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Rückversicherer Converium entgeht der Pleite

Schwarzes Jahr für Converium: Einbruch des Aktienkurses und grosse Probleme in den USA.

(Keystone)

Die Converium-Aktionäre haben einer Kapitalerhöhung von über 500 Mio. Franken und einer Nennwertreduktion um die Hälfte des Nominalwerts zugestimmt.

Zusammen mit einer Restrukturierung sollten diese Entscheidungen dem Rückversicherer helfen, seine grossen Probleme zu lösen

Die Aktionäre des angeschlagenen Rückversicherers Converium haben in den sauren Apfel gebissen und einer Kapitalererhöhung zugestimmt. Zuvor haben zahlreiche Aktionäre ihrem Unmut über die Finanzlage des Konzerns Luft gemacht.

Die Aktionäre genehmigten die Kapitalerhöhung um 533 Mio. Fr. deutlich. Anwesend waren 264 Aktionäre, welche knapp 26,6 Prozent des Aktienkapitals vertraten. Die Nennwertreduktion nahm die Hürde mit 6'759'634 Ja-zu 3'796'189 Nein-Stimmen.

Die Aktionäre übten zuvor teilweise harsche Kritik an Geschäftsleitung und Verwaltungsrat. Die Leidtragenden von Managementfehlern seien einmal mehr die Beschäftigten und die Aktionäre, hiess es.

Converium habe die belastende Entwicklung im US-Haftpflichtgeschäft zu spät erkannt, hiess es zudem. Für Unverständnis sorgte auch der Umstand, das die zu begleichenden Schäden erst nach Jahren zutage getreten sind.

Angriff auf Hüppi

Die Fehleinschätzungen, die zu millionenschweren zusätzlichen Schadensreservierungen geführt haben, stammen aus der Zeit bevor Converium im Jahr 2001 von der Zurich Financial Services losgelöst und an die Börse gebracht worden war. In diesem Zusammenhang geriet auch Rolf Hüppi, ehemaliger Konzernchef der Zurich, in die Kritik.

Die Zeichungspolitik von damals habe in keiner Weise den Richtlinien von heute entsprochen, sagte Converium-Verwaltungsratspräsident Peter Colombo. Die Reserven hätten aber zum Zeitpunkt des Börsengangs den damaligen Erkenntnissen entsprochen.

Beim Börsengang seien keine Garantien abgegeben worden, ausser jenen in Bezug auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA, sagte Converium-Konzernchef Dirk Lohmann zur Frage nach einer rechtlichen Belangung der Zurich. Schon früher hatte Converium betont, dass Zurich in dieser Sache nicht zur Verantwortung gezogen werden kann.

Böser Aktien-Einbruch

Die Converium-Aktionäre haben seit Bekanntwerden der Probleme in den USA viel Geld verloren. Der Börsenwert sank um gut zwei Drittel.

Auch am Dienstag ist der Converium-Aktienkurs massiv eingebrochen. Kurz nach Handelsbeginn sackte er bereits um 11,8 Prozent auf 17.25 Franken ein. Bis Börsenschluss lag der Titel mit 17 Franken um 13 Prozent tiefer als am Vortag. Der tiefste Wert des Tages wurde bei 16.25 Franken erreicht.

Zwingende Kapitalerhöhung

Die Kapitalerhöhung wird von einem Bankensyndikat unter der Federführung von Credit Suisse First Boston und JPMorgan durchgeführt. Ausgegeben werden 106'683'245 Namenaktien mit einem Nennwert von 5 Franken. Dies entspricht einem Abschlag von nahezu drei Viertel auf den Montags-Schlusskurs von 19.55 Franken.

Die Kapitalerhöhung wird von den Rating-Agenturen zwingend gefordert, wenn Converium ein Rating behalten will, mit dem die Gesellschaft im Rennen bleiben kann.

Damit neues Geld fliesst, müssen günstige Aktien angeboten werden. Daran haben auch die federführenden Banken ein Interesse, die die Kapitalerhöhung und damit auch das Risiko fest übernommen haben.

Die Altaktionäre können für drei alte acht neue Titel beziehen. Der Kapitalerhöhung muss aus gesetzlichen Gründen eine Nennwertreduktion bei den alten Aktien auf fünf von bisher zehn Franken vorausgehen.

Stellenabbau

Die Converium-Verantwortlichen wollen nun den Blick nach vorne richten. Doch der Weg in die Zukunft führt über eine harte Restrukturierung. Am Montag hatte Converium die neue Strategie bekanntgegeben. Man wolle zwar unabhängig bleiben. Doch soll das Geschäft der Converium um die Hälfte reduziert werden.

Am Dienstag präsizisierten Converium-Verantwortliche welche Auswirkungen davon zu erwarten sind: Mehr als ein Drittel der Stellen stehen auf dem Spiel.

In den USA bleiben von 210 noch 80 Stellen. In Europa, Asien und Lateinamerika sollen bis in zwei Jahren maximal rund 200 der 600 Stellen abgebaut werden. Die Auswirkungen in der Schweiz seien noch nicht klar. Hier beschäftigt Converium rund 350 Angestellte.

Zuversicht

Converium sei überzeugt, dass es trotz den Rückschlägen in den USA weiterhin eine starke und solide Marktposition in den verbleibenden Märkten inne habe, sagte Lohmann.

Converium habe eine strategische Neuausrichtung eingeleitet. Das Unternehmen wird sich auf die Märkte in Europa, Asien und Lateinamerika konzentrieren. Dies werde "einschneidende Folgen" haben, sagte Lohmann.

Das Jahr 2005 werde ein Jahr der Konsolidierung sowie des "Gesundschrumpfens" sein. Ab 2006 erwartet Converium eine Wiedererlangung der führenden Position aufgrund der starken Kapitalisierung. Converium sei überzeugt, mit den eingeleiteten Massnahmen konsequent die Lehren aus früheren Fehlern zu ziehen, sagte Lohmann.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Converium rangiert in der Top Ten der Rückversicherer mit 3,83 Milliarden Dollar Netto-Versicherungsprämien im Jahr 2003.
Der Rückversicherer beschäftigt 850 Menschen in 23 Ländern.
2003 wurde ein Netto-Gewinn von 185 Mio. Dollar erzielt.
Das Vermögen belief sich 2003 auf 14,355 Milliarden Dollar.
Der Aktienkurs ist in den letzten 12 Monaten um über 70% gefallen.

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