Presseschau vom Mittwoch 07.08.2002

Dieser Inhalt wurde am 12. August 2002 - 13:27 publiziert

Auch heute befassen sich die Zeitungen mit Martin Ebner und der Übernahme seiner Beteiligungsgesellschaften "Visionen" durch die Zürcher Kantonalbank (ZKB). Diese Übernahme sei

"ein Rettungsakt, um Schlimmeres zu verhindern",

ist der TAGES-ANZEIGER überzeugt. Nach und nach dringe durch, was die wirklichen Gründe der Transaktionen gewesen seien.

"Stossend ist allerdings, dass auch nach der Rettungsaktion keinerlei Transparenz geschaffen wurde",

kritisiert der TAGI:

"Die Öffentlichkeit und die Anleger wissen nicht, wo nun welche Risiken liegen. (...) Besitzer der ZKB ist der Staat, also die Bürgerinnen und Bürger des Kantons Zürich. Sie haben ein Anrecht zu wissen, wie das Staatsvermögen eingesetzt wird und welche Rolle die Bank bei der Rettungsübung spielt."

Der gleichen Meinung ist auch das ST. GALLER TAGBLATT. Nicht nur die ZKB sondern auch Martin Ebner müsse sich verantwortungsbewusst zeigen, denn:

"Mit seiner Geheimniskrämerei um den Verkauf seiner 'Visionen' und den Gesundheitszustand seiner BZ Gruppe öffnet er Spekulationen an den Finanzmärkten Tür und Tor. Und das in einem ohnehin volatilen und nervösen Umfeld."

Ebner hinterlasse "grosse Fussstapfen für aktive Investoren", titelt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. Das jetzige Marktumfeld erfordere grosses Fingerspitzengefühl. Die NZZ:

"Anleger sind nunmehr konfrontiert mit schmerzenden Verlusten statt mit etwas mehr oder etwas weniger Gewinn. Gerade in einer solchen Ära wird sich daher aktiven Investoren genügend Gelegenheit bieten, ihre Kunst zu demonstrieren - ob mit oder ohne Martin Ebner."

Themawechsel: Die meisten Zeitungen begrüssen die Einsprache der Sozialdemokratischen Partei SP beim Europäischen Patentamt gegen die Patentierung des Brustkrebs-Gens BRCA1 durch eine US-Firma:

"Der weltweite Run auf die Patentierung von so genannten menschlichen Gensequenzen zeigt vor allem eines: Hier ist viel Geld zu holen. Und wo Milliardengewinne locken, ist die Gefahr gross, dass Gesetze und Regeln bis zur Schamgrenze ausgereizt werden",

warnt die BERNER ZEITUNG.

Die Jagd auf neue Gensequenzen könne nur gestoppt werden, wenn die Patentierung von Genen grundsätzlich überdacht werde, schreibt die BZ weiter und fordert:

"Ziel muss sein, wichtige Erfindungen im Bereich der Biotechnologie zu schützen, damit sich die aufwändige Forschung auszahlt. Dies ohne den menschlichen Körper geldgierigen Patentjägern auszuliefern."

Ähnlich sieht es DER BUND und weist auf die Gefahr hin, dass

"unter Ausschluss der Öffentlichkeit Weichen gestellt werden, die auch für den Einzelnen gravierende Konsequenzen haben können".

DER BUND ersucht auch den Bundesrat, sich mit dieser Frage eingehend zu befassen:

"Mit der laufenden Patentgesetzrevision besteht die Gelegenheit, eine Haltung zur Patentierung von Genen zu definieren und diese dann auch öffentlich zu vertreten."

Alina Kunz Popper

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