Schweizer Firmen von SARS noch kaum betroffen

Die hochansteckende Lungenkrankheit SARS macht vor keinen Grenzen halt. International tätige Schweizer Unternehmen haben Vorsichtsmassnahmen ergriffen, um ihre Mitarbeiter zu schützen.

Dieser Inhalt wurde am 09. April 2003 - 08:58 publiziert

Die Geschäftstätigkeit wurde bis jetzt nicht beeinträchtigt.

Die Gesundheitsbehörden in Hongkong befürchten eine flächendeckende Ausbreitung der Lungenseuche SARS. Die Zahl der Toten stieg am Dienstag auf 25, mindestens 878 Menschen sind inzwischen infiziert.

In der südostchinesischen Provinz Guangdong, wo die Krankheit vermutlich ihren Ursprung hat, sind nach offiziellen Angaben bis jetzt 1206 Menschen infiziert und 43 gestorben. Aber auch aus Singapur, Kambodscha und Indien wurden Verdachtsfälle gemeldet.

Produktionsstätten in China

Der weltgrösste Nahrungsmittel-Konzern Nestlé ist in Südostasien stark präsent. In Hongkong und China besitzt das Unternehmen zudem Produktionsstätten.

"Es ist klar, dass diese Aktivitäten weitergehen. Soweit wir wissen, ist auch keiner unserer Mitarbeiter mit SARS infiziert", sagt Nestlé-Sprecher François-Xavier Perroud auf Anfrage von swissinfo.

Nestlé habe alle Geschäftsreisen zwischen China, Hongkong und der Schweiz gestrichen und Reisen in die übrigen Weltregionen auf das absolut Notwendige reduziert.

Wie Nestlé unterhält auch der Technologie-Konzern ABB enge Beziehungen zu China und Hongkong und produziert in vielen chinesischen Städten. "SARS ist für ABB bis jetzt ohne direkte Konsequenzen, und es sind noch keine nennenswerten Auswirkungen spürbar", erklärt ABB-Sprecher Thomas Schmidt.

In Guangdong beschäftigt ABB fast ausschliesslich lokale Mitarbeiter. Es wird vor allem für den chinesischen Markt produziert. In Hongkong werden Marketing- und Handelsfunktionen für ABB China getätigt.

Seit rund drei Wochen sind Reisen nach Hongkong und in die Provinz Guangdong praktisch untersagt. Zurückkehrende Mitarbeiter werden über mögliche Symptome und Kontakte befragt. Zudem wird ihnen eine medizinische Untersuchung empfohlen.

In China selbst sind laut Schmidt alle möglichen präventiven Massnahmen ergriffen worden. So wurden die Klimaanlagen gereinigt und Schutzmasken verteilt. Den Mitarbeitern wird geraten, sich medizinisch untersuchen zu lassen. ABB stellt dazu das medizinische Fachpersonal zur Verfügung.

Der Basler Pharmakonzern Novartis hat laut Pressesprecher Satoshi Sugimoto seinen lokalen Partner empfohlen, geplante Aktivitäten in Spitälern mit SARS-Fällen zu verschieben. Zudem werde von Reisen nach Hongkong und Guangdong abgeraten.

Holcim, der weltweit zweitgrösste Zementhersteller, will sich zu SARS nicht äussern und hat laut Konzern-Sprecher Roland Walker auch keine Richtlinien erlassen.

Finanzsektor nicht betroffen

Von SARS kaum betroffen sind international tätige Banken und Finanzdienstleister. "Unsere Tätigkeit ist reine Büroarbeit, wo sehr viel über E-Mail, Telefon und Fax abgewickelt wird", sagt Mediensprecher Henner Alms vom Rückversicherungs-Konzern Swiss Re.

Reisen von und nach den betroffenen Ländern sind bei SwissRe nur in absoluten Notfällen und nur mit Genehmigung eines Geschäftsleitungs-Mitgliedes erlaubt. Diese Massnahme sei seit 28. März in Kraft.

Die UBS hat Geschäftsreisen von und nach Südostasien sowie nach Toronto untersagt. "Wir orientieren uns an den Empfehlungen der WHO, Kriterium ist, ob eine lokale Übertragungskette besteht", sagt UBS-Sprecher Axel Langer.

Wer aus Südostasien zurückkommt, muss zudem zehn Tage lang von zu Hause aus arbeiten. "Die Inkubationszeit beträgt laut WHO zwischen zwei und sieben Tage. Mit den zehn Tagen nach Reiserückkehr sind wir deshalb auf der sichern Seite."

Die Geschäftstätigkeit sei durch SARS überhaupt nicht eingeschränkt. "Wir haben Personal und Management vor Ort. Dies erfordert nicht viele Reisen."

Die UBS macht nur in der Schweiz Retail-Banking, wo direkte Schalterkontakte stattfinden. Im Ausland beschränkt sie sich auf Vermögensverwaltung, Investment- und Private-Banking. "Da bestehen kontinuierliche Kundenbeziehungen und die Kommunikation kann auch mit technischen Mitteln erfolgen."

Eingeschränkt sei einzig die Durchführung von Veranstaltungen. "Es hat keinen Sinn, jetzt einen Private-Banking-Anlass zu machen, weil niemand kommen würde." Es sei aber noch viel zu früh, um Aussagen über längerfristige Auswirkungen zu machen.

Die Credit Suisse hat laut ihrem Sprecher Martin Somogyi ähnliche Vorkehrungen getroffen.

Flüge annulliert - swiss streicht einen Tokio-Flug

Die Auswirkungen der Lungenseuche spürt bis jetzt vor allem die Reisebranche. "Unsere Asien-Destinationen Hongkong, Tokio und Peking sind von kurzfristigen Annullationen betroffen", sagt Swiss-Sprecher Dominik Werner. Sollte sich die Epidemie weiter ausbreiten, sei die Fluggesellschaft stark betroffen.

Die Swiss fliegt täglich nach Hongkong und Singapur sowie fünfmal die Woche nach Peking. Am Mittwoch gab sie bekannt, der Montags-Flug nach Tokio (und der Rückflug am Dienstag) werde bis vorerst Mitte Mai gestrichen. Normalerweise fliegt das Unternehmen sechsmal die Woche nach Tokio.

swissinfo, Hansjörg Bolliger

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