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Presseschau vom 19.04.2003

Neben besinnlichen Themen, wie es sich zu Ostern gehört, bleiben der Krieg im Irak und die Folgen der US-amerikanischen Invasion weiterhin in den Schlagzeilen.

Dieser Inhalt wurde am 19. April 2003 - 09:23 publiziert

Für Empörung in der Schweizer Presse sorgen die Plünderungen von Museen und die Barbarei an Kulturgütern.

Die Sieger des illegalen Krieges würden ihre Stärke ausnützen und sowohl die EU wie auch die UNO vor den Kopf stossen, schreibt die Westschweizer Zeitung LE TEMPS. So bleibe den Vereinten Nationen wohl nun nichts anderes übrig, als mit der Aufhebung der Sanktionen gegen Irak diesen illegalen Krieg im Nachhinein zu legalisieren, was die UNO bei einer allfällig zentralen Rolle im Nachkriegs-Irak so oder so tun werde.

"Die Lage ist für die USA aber gefährlich. Das zeigen die Befindlichkeit der so genannt 'Befreiten' in Mossul und anderswo sowie die schiitischen Demonstrationen, die den Abzug der Besatzungstruppen fordern."

Die Administration Bush scheine das nicht zu beeindrucken, so LE TEMPS weiter. Zwar seien das Weisse Haus und das Pentagon nicht das ganze Land. Das Land aber schweige im Moment.

Für den Berner BUND hat die völkerrechtswidrige Aggression gegen Irak zwar ein Problem gelöst, ganz sicher aber auch neue geschaffen:

"Denn der Krieg hinterlässt - einmal abgesehen von der Lage in Irak selbst und im Nahen Osten - keine sichere Welt. Die USA haben vorexerziert, dass das Recht des Stärkeren zum Erfolg führt. Und völkerrechtlich nicht legitimierte Gewalt hatte bisher immer die Tendenz, sich auszuweiten."

Die Zerstörung des irakischen Kulturgutes schockiert die Welt

Schockiert und empört haben die Welt und auch die Presse auf die Zerstörung und Entwendung irakischer Kulturschätze reagiert:

"Angesichts der Bilder von ausgeräumten Museumshallen und zerbrochenen Sammlungsresten, die uns aus Bagdad erreichen, haben die von der Unesco geforderten Dringlichkeitsmassnahmen etwas von der Verzweiflung eines Kanufahrers, der vorne ein Leck stopft, während das Heck schon unter Wasser ist", schreibt die BASLER ZEITUNG auf der Titelseite.

Der Kommentator der BERNER ZEITUNG schiebt die Verantwortung für die massiven Plünderungen klar der US-Armee zu:

"Sie hat sich schuldig gemacht. Sie hat die Kulturgüter nicht geschützt und den Plünderern überlassen, die teilweise vermutlich systematisch vorgingen. Kulturgüter nicht zu schützen ist barbarisch. Immerhin übergaben Experten schon vor dem Krieg den Militärs Listen mit schützenswerten Kulturgütern - undenkbar, dass das Nationalmuseum in Bagdad, das als Louvre des Orient gilt, nicht darunter war."

"War es tatsächlich der Mob, der all diese Schätze wegtrug oder waren es nicht auch Spezialisten, die genau wussten, was sie davontrugen? Oder waren es die Armen, die sich durch Plünderungen ihr Überleben sichern wollten?" Solche Fragen stellt sich der Zürcher TAGES-ANZEIGER.

Museen erinnerten in einer trostlosen Gegenwart an eine grosse Vergangenheit und seien auch Garant für eine grosse Zukunft. Denn, so der TAGI weiter:

"Eine Erinnerung ohne Objekte hat es schwer; auch wir sind froh, wenn uns Fotos - oder, wie es richtigerweise heisst, 'souvenirs' - in unserer Erinnerungsarbeit unterstützen. Wo diese Objekte der Erinnerung zerstört werden oder verloren gehen, dort breitet sich blinder Hass aus."

swissinfo, Gaby Ochsenbein

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