Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Schweizer Börsenexperte Marc Faber sieht schwarz

Marc Faber ist im Moment für "Verkaufen".

(Keystone)

Fallende Börsenkurse lösen Fragen nach einem bevorstehenden Crash aus. Marc Faber erklärt gegenüber swissinfo, weshalb jetzt Pessimismus angesagt ist.

Der in Zürich geborene Finanz-Analyst, "Dr. Doom" genannt, sieht ernste Konsequenzen für die US-Politik. Diese drucke einfach mehr Dollar-Noten, um das ausufernde Budget-Defizit abzubauen.

Faber rät Investoren, ihre Investitionen nach Asien zu verschieben, wo die Vermögen noch wachsen. Dieser Tendenz folgen auch Investment-Banken. Sie haben begonnen, Vermögensverwaltungs-Abteilungen dorthin zu verschieben.

Der Schweizer Analytiker erlangte globale Anerkennung für seine Voraussagen zum Wallstreet-Zusammenbruch 1997, für den Crash in Japan 1990 und für die Finanzkrisen in den späten 90er Jahren.

Er ist der Herausgeber des "Gloom, Boom und Doom-Reports" und Autor des Bestsellers "Zukunftsmarkt Asien", engl. "Tomorrow's Gold". Fabers Übername ist "Dr. Doom" (doom = drohendes Unheil, Untergang...).

swissinfo: Werden wir in nächster Zukunft einen Börsencrash erleben?

Marc Faber: Die Amerikaner drucken Dollars, um die Zinsen für ihre Auslandschulden zu zahlen. Eine Krise kann jedoch auftreten, wenn der Dollar gegenüber Rohstoffen oder einer Gruppe ausländischer Währungen an Wert verliert.

Mit dem Drucken von mehr Geld haben die US Notenbank-Vorsitzenden Alan Greenspan und Ben Bernake Seifenblasen über dem Finanzplatz aufsteigen lassen, die zu einer Folge von Erschütterungen führen können. Als Endresultat muss man normalerweise Finanzreformen einführen, die zu einem Desaster führen können.

Man fragt mich immer wieder, womit ein Desaster beschleunigt werden kann. Darauf weiss ich keine Antwort. Ich kenne die Umstände, die zur Asienkrise geführt hatten. Aber warum es im Juni 1997 geschah und nicht im Januar 1996 oder im April 1998, weiss ich nicht.

swissinfo: Werden auch die Rohstoffpreise (einschliesslich dem Ölpreis) sinken?

M.F.: Wenn man annimmt, dass die Rohstoffpreise 20 bis 30 Jahre ansteigen, dann sind wir im Moment im Jahr 5. Das heisst aber nicht, dass in einer Hausse kein signifikanter Preis-Verfall stattfinden kann.

swissinfo: Was raten Sie Schweizer Investoren?

M.F.: Wenn ich mir die Portfolio-Verteilung einer typischen Schweizer Familie betrachte, hat sie den Hauptteil ihres Geldes in europäischen und US-Aktien angelegt.

Familien und Vorsorgestiftungen sollten mehr Werte in Asien statt in Amerika halten weil es eine Vermögensverschiebung gibt und die asiatischen Währungen gegenüber dem US-Dollar stärker werden. Ich würde rund 50% des Geldes eines Kunden in Asien anlegen und es von den USA abziehen.

swissinfo: Investmentbanken verschieben ihre Aktivitäten nach Asien. Wird das die europäischen Märkte nachteilig beeinflussen?

M.F.: Zum ersten Mal in der modernen Geschichte sind die Fremdwährungs-Reserven von Brasilien, China, Russland und Indien grösser als jene der G7-Länder. Sie repräsentieren einen Fünftel des Reichtums der Welt.

Einige dieser Vermögenswerte gehören reichen Einzelpersonen. Deshalb sind die Banken nach Singapur und Hongkong gezogen, um Privat Banking zu betreiben. Ich denke, dieser Trend wird sich in nächster Zeit noch rapid verstärken.

Die alten europäischen Finanz-Zentren sind davon nicht sehr betroffen, da russisches, osteuropäisches und afrikanisches Geld nach Europa kommt. Es ist aber nicht länger der Fall, dass alles Geld nach den USA oder Europa fliesst.

swissinfo: Mögen Sie eigentlich ihren Spitznamen "Dr Doom"

M. F.: In der Finanzindustrie müssen die Fondsmanager immer ein wenig optimistisch sein. Denn sie können ihren Investoren in ihren Newslettern nicht raten, die Anteile in ihren Fonds zu verkaufen.

Ich glaube daran, dass sich die Märkte bewegen. Und wenn man solche Rundbriefe wie ich schreibt, sieht man eine riesige Fülle von Vermögen überall auf der Welt. Diese kann man optimistisch (will heissen: Kaufen) oder pessimistisch (will heissen: Verkaufen) betrachten. Im Augenblick bin ich vor allem pessimistisch eingestellt.

swissinfo, Matthew Allen in Zürich
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)

Fakten

Marc Faber wurde in Zürich geboren und studierte an der dortigen Universität Wirtschaft
Seit 1973 lebt er in Hongkong und Thailand. Dort betreibt er die Marc Faber Ltd., die sich in der Investment-Beratung und im Fond-Management betätigt.

Infobox Ende

In Kürze

Börsen rund um die Welt sind in letzter Zeit wegen der Furcht vor einem Anstieg der US-Zinssätze gefallen. Dies nach einer anhaltenden Gewinn-Periode.

Der letzte Börsencrash war 1997/98; er wurde durch eine Krise in der Asien-Pazifik-Region ausgelöst.

Die Ölpreise haben im letzten Monat einen Höchststand erreicht. Sie überschritten zum ersten Mal 70 Dollar pro Barrel (159 Liter).

Infobox Ende


Links

×