SBB Cargo: Liebäugeln mit dem Nord-Süd-Transit

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Die SBB will sich im Gütertransport auf den internationalen Nord-Süd-Verkehr ausrichten und sich auf ihre Kernkompetenzen beschränken. Neue Kooperationen und Partner sollen das ermöglichen. Der Schweizer Binnenverkehr soll trotzdem flächendeckend weitergeführt werden.

Dieser Inhalt wurde am 04. April 2001 - 16:27 publiziert

Der neue SBB-Cargo-Chef Daniel Nordmann präsentierte am Mittwoch (04.04.)an einer Medienkonferenz in Basel die überarbeitete Strategie der SBB-Tochter. Zentral in Nordmanns Plänen ist der Standort Basel, wo bereits die Baugrube für den neuen Firmensitz ausgehoben wird. Basel soll zum sogenannten Eurohub, einer internationalen Drehscheibe im Güterverkehr, werden. Wagenladungen aus ganz Nordeuropa sollen dort zu Ganzzügen zusammengestellt werden und dann über den Gotthard gen Süden fahren. "Was auf den Lastwagen transportiert wird, wollen wir auf die Schiene bringen", sagte Nordmann.

Kooperationen im Norden und im Süden

Nördlich vom geplanten Hub, im Ruhrgebiet, setzt SBB Cargo auf einen neuen Partner: Mit der Privatbahn "Hafen- und Güterverkehr Köln" (HGK) hat die SBB vor wenigen Wochen eine strategische Partnerschaft geschlossen. So sollen Transportleistungen zwischen den Nordseehäfen, Basel und Italien unter einem Dach ermöglicht werden. Die HGK besitzt selber sechs Häfen, von denen zwei das Umladen zwischen Wasser, Schiene und Strasse erlauben. Auch die Kooperation mit dem Güterzweig der Deutschen Bahn (DB) will Nordmann verstärken.

Richtung Süden will die SBB ihre Zusammenarbeit mit den italienischen Staatsbahnen (FS) intensivieren. Nach der gescheiterten Fusion im Dezember sollen sich die beiden Unternehmen nun langsam näherkommen. In einem ersten Schritt ist geplant, dass die FS in Basel aktiv wird und für alle Ziele südlich von Mailand verantwortlich ist, während Norditalien von SBB Cargo übernommen wird. So würden die unterschiedlichen Planungssysteme der beiden Bahnen keine komplizierten Umlademanöver hinter dem Gotthard nötig machen, erklärte Nordmann. "Wir bedienen zwar nur einen kleinen Teil von Italien, aber die Gütermenge macht fast die Hälfte des Volumens aus."

Konkurrenz erwünscht

Die Schweiz ist seit 1999 offen für den Wettbewerb im Güterverkehr auf der Schiene, in Europa soll die Liberalisierung bis 2003 stattfinden. Bereits würde die SBB Cargo intensive Konkurrenz spüren. "Wir freuen uns auf harte, faire Konkurrenz", sagte Nordmann weiter. Im neuen Umfeld werde sich SBB Cargo auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Das heisst, dass die SBB keine eigenen Strassentransporte übernehmen wird und auch die Lagerhaltung reduziert. Stellen sollen jedoch keine abgebaut werden, versichert Nordmann.

In der Schweiz will SBB Cargo mit neuen Produkten konkurrenzfähig bleiben. Beim nächsten Fahrplanwechsel will SBB Cargo neben der bisher üblichen Übernacht-Beförderung Einzelwaggons bis vier Uhr morgens beim Kunden abliefern können. Dies nennt sich der "verkürzte Nachtsprung". Mittelfristig sollen Tageslieferungen dazukommen.

Gewerkschaft ungehalten

Die Eisenbahner-Gwerkschaft SEV kritisierte nach Bekanntwerden am Mittwoch die Pläne Nordmanns gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Die Konzentration der Aktivitäten in Basel ist aus der Sicht des Personalverbandes eine "Hauruck-Übung", die für das Personal unzumutbar sei. Auch mit dem Verkauf der Lagerhäuser ist der SEV nicht einverstanden.


Chefsessel als Schleudersitz

Daniel Nordmann, der Gewerkschaftssekretär, der ins SBB-Top-Management wechselte, musste schon beim Bekanntwerden seines Kaderlohnes von 500'000 Franken grobe Kritik einstecken. Auch ob der Psychologe fähig sei, die Güter-Division zu führen, wurde von Medien in Frage gestellt. Er ist der dritte Chef von SBB Cargo innerhalb von zwei Jahren. Nach der geplatzten Fusion mit FS und der Entlassung seines Vorgängers Per Utnegaard, wurde der 45-Jährige zum obersten Rangierer der SBB ernannt. Er wird hinter vorgehaltener Hand auch als zukünftiger SBB-Chef gehandelt. Aber Nordmann wiegelt ab: "Mit meiner neuen Aufgabe habe ich einige Jahre lang zu tun!"

Philippe Kropf

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