Sabena: Positive Auswirkungen für Swissair

Analysten erwarten noch einen weiteren Anstieg der Swissair-Aktien. Keystone Archive

Einen steilen Höhenflug haben die Swissair-Aktien am Mittwoch (18.07.) nach der Einigung der Schweizer Luftverkehrsholding mit der belgischen Regierung über die marode Sabena eingeschlagen. An der Börse schoss der Kurs am Morgen mehr als 20% in die Höhe.

Dieser Inhalt wurde am 18. Juli 2001 - 11:35 publiziert

Kurz nach Handelsbeginn an der Londoner virt-x-Börse stieg der Swissair-Kurs gegenüber dem Vorabend um 15,8% auf 119 Franken. Später wurde der Steigflug noch steiler und führte zeitweise 20,7 Prozent höher auf 124 Franken. Bis gegen Mittag wurden rund 312'000 Swissair-Aktien umgesetzt, gegenüber rund 96'000 im Schnitt der letzten zehn Börsentage. Bei Handelsschluss am Mittwoch lag der Aktienkurs knapp 17 Prozent höher als am Vortag.

Der Kursschub war vom Kompromiss der Schweizer Luftverkehrsholding und Belgiens Regierung gezündet worden. Sie vereinbarten für Sabena, wie berichtet, eine weitere Finanzspritze von 650 Mi0. Franken, verteilt auf zwei Jahre. Die selbst in der Finanzklemme steckende Swissair übernimmt 60 Prozent sowie neun von Sabena bestellte Airbusse, muss dafür aber ihre Beteiligung nicht auf 85 Prozent aufstocken. Die belgische Regierung, die 40 Prozent einschiesst, und Sabena zogen ihre Klagen gegen Swissair zurück.

Finanzanalysten zeigten sich auf Anfrage erstaunt, wie rasch und reibungslos sich die Sabena-Aktionäre - Belgien hält 50,5, die Swissair Group 49,5 Prozent - nach wochenlangem Streit einigten. Laut Patrick Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank wurde damit "die wichtigste Unsicherheitshürde genommen". Die 390 Mio. Franken, die Swissair übernehmen müsse, seien zwar mehr als erwartet, aber weniger als die befürchteten Klagesummen. Schwendimann erwartet eine Kurserholung auf etwa 130 Franken.

Für Dieter Winet von der Bank Pictet & Cie. zeigt der jüngste Deal die intelligente Taktik von Swissair-Group-Chef Mario Corti. Laut Winet dürfte die Swissair Group früher oder später ihre auf Null abgeschriebene Sabena-Beteiligung abstossen. Regina Anhorn von Lombard Odier & Cie. wies auf ein paar verbleibende Unsicherheiten hin. So sei nicht bekannt, was Swissair für die Airbusse zahlen müsse. "Und wir wissen nicht, wie die EU-Kommission auf die Finanzspritze der belgischen Regierung reagiert", sagte sie.

EU-Prüfung steht noch aus

Die EU-Kommission will prüfen, ob ein Einschuss von 100 Millionen Euro der belgischen Regierung von Anfang Jahr eine unerlaubte staatliche Unterstützung sei, und laut einem Sprecher auch den jüngsten Zuschuss anschauen. Ein Sprecher des zuständigen belgischen Ministers Rik Daems sagte, die Regierung sei zuversichtlich, dass es sich nicht um unerlaubte staatliche Hilfe handle.

Zukunft der Swissair-Beteiligung bei AOM/Air Liberté unklar

Der französische Transportminister Jean-Claude Gayssot hat am Mittwoch erneut an die Swissair Group und die Beteiligungs-Gesellschaft Marine Wendel appelliert, ihre Verantwortung wahrzunehmen und AOM/Air Liberté vor dem Untergang zu retten.

Die von der Swissair Group geführte Fluggesellschaft AOM/Air Liberté hatte am 15. Juni beim Handelsgericht Créteil bei Paris die Bilanz deponiert und gleichzeitig um Nachlass-Stundung ersucht. Ziel war es, in der Zwischenzeit Lösungen für eine Sanierung und die Weiterführung der Gruppe zu finden.

Am Donnerstag (19.07.) muss nun das Handelsgericht von Créteil darüber befinden, ob eines der eingegangenen Angebote zur Teil-oder Ganzübernahme der AOM/Air Liberté Aussicht auf Erfolg hat.

Die Swissair Group, die sich bis zum Entscheid des Handelsgerichts nicht zum Dossier AOM/Air Liberté äussern will, hatte sich bereit erklärt, maximal 500 Mio. Francs (knapp 120 Mio. Franken) zur Sanierung beizutragen. Sie knüpfte daran allerdings die Bedingung, vor gerichtlichen Schritten verschont zu bleiben

swissinfo und Agenturen

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