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Schweizer Bauern verdienen wieder mehr

Die gute Obsternte ist mit ein Grund für das höhere Bauerneinkommen. Keystone

Das Einkommen der Schweizer Bauern ist im vergangenen Jahr gemäss dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) um über einen Fünftel gestiegen. Der Schweizerische Bauernverband (SBV) rechnet dagegen mit tieferen Zahlen und ist über die Löhne der Bauern besorgt.

Dieser Inhalt wurde am 10. April 2001 - 14:20 publiziert

Das landwirtschaftliche Einkommen hat im vergangenen Jahr um 21 % auf 66'200 Franken zugenommen. Der Verdienst pro Familienarbeitskraft stieg laut BLW-Direktor Manfred Bötsch im Vergleich zum Mittel der drei vorangegangenen Jahre um 16 % auf durchschnittlich 38'800 Franken. Die Direktzahlungen blieben laut Bötsch mit 38'300 Franken pro Betrieb auf dem Niveau der Vorjahre.

Gute Kartoffel- und Obsternte

"Der Rohertrag der Betriebe hat um fünf Prozent oder 10'000 Franken zugenommen", sagte der BLW-Direktor am Dienstag (10.04.) in Bern. Einer der Hauptgründe dafür sei die gute Kartoffel- und Obsternte. Aber auch in der Rindviehhaltung hätten durch die bis im Oktober deutlich verbesserte Marktsituation fünf Prozent mehr Erträge erzielt werden können.

Die von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik (FAT) erhobenen Daten beruhen auf 1.017 Landwirtschaftsbetrieben, die im Mittel rund 18 Hektaren mit 1,3 familieneigenen Arbeitskräften bewirtschaften. Diese Anzahl Betriebe entspricht rund einem Drittel der jährlich an der FAT ausgewerteten Referenzbetriebe. "So können Angaben über Durchschnittswerte gemacht werden", erklärte Bötsch. Unterscheidungen nach Betriebstyp oder Region seien aber nicht möglich.

Bauernverband relativiert FAT-Zahlen

Der Schweizerische Bauernverband (SBV) relativierte die Zahlen der FAT. In der vom SBV durchgeführten landwirtschaftlichen Gesamtrechnung resultiere lediglich eine Steigerung des Nettoeinkommens der Familienarbeitskräfte von 9,2 Prozent. Der SBV führt dies auf methodische Unterschiede zurück. Was den Landwirten am meisten zu schaffen mache, sei das um bis zu 60 Prozent tiefere Niveau ihres Arbeitsverdienstes im Vergleich zur übrigen Wirtschaft.

Druck auf die Landwirtschaft - Sorgentelefon für Bauern

Die Probleme in der Schweizer Landwirtschaft haben seit geraumer Zeit zugenommen. "Neben ökonomischem und ökologischem Druck kommt noch der innerfamiliäre Druck dazu", sagt Ueli Tobler, seit bald 25 Tagen Pfarrer im Berner Seeland, mitten im Gemüsebaugebiet. Weil er die Probleme und Sorgen der Bauern sehr gut kennt, präsidiert Tobler seit 1994 die schweizerisch-reformierte Arbeitsgemeinschaft Kirche und Landwirtschaft. Aus dieser Arbeit heraus ist 1997 das "Sorgentelefon für Bäuerinnen und Bauern und ihre Angehörigen" entstanden, dessen Präsident er ist.

Das Sorgentelefon ist zwar nur am Montagmorgen offen (08.15 bis 14.00 - 041/820 02 15), und dennoch werde es relativ rege benutzt, sagt Ueli Tobler (1999: 116 Anrufe, 2000: 163 Anrufe). Die Leute hätten dabei nicht Fragen gestellt, sondern ihre Sorgen abgeladen. "Sie wollen ein offenes Ohr haben, jemanden, der ihnen zuhört", sagt Tobler gegenüber swissinfo. Oft könne das Nottelefon den besorgten Anrufern eine Fachstelle für ihre Probleme vermitteln.

Bisher keine Anrufe wegen BSE und MKS

Erstaunlicherweise habe das Sorgentelefon bisher keine Anrufe wegen der BSE- und MKS-Krisen erhalten. Dies erklärt sich Ueli Tobler damit, dass BSE und Maul- und Klauenseuche nicht innerbetriebliche, sondern Probleme von aussen sind. Eher seien es familieninterne und betriebsstrukturelle Sorgen, die am Sorgentelefon geäussert würden. Bei den Ratsuchenden würden auch die finanziellen Probleme immer eine Rolle spielen, sagt Tobler.

Jean-Michel Berthoud

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