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Schweizer Bankkunden in den USA unter Druck

Auslandschweizer in den USA müssen künftig auf gewisse UBS-Dienstleistungen verzichten.

(Keystone)

In den USA lebende Schweizer Staatsangehörige dürfen bei der UBS, der grössten Schweizer Bank, keine Konten mehr in der Schweiz haben, da sich die UBS völlig aus dem grenzüberschreitenden Geschäft mit den USA zurückzieht.

Die immer komplexeren steuerrechtlichen Vorschriften in den USA betreffen auch viele in den USA lebende Schweizerinnen und Schweizer: Die UBS zum Beispiel bietet keine normalen Einzelkundenkonti mehr an.

Die in den letzten Jahren verschärften Regeln sind Teil einer Kampagne der Vereinigten Staaten gegen Steuerbetrug mit Offshore-Konten. Im Juli hatte die UBS in den USA die Einstellung ihrer grenzüberschreitenden Bankaktivitäten angekündigt, nachdem sie wegen einer Steuerhinterziehungsaffäre unter Druck geraten war.

Zwar hatte die grösste Schweizer Bank im letzten November entschieden, gewisse Banking-Prozeduren zwischen den beiden Ländern zu stoppen. Die Ereignisse im Juli jedoch veranlassten die Bank, nun alle, auch die besonders lukrativen Vermögensmanagement-Dienstleistungen, einzustellen.

So mussten in den USA lebende Schweizer Bürgerinnen und Bürger innert 45 Tagen ihre Schweizer Konten an einen anderen Ort transferieren. Auch ein in Washington lebender Auslandschweizer Kunde wurde per Brief informiert, dass sein seit 44 Jahren bestehendes Konto aufgelöst werde.

"Sie haben mein Konto einseitig aufgelöst, weil ich meinen Wohnsitz in den USA habe. Es scheint sie nicht zu kümmern, dass ich Schweizer Bürger bin," beklagte sich der namentlich genannt sein wollende Mann mit den Initialen JPS gegenüber swissinfo.

"Ich habe das Problem analysiert und realisiert, dass gewisse in New York lebende Schweizer Bürger ihre Schweizer Offshore-Konten zur Geldwäsche benutzten. Aber es gibt viele gesetzestreue Schweizer Bürger, denen es schwerfällt, innert 45 Tagen eine andere Bank zu finden."

Pensionszahlungen

JPS weiss, dass manche der 74'000 in den USA lebenden Schweizer Bürger auf ihre UBS-Konten angewiesen sind, gehen darauf doch ihre Pensionsgelder und AHV-Renten aus ihrem Heimatland ein. Auf dem Konto von JPS befindet sich Geld, das er von seinen Eltern geerbt hat. Dieses braucht er für seine Reisen in die Schweiz.

Die Schweizer Botschaft in Washington liess den pensionierten Beamten wissen, sie könne in seinem Fall nichts untenehmen. Gegenüber swissinfo wollte die Botschaft dazu keine Stellung nehmen.

"Ein US-Kunde muss seine Retail-Bankgeschäfte mit einer US-Bank führen, auch wenn er Schweizer Bürger ist," sagt UBS-Sprecher Serge Steiner.

In den USA lebende Schweizerinnen und Schweizer sind nicht die einzigen, die im Kreuzfeuer von US-Steuer- und Banking-Regulierungen stehen. Auch im Ausland lebende US-Bürger sind von den in ihrem Heimatland verschärften Regelungen betroffen.

Andy Sundberg von der Genfer Auslandamerikaner-Vereinigung sagt, es sei für seine Mitglieder schwieriger geworden, mehr als ein normales Depositenkonto auf einer Schweizer Bank zu eröffnen.

"Die Banken haben Angst, weil ihnen enorme Verbindlichkeiten entstehen können. Dazu gehört eine riesige Anzahl nötiger Berichte, die sie nicht vollständig verstehen. Dies könnte zu schweren Sanktionen führen", sagte er gegenüber swissinfo.

Zu viel Aufwand

Die Schweizerische Bankiervereinigung erklärte gegenüber swissinfo, bei ihr seien keine Beschwerden von in der Schweiz lebenden US-Bürgern eingegangen. Sprecher James Nason ist der Ansicht, dass einige Banken durch die steigende Bürokratie abgeschreckt werden könnten.

"Die Kosten, die bei der Einhaltung der Gesetze entstehen können, sind für die Banken in den letzten Jahren weltweit in die Höhe geschnellt. Zudem wurde versucht, die Banken zu unbezahlten Zollbeamten, Polizisten und Spionen für den Staat zu machen", so Nason.

"Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Bank beschliesst, auf Kunden aus gewissen Ländern, wie zum Beispiel den USA, zu verzichten, weil dies einfach zu viel Aufwand für sie bedeutet."

swissinfo, Matthew Allen, Zürich
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)

Grenzüberschreitendes Banking

Der grenzüberschreitende Bankenverkehr zwischen den USA und anderen Ländern ist seit dem 1. Januar 2001 komplexer geworden, als die USA das Qualified Intermediary-Programm (QI) einführten.

Dieses verlangt, dass Banken, auch jene in der Schweiz, US-Kunden identifizeren, Steuern auf deren US-Investitionen einbehalten und das Geld dem Internal Revenue Service IRS (US-Steuerbehörde) zukommen lassen, sollten die Kunden es unterlassen haben, ihr Vermögen der Steuerbehörde IRS zu melden.

Banken, die dem QI nicht nachkommen, droht der Verlust der Bankenlizenz in den USA. Die Schweizer Banken müssen den US-Behörden keine Details über ihre Kunden melden.

Die amerikanischen Behörden hatten gegen die UBS eine Untersuchung eingeleitet, nachdem der Verdacht aufgekommen war, die Schweizer Grossbank habe diese Bestimmungen umgangen, indem sie Schlupflöcher ausnutzte.

UBS-Vertreter wurden im Juli vor dem US-Kongress angehört, wo sie den Verzicht auf ihr Offshore-Banking für US-Kunden bekanntgaben.

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