind für Chardonnens "gute Nachrichten" für die Demokraten. "Bald schon sind die US-Zwischenwahlen. Die Tea Party greift Obama weiterhin an. Obamas Geburtsurkunde wird nach wie vor bezweifelt."

Stolz, aber keine Veränderung

"Für die Dorfbewohner von Ried bei Kerzers ist die ganze Sache eine grosse Quelle von Stolz. Aber was kann man daneben noch machen?", fragt Chardonnens und witzelt, das Dorf könnte ja eine Obama-Statue erstellen oder versuchen, eine Partnerschaft mit Washington DC einzugehen.

Es werde sicher überhaupt keine wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen haben. "Es schmeichelt einzig und allein dem Stolz der Dorfbewohner", so der Freiburger Geschichtsdozent.

Nach Ansicht von Gemeindepräsident Etter wissen die 1064 Bewohner von Ried mit der neu erlangten Berühmtheit locker umzugehen. "Nach der Entdeckung der Verbindungen zu Obama sind wir wieder an die Arbeit gegangen. Wir hören deswegen nicht auf zu arbeiten. Nichts hat sich geändert."

Jessica Dacey, Ried bei Kerzers, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen: Jean-Michel Berthoud)

Obamas Schweizer Familienstammbaum

Hans Gutknecht (1692-1762) aus Ried bei Kerzers, Kanton Freiburg, heiratete Anna Barbara Kiefer. Das Paar zog nach Bischwiller in Frankreich (Elsass) und hatte dort einen Sohn namens Christian (1722-1795), der später in die USA auswanderte. Dort heiratete er Maria Grünholtz und änderte seinen Namen von Gutknecht in Goodnight.

Der nächste in der Linie war deren Sohn Samuel Goodnight, der Magdalena Berkeimer heiratete. Sie hatten eine Tochter namens Catherine, die Jacob Dunham heiratete.

Ihr Sohn, Jacob Dunham, heiratete Louise Eliza Stroup. Ihr Sohn Jacob William Dunham heiratete Mary Ann Kearney. Sie hatten einen Sohn namens Ralph Waldo Emerson Dunham.

Dieser heiratete Ruth Lucile Armour. Ihr Sohn Stanley Dunham – Obamas Grossvater mütterlicherseits – heiratete Madelyn Payne. Deren Tochter Ann Dunham heiratete Barack Hussein Obama und hatte einen Sohn namens Barack Hussein Obama – der heutige US-Präsident.

Das Freiburger Kantonsarchiv bestätigte die Recherchen, die auf "solider und gut dokumentierter Arbeit" von Archivar Hans Herren basierten.

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Kenianische Wurzeln

Barack Obama ist der Sohn von Ann Dunham, einer amerikanischen Anthropologin, die 1995 starb, und Barack Obama Senior, Ökonom in der kenianischen Regierung. Er starb 1982.

Obama hat eine Halbschwester, Maya Kassandra, aus der zweiten Ehe von Ann Dunham mit Lolo Soetoro. Obama ist eng verbunden mit seinen Grosseltern mütterlicherseits, Madelyn und Stanley Dunham, seit diese von Indonesien auf die Insel Hawaii umgezogen sind.

Der US-Präsident hat mehrere Halbbrüder und Halbschwestern in Kenya: Malik, Abo, Auma, George Hussein Onyango, Bernard Obama, Mark und David Ndesandjo. Obama hat drei Halbonkel: Said, Yusuf und Omar Obama sowie eine Halbtante, Zeituni Onyango.

Obamas Grossvater väterlicherseits, Hussein Onyango Obama, starb 1979. Husseins zweite Frau, Habiba Akumu Obama, war Obamas Grossmutter väterlicherseits. Später heiratete er Sarah Obama, die Barack Obama Senior aufzog.

In seinem Buch "Dreams of My Father" zeichnet Obama seine kenianischen Wurzeln auf und schreibt von Reisen nach Kenia, wo er seine Verwandten besucht und mehr über seine Vorfahren erfährt. Dort hört er Geschichten über seine Urgrosseltern, Obama und Nyaoke, und Ururgrossvater Opiyo.

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