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Schweizer Bankgeheimnis ist gefährdet

Die Schweiz muss nach Ansicht von Finanzexperten damit rechnen, dass ihr sorgsam gehütetes Bankgeheimnis massiv unter Druck geraten wird. Die Folgen für den Finanzplatz Schweiz könnten gravierend sein.

Dieser Inhalt wurde am 21. Juni 2000 - 16:39 publiziert

Zwischen dreissig und vierzig Prozent aller Offshore-Gelder (Anlagen im Ausland) von vermögenden Privatpersonen dürften gemäss einer Schätzung von Merill Lynch und Gemini Consulting von Schweizer Banken verwaltet werden. Dies entspricht einer Summe von über 3000 Mrd. Franken.

Ungemütliche Situation für Privatbanken

Ein Grossteil dieser Gelder sind nach Ansicht von Beat Bernet, Direktor des Bankeninstitutes der Universität St. Gallen, dem Bankgeheimnis zu verdanken. Sollte dieses abgeschafft werden, seien die Auswirkungen für den Finanzplatz Schweiz gravierend, warnt der Professor.

Bei einer Aufhebung des Bankgeheimnisses würde eine Mehrheit dieser Gelder von den Schweizer Konten zugunsten anderer Länder abgezogen, auf welche die EU keinen Einfluss hat, sagt der Berner Steuerexperte Toni Amonn. Vor allem für die Schweizer Privatbanken würde die Situation ungemütlich.

Allerdings stehe der Kompromissvorschlag der EU aus heutiger Sicht noch auf wackligen Füssen, betont der Steuerexperte. Vor allem Luxemburg und Österreich hätten ihre Zustimmung an schwer zu erfüllende Bedingungen geknüpft.

"Immenser Druck" von der EU zu erwarten

Dass der Bundesrat aus politischen Gründen an dem von ihm schon früher geforderten Koexistenzmodell festhält, ist für Bernet nachvollziehbar. Dass die Schweiz aber über längere Zeit noch an ihrem Bankgeheimnis festhalten kann, glaubt Bernet nicht: "Ich kann in dieser Beziehung den Optimismus des Bundesrates nicht teilen".

Der Schweiz stehe nun in den nächsten Jahren eine schwierige Zeit bevor. Der Druck seitens der EU werde immens, auch im Hinblick auf die bilateralen Verträge. Es gelte nun, mit der EU Modelle zu diskutieren, die sowohl das Bankgeheimnis beinhalten würden, aber auch eine beschränkte Meldepflicht adaptierten.

Die Schweiz werde sich zwar gegen die Aufhebung des Bankgeheimnisses erbittert wehren, ist Amonn überzeugt. Sie sei nun gezwungen, in Verhandlungen mit der EU aktiver als bisher nach alternativen Lösungen zu suchen.

EU lässt sich nicht beeinflussen

Der deutsche Bundesfinanzminister Hans Eichel stellte gemäss einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters vom Mittwoch klar, dass die Harmonisierung der Zinsertragsbesteuerung nicht von flankierenden Vereinbarungen mit Drittstaaten abhängig sei. Man werde mit wichtigen Drittstaaten verhandeln, sich davon aber nicht im Zeitplan beeinflussen lassen.

swissinfo und Agenturen

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