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Schweizer Firmen werben um die neuen Europäer

Blesk, der tschechische "Blick" - ein Produkt von Ringier.

(swissinfo.ch)

Für Schweizer Unternehmen, die den Sprung nach Osteuropa schon gewagt haben, erweisen sich die neuen EU-Staaten bereits heute als profitabler Markt.

Das Medienunternehmen Ringier, die Gross-Bäckerei Hiestand und Novartis haben den neuen Markt mit 74 Mio. Konsumenten bereits anvisiert.

Die ehemaligen Ostblock-Staaten wie Litauen, Polen, Slowakei und Ungarn sind aufgrund ihrer Wachstumsraten von bis zu sechs Prozent im Jahr auch für die Schweizer Wirtschaft äusserst attraktiv geworden.

"Heute stellen die Schweizer Exporte in den ehemaligen Ostblock – ohne die ehemalige DDR – rund fünf Prozent aller Exporte dar", sagt Stephan Meier von der Schweizerischen Exportförderung Osec gegenüber swissinfo. "Das ist beachtlich."

Schweizer Investitionen in Mittel- und Ost-Europa sind seit dem Zusammenbruch des Kommunismus in den frühen 90-er Jahren hochgeschnellt. Polen zum Beispiel ist auf der Liste der wichtigsten Exportländer innerhalb Europa auf Rang 11, die tschechische Republik auf Platz 14 und Ungarn auf Platz 17.

Ein beachtlicher Teil dieses Handelsvolumens füllt das Medienunternehmen Ringier, das in der Schweiz unter anderem den "Blick" herausgibt.

Brötchen und Zeitschriften für den neuen Markt



Das Zürcher Unternehmen teilte vergangene Woche mit, das es mit den 11 Zeitungen und 32 Magazinen, die in Ländern wie der Slowakei, Ungarn oder der tschechischen Republik vertrieben werden, im Jahre 2003 bereits einen Viertel des gesamten Unternehmens-Umsatzes oder rund 227 Mio. Franken erwirtschaftet hat.

Ein anderes oft zitiertes Beispiel ist das Bäckerei-Unternehmen Hiestand, das 1989 in Warschau eine Bäckerei gekauft hat. Hiestand produziert heute gefrorene Backwaren im Wert von rund 20 Mio. Franken in seiner Fabrik ausserhalb der polnischen Hauptstadt.

Ähnlich gut läuft es für den Textilmaschinen-Hersteller Rieter, der seit 1994 die Kleider-Industrie in der tschechischen Industrie beliefert.

Neben diesen kleineren Firmen stehen die grossen multinationalen Unternehmen wie ABB, Nestlé oder Novartis, die ebenfalls grosses Interesse am osteuropäischen Markt haben.

Schnelles Wachstum in Osteuropa

Stefan Meier glaubt, dass die Liste der Unternehmen noch wachsen wird. "Die neuen EU-Staaten haben viel Boden wettzumachen. Wenn man von einem tiefen Niveau startet, kann man entsprechend schneller wachsen – das bestätigt sich etwa in China."

Meier fügt bei, dass Schweizer Firmen, die durch einen stagnierenden heimischen Markt an Wachstumsgrenzen stossen, oft gezwungen seien, im Ausland zu investieren. "Auch mit dem besten Willen können wir hier nicht mehr so schnell wachsen."

Die neuen EU-Mitgliedstaaten sind für die Schweiz auch wegen ihrer geografischen Nähe sehr attraktiv. Flüge zwischen Zürich und Prag oder Warschau dauern nicht länger als eine Stunde.

Eine neue Mittelklasse entsteht

Wirtschaftlich interessant ist auch, dass in den neuen EU-Ländern eine Mittelklasse entsteht, die Appetit hat auf westliche Produkte und sich diese auch leisten kann.

Eine gut ausgebildete und mehrsprachige Angestellte in einem ausländischen Unternehmen in Budapest verfüge mittlerweile wohl über mehr Kaufkraft als eine gleichwertige Angestellte in Berlin oder München, sagt Stefan Meier.

Mit dem Beitritt zur Europäischen Union werden die Neumitglieder gezwungen sein, viele ihrer bürokratischen und technischen Hürden abzubauen, die heute Investoren aus dem übrigen Europa das Leben erschweren.

Schweizer Firmen werden grundsätzlich den selben Zugang zu den neuen Ländern erhalten, wie sie ihn bisher zu den alten EU-Staaten hatte.

Einige Fachleute befürchten jedoch, dass Unternehmen aus Deutschland, Frankreich oder anderen EU-Staaten einen spürbaren Vorteil haben werden gegenüber ihren Konkurrenten aus dem Nicht-EU-Land Schweiz.

Schweizer Unternehmen zu langsam

Ein gewichtiger Vorteil sei beispielsweise der Zugang zu EU-Förderungsmitteln, die von der EU für die Entwicklung im Osten bereitgestellt worden sind.

Auf der anderen Seite wird Schweizer Unternehmern vorgeworfen, zu langsam auf die Entwicklung zu reagieren und deshalb gegenüber Firmen aus Deutschland, Frankreich oder Österreich in Rückstand geraten zu sein.

Stefan Meier von der Exportförderung Osec glaubt aber, dass die Möglichkeiten, die sich mit der EU-Erweiterung bieten, die Nachteile überwiegen werden.

Bedeutungsvoll seien zudem die politischen Chancen: Wenn in den neuen EU-Ländern Arbeitsplätze geschaffen würden, dann sei das zugleich auch eine Massnahme, um einen möglichen Strom von Arbeitsmigranten aus dem Osten zu stoppen und in ihrer Heimat zu halten.

swissinfo, Jacob Greber in Zurich (Übertragen aus dem Englischen: Katrin Holenstein)

In Kürze

Ringer, Hiestand, Novartis, Vetropack, Nestlé and Roche gehören zu den Schweizer Unternehmen, die bereits in den neuen EU-Mitgliedstaaten investiert haben.

Die Erweiterung der Europäischen Union um 10 Staaten mit 74 Mio. Konsumenten bietet neue Investitionsmöglichkeiten.

Schweizer Exporte in die neuen EU-Länder machen bereits heute einen Anteil von 5% aller Exporte aus.

Polen liegt auf der Schweizer Liste der europäischen Exportländer auf Rang 11, Tschechien auf Rang 14 und Ungarn auf Rang 17.

Ringier, Herausgeber der Boulvard-Zeitung "Blick", hat 2003 bereits einen Viertel seines Umsatzes in Osteuropa erwirtschaftet.

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