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Restrisiko bleibt: 10 Jahre Canyoning-Tragödie

Nur mit Prüfung: Canyoning-Guides führen Kunden durch die Walliser Massaschlucht.

(Keystone)

1999 starben bei einem Canyoning-Unfall im Berner Oberland 21 Menschen. Dank strengerer Sicherheitsmassnahmen seien Adventure-Angebote für Touristen heute sicherer, stimmen Fachleute überein. Doch ein Restrisiko bleibe immer.

Dieses Restrisiko manifestierte sich gerade jüngst wieder, als vor ein paar Tagen zwei Touristinnen nach einem Riverrafting-Unfall im Berner Oberland verstarben. Ihr Boot war auf der Lütschine bei Wilderswil gekentert. Sechs weitere Bootsinsassen konnten sich retten.

Der Vorfall erinnert in tragischer Weise an den Canyoning-Unfall im Saxetbach, der sich dieser Tage zum zehnten Mal jährt. Nach einem schweren Gewitter wurden damals eine Gruppe von Abenteuer-Touristen samt Führern von einer Hochwasserwalze überrascht. 18 Gäste und drei Guides kamen im Wildbach ums Leben.

2001 wurden sechs Verantwortliche der Adventure-Agentur, welche das verhängnisvolle Canyoning im Saxetbach – trotz Gewitterwarnung - durchgeführt hatte, vom Gericht der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden und zu bedingten Gefängnis- und Geldstrafen verurteilt.

Einheitliche Standards

Die Katastrophe hatte auch noch auf einer anderen Ebene Konsequenzen: Fachleute von Kantonen, des Bundesamtes für Sport, der Branchenorganisation Swiss Outdoor Association sowie der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) setzten sich an einen Tisch. Sie gründeten die Stiftung Safety in Adventures, deren Aufgabe es ist, Sicherheitsstandards zur Zertifizierung der Anbieter festzulegen.

Wer heute Adventure-Sportarten anbietet, muss über gut ausgebildetes Personal sowie geprüftes Material verfügen. Diese Qualitätsstandards werden mehrmals jährlich von einer spezialisierten Organisation oder Behörden evaluiert. Falls die Anforderungen erfüllt sind, erhält der Anbieter ein Gütesiegel in Form eines Zertifikats.

"Die Zertifizierung ist eine Qualitätsgarantie, die sich bewährt hat", sagt BfU-Sprecherin Magali Dubois gegenüber swissinfo.ch. "Ein Restrisiko, gerade bei potenziell gefährlichen Aktivitäten, ist dadurch aber nicht ausgeschlossen."

Das Berner Oberländer Unternehmen, das vorletzten Freitag die fatale Bootsfahrt auf der Lütschine durchführte, ist im Besitz des Sicherheits-Labels für Adventure-Agenturen.

Laut Branchenorganisation Swiss Outdoor Association waren Wetter und Wasserverhältnisse am Unglückstag nicht problematisch. Auch andere Anbieter hätten auf dem Fluss Bootsfahrten durchgeführt.

"Maximale Garantie"

"Wer Adventure-Sportarten ausübt, muss wissen, dass dabei ein Risiko besteht", sagt Hans Allemann von der Swiss Outdoor Association. Statistisch entspreche dies aber mehr oder weniger demjenigen beim Autofahren.

Das Zertifikat der Stiftung Safety in Adventures hat sich auch laut Allemann bewährt. "Es ist sehr schwierig, von aussen zu beurteilen, wie ein Unternehmen arbeitet. Das Label aber gibt eine maximale Garantie, dass die Agentur punkto Sicherheit gute Arbeit leistet."

Inspiziert würden aber nicht nur Ausbildung der Mitarbeiter sowie Ausrüstung, sondern auch, ob das Unternehmen ausreichend versichert sei.

Dank des Labels seien Outdoor-Sportarten wie Canyoning und Riverrafting in den letzten zehn Jahren generell sicherer geworden, bilanziert Allemann. Insbesondere durch einheitliche Kurse und Prüfungen für Guides.

Viel mehr ertrinken beim Schwimmen

Katrin Blumberg, Geschäftsführerin der Bündner Agentur Swissraft Adventures aus IIlanz, bestätigt diese Sicht. "Die grösste Änderung für uns besteht darin, dass alle Guides korrekt zertifiziert werden müssen."

Das bedeute, dass auch Führer aus dem Ausland eine Ausbildung nach Schweizer Richtlinien absolvieren müssten.

Die Wirksamkeit der Sicherheitsstandards werde durch die Statistik belegt, betont Dubois. In den letzten neun Jahren starben in der Schweiz beim Canyoning insgesamt fünf Personen. Zum Vergleich: In Gewässern und Bädern ertrinken jedes Jahr rund 30 Menschen.

"Die BfU empfiehlt deshalb Interessierten nachdrücklich, nur eine Agentur auszuwählen, die im Besitz des Labels Safety in Adventures ist", sagt Magali Dubois.

"Aufgeteilter" Fluss

Riverrafting erreichte laut Katrin Blumberg den Höhepunkt in den 1990er-Jahren. Insbesondere nach dem Drama im Saxetbach 1999 gingen die Buchungszahlen zurück.

In den letzten Jahren hat die Nachfrage wieder angezogen. Zudem zeige sich bei der Kundschaft ein anderes Bild. Nachfrage besteht jetzt vermehrt seitens von Schulen und Firmen. Sie optierten aus Sicherheitsgründen eher für leichtere Flussfahrten. Abenteuerlichere Fahrten überlässt die Agentur vermehrt privaten Adrenalin-Junkies.

Aus der Sicht der Unternehmerin tönt dies so: "Damals war Riverrafting DER Adventuresport. Heute ist es nur eines unserer Angebote aus dem Adventure-Bereich."

Jessica Dacey, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

Sicherheitsstandards

Ziel der Stiftung Safety in Adventures ist es, mit der Verleihung eines Labels die Sicherheit von Adventure-Angeboten wie Bungjee-Jumping, Canyioning und Riverrafting zu verbessern.

Das Label besteht aus dem blauen Buchstaben S mit einer Edelweiss-Blume, dem Logo von Schweiz Tourismus. Die zertifizierten Agenturen müssen nachweisen, dass sie die Natur respektieren und den Schutz der Kunden garantieren.

Die Agenturen werden durch Experten einer unabhängigen Organisation evaluiert.

Bedingung für Verleihung des Labels ist, dass Anbieter eigene Sicherheitsziele definieren.

Das Label zeigt dem Kunden, dass die Agentur hohe Sicherheitsbestimmungen einhält, die von Tourismus-Organisationen, Versicherungen und Behörden überprüft werden.

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Voraussetzungen

Angestellte müssen eine Prüfung ablrgen und Erfahrung sowie korrekte Umgangsformen mitbringen.

Die Ausrüstung muss den Kunden maximale Sicherheit garantieren.

Die Aktivitäten bedürfen einer guten Vorbereitung. Zudem müssen Notfall-Pläne bestehen.

Die Sicherheitsbestimmungen müssen regelmässigen Selbst-Tests unterzogen werden.

Sämtliche Überprüfungen und Evaluationen sind schriftlich festzuhalten.

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