Pro Helvetia spart "Hirschhorn-Million"

Urinieren auf Blocher-ähnliches Bild: Einer der "Skandale" von Hirschhorns Ausstellung in Paris. Keystone

Die Schweizerische Kulturstiftung Pro Helvetia hat bekannt gegeben, wo sie die vom verärgerten Parlament beschlossene Budgetkürzung einsparen will.

Dieser Inhalt wurde am 08. April 2005 - 16:36 publiziert

Um je 500'000 Franken gekürzt werden die Gesuchs- und Programmgelder sowie Informatik- und Unterhaltsinvestitionen, teilt Pro Helvetia mit.

Die Kürzung des Pro-Helvetia-Budgets durch das Parlament auf 33 Mio. Franken sollte nicht zu einer generellen Strafaktion gegen alle Schweizer Künstler werden, betonte Pro-Helvetia-Direktor Pius Knüsel.

Die eidgenössischen Räte hatten aus Verärgerung über Thomas Hirschhorns Ausstellung "Swiss-Swiss Democracy" im Centre culturel Suisse in Paris eine Million aus dem Budget gestrichen.

"Wir lassen uns nicht entmutigen", sagte Knüsel dazu. Die Freiheit von Kunst und Kunstvermittlung müsse aufrecht erhalten werden. Die bisherige Förderpolitik werde weitergeführt.

Zwischen Hammer und Amboss

Pro Helvetia habe sich zwischen Hammer und Amboss befunden, sagte Knüsel. Es sei nicht in Frage gekommen, die bereits um 2,5 auf 10,5 Mio. Franken gesenkten Betriebskosten zusätzlich zum laufenden Sparprogramm zu kürzen: "Das Personal hat bereits geblutet", sagte Knüsel und verwies auf den laufenden Abbau von insgesamt 19 Stellen.

"Weiser Kompromiss"

Herausgekommen sei "ein weiser Kompromiss": 500'000 Franken werden durch Verzicht auf Infrastruktur-Investitionen sowie eingekaufte Dienstleistungen eingespart, etwa in der Informatik.

Weitere 500'000 Franken bringen die Verschiebung neuer Programme und geringfügige Budgetkürzungen bei den Fachabteilungen.

Laut Knüsels Stellvertreterin Erica Benz-Steffen ist derzeit der Tanz ein Förderungsschwerpunkt. Dabei gehe es vor allem um systematische Produktionsförderung. Ferner soll ein Nachholbedarf bei der Förderung junger Dramatiker behoben werden.

Werkbeiträge

Bei den Museen wird die Synergienutzung über die Regionen hinaus angestrebt. Laut Benz gewährt Pro Helvetia dieses Jahr 24 Autorinnen sowie drei Übersetzern Werkbeiträge im Gesamtbetrag von 750'000 Franken.

Darunter sind Peter Bichsel, Thomas Hürlimann, Peter Stamm, Hanspeter Treichler, Anne-Lise Grobety, Alberto Nessi und - als erster Rätoromane überhaupt – Leo Tuor.

Jazz erhält Förderungsprogramm

Ein neues Förderungsprogramm betrifft den Jazz, wie der Fachabteilungsleiter Musik, Thomas Gartmann, sagte. Ausgewählte Jazzbands erhalten während jeweils drei Jahren je 25'000 Franken als Beiträge an Auslandtourneen, CD-Produktionen und Neukompositionen.

Als erste kommen das Hardcore-Chamber-Trio aus Biel und Luzern, Lucas Nigglis Zoom- und Big-Zoom-Formationen in Uster sowie das Braff-Oester-Rohrer-Trio aus Vevey zum Zuge.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die Ausstellung von Thomas Hirschhorn am Centre culturel Suisse in Paris im Dezember 2004 versetzte die politische Welt in Aufruhr.

Der Berner Künstler attackierte Bundesrat Christoph Blocher und seine Partei, die Schweizerische Volkspartei SVP.

Hirschhorn liess unter anderem auf ein Foto urinieren, das Christoph Blocher glich.

Der Nationalrat strich darauf vom Pro Helvetia-Budget 180'000 Franken, da die Kulturstiftung die Ausstellung organisiert hatte.

Der Ständerat kürzte das Budget um 1 von den 34 für 2005 vorgesehenen Millionen.

Die Ausstellung "Swiss-Swiss Democracy" in Paris verbuchte eine Rekordzahl von 30'000 Besuchern, drei Mal mehr als frühere Ausstellungen.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen