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scharia-investments gross im kommen

Börse Dubai: Händler an der Arbeit. Laut Scharia ist der Handel erlaubt, das Spekulieren jedoch nicht.

(Keystone)

Wer im Schweizer Banking etwas auf sich hält, bietet seit geraumer Zeit auch islamisch korrekte Anlagemöglichkeiten an. Diese halten sich an die Vorschriften von Koran und Scharia.

Die Regelwerke beziehen sich in erster Linie auf eine ethisch korrekte Vergabe von Krediten. So werden statt Zinsen risikoabhängige Beteiligungs-Gebühren verlangt.

Schon im Alten Testament wurden Wucherer an den Pranger gestellt, die Päpste im Mittelalter verboten die Zinsnahme absolut, und der Islam verbietet den inzwischen konventionell gewordenen Zins noch heute.

Der Unterschied zum Christentum besteht darin, dass im Islam der Preis des Geldes nicht grundsätzlich negiert wird wie früher im Vatikan.

Statt des variablen Zinses erlaubt die Scharia eine Art am Risiko beteiligte Gebühr. Zweck: Wucher soll unterbunden bleiben. Dazu wird der Preis des Kredits an das betreffende Risiko und nicht an externe Marktfaktoren gebunden.

Bereits am vierten Private Banking Summit Mitte 2005 in Zürich war

Islamic Finance ein Schlüsselthema. "Echte Wachstums-Chancen im Private Banking sehen wir nur in wenigen Teilen der Welt", sagte Walter Knabenhans, Präsident Konzernleitung und CEO Julius Bär Holding. "Unter anderem in der arabischen Golfregion."

Geld und Gottes Gesetz

Und dort ist Vermögens-Verwaltung mit Scharia-Prinzipien verknüpft. Kenner schätzen den weltweiten Markt für Finanz-Dienstleistungen, die sich nach den Regeln der Scharia orientieren, auf rund 300 Mrd. Dollar.

Dies entspricht zwar nur 10% der Vermögenswerte von Schweizer Banken. Aber das jährliche Wachstum in diesem Segment wird

auf rund 15% prognostiziert. Laut Knabenhans gehören heute Produkte und Geflogenheiten von Islamic Finance zur Expertise und zum Répertoire des modernen Private Bankers.

Banken schneller als Medien

Mehr als bei vielen anderen Arabern sei bei den Golfarabern der Koran ein Fundament ihrer Mentalität, sagt Jean-Marc Busato, Vizepräsident Middle East der Hotelkette Rezidor SAS Hospitality, gegenüber swissinfo.

Der Berner Busato, der seit 20 Jahren im Golf lebt, kennt diese Mentalität inzwischen bestens: "Da der Koran aber nicht für alle zivilrechtlichen Belange Regeln aufstellt, gibt es die Scharia."

In der nicht säkularisierten Welt des Nahen Ostens gilt das Zinsverbot wie früher in Europa. "Aber auch im Steuer- und Abgabewesen gibt es islamische Prinzipien", fügt Busato bei.

"Anstelle von Zins setzt der Islam Profit und Profit-Beteiligung. Die internationale Bankenwelt konnte sich auf diese Denkweise offenbar rascher einstellen als die öffentliche Meinung im Westen."

Das Darlehen wird dabei nicht als Kreditsumme gegen eine von Marktkriterien vorgegebene Zinshöhe vergeben. Statt dessen wird das Geld (in gewissem Sinne) gegen eine risikobeteiligte Gebühr vermietet. Auch Vermögens-Verwaltung ist auf diese Weise möglich: Es wird nur in

Institutionen und Unternehmen investiert, die sich wiederum bei Aktivitäten und ihrer Kreditvergabe an das Scharia-Regelwerk halten. Zum Beispiel: Kein Rüstungs- oder Alkohol-bezogenes Business, kein Glücksspiel.

Mehrere Schweizer Banken bieten in den Emiraten entsprechende Anlage-Möglichkeiten an. Die UBS gründete 2002 in Bahrain eine spezielle Tochter-Gesellschaft, Noriba ("No Riba" heisst auf Arabisch: Kein Zins/Wucher) und bot von dort aus weltweit Scharia-konforme Finanzprodukte an.

Auf Ende 2006 wurde die Noriba in den UBS-Konzern integriert. Seither werden die Scharia-konformen Produkte direkt unter der Marke UBS

verkauft. Im weiteren sind auch Credit Suisse, Julius Bär und die Habib Bank in den Emiraten vertreten.

Erstmals hat die Bank Vontobel letzten Winter in der Schweiz selber ein Scharia-konform strukturiertes Zertifikat lanciert.

Sukuk: Schuldverschreibung

Nicht nur im Kredit- und Vermögensverwaltungs-Geschäft, sondern auch in den Finanzmärkten bilden sich islamische Versionen heraus. So hat die Dubaier Finanzmarkt-Behörde, das Pendant zum Schweizer SWX, Ende Januar 2006 die Kotierung der bisher weltweit grössten "Sukuk"- Schuldverschreibung in der Höhe von 3,5 Mrd. Dollar bewilligt

(Dubai International Financial Exchange DIFX).

Schuldner ist die Dubai Ports, Customs and Free Zone Corporation, eine angesichts des Warenhandels-Booms und des Transit-Wachstums des Emirats interessante Adresse.

swissinfo, Alexander Künzle, Dubai

In Kürze

Der Koran beeinflusst in der Golfregion die Mentalität der Bevölkerung stärker als anderswo in Arabien oder im Mittleren Osten.

Deshalb beeinflusst dort die Religion den Alltag viel stärker als in anderen arabischen Ländern oder in Westeuropa.

Zum Alltag gehören ausser dem Zivilrecht auch Wirtschaft und Geldangelegenheiten.

Die Scharia interpretiert die allgemeinen Grundprinzipien des Korans für diese Bereiche.

So leitet sie ein Zinsverbot ab, das das Christentum früher ebenfalls kannte.

Die Kreditvergabe wird aufgrund anderer Vorgaben getätigt: Der Gläubiger partizipiert am Profit, den der Schuldner mit dem "gemieteten" Geld erarbeiten kann.

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Fakten

Die internationale Bankenwelt hat gemerkt, dass Vermögensverwaltung nach Regeln der Scharia für sie von Interesse ist, weshalb sie solche Dienste jetzt auch anbietet.

Es liegt nahe, dass Schweizer Banken solche Lösungen auch im Privat Banking offerieren, ohne dass die Institute dadurch islamische Banken werden.

Nur arabische Banken oder Banken aus islamischen Ländern nennen sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten "Islamic".

Islamische Finanz-Lösungen werden jedoch auch von nicht arabischen Banken angeboten.

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