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Schweizer in Bethlehem blockiert

Ein israelischer Soldat in Ramallah vor einem Bild Jassir Arafats.

(Keystone)

Internationale Friedens-Aktivisten haben über das Osterwochenende vor Ort ihre Solidarität mit den Palästinensern demonstriert. Darunter auch Schweizer.

Insgesamt waren am Donnerstag 27 Schweizer Pazifisten zu einem einwöchigen Besuch in Israel und den palästinensischen Gebieten eingetroffen. Zwölf von ihnen sind im Flüchtlingscamp von Daishe bei Bethlehem.

Momentaufnahme bei Bethlehem

"Blockiert sind wir nicht eigentlich", sagte Sigfried Ericsson gegenüber swissinfo. Er befindet sich zur Zeit des Gesprächs beim Flüchtlingscamp Daishe bei Bethlehem. "Aber die Armee rückt gerade gegen Bethlehem vor und so fahren keine Autos mehr. Nur wer Glück hat und ein Taxi erwischt, kommt von hier weg."

Die Truppen würden sich von Norden her - von Jerusalem - auf das Flüchtlingslager und auf Bethlehem zu bewegen. Gemäss Ericsson sind Flugzeuge und gepanzerte Fahrzeuge zu sehen. "Sie sind noch bei den Hügeln rund um Bethlehem", sagt er.

Schweizer wollen immer noch zu Arafat

In Bethlehem seien sämtliche Geschäfte geschlossen. "Die Leute verlassen das Haus nur noch, um die nötigsten Dinge zu besorgen. Sie wissen, dass die Israelis kommen werden". Kinder würden Müll auf die Strasse kippen und so versuchen, Hindernisse aufzubauen.

Sigfried Ericsson ist zusammen mit der Gruppe International Solidarity Mouvement (ISM) in der Westbank. Die Gruppe will sich aktiv an einem Friedensprozess zwischen der israelischen und palästinensischen Bevölkerung beteiligen. Ericsson erklärt, dass man auch Kontakt zu israelischen Friedens-Gruppierungen gehabt hätte.

Momentan ist das Hauptziel von ISM, den isolierten Palästinenser-Präsident Jassir Arafat aufzusuchen. "Doch ist unsere Bewegungs-Freiheit zur Zeit so gering, dass ein Transfer von Bethlehem nach Ramallah fast nicht möglich ist", sagt Ericsson. So würden die Schweizer Aktivisten in Bethlehem bleiben, bis sich die Lage möglicherweise entschärft habe. Dann werde man, so Ericsson, auf jeden Fall versuchen, Arafat in Ramallah zu treffen.

Sieben Ausländer wurden am Montag bei einer Demonstration in Beit Dschala im Westjordanland durch israelische Schüsse verletzt.

Ausweitung

Trotz massiver internationaler Kritik hielt die israelische Armee den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat über Ostern weiter in seinem Hauptquartier in Ramallah belagert und isolierte ihn von der Aussenwelt. Vor dem Gebäude kam es immer wieder zu Feuergefechten zwischen israelischen Soldaten und palästinensischen Sicherheitskräften. Die Armee erklärte Ramallah zum militärischen Sperrgebiet. Das israelische Sicherheitskabinett ordnete nach der Aktion in Ramallah eine Ausweitung der Militäraktionen an.

Die palästinensische Fatah hatte unterdessen als Reaktion auf die Belagerung Arafats zu verstärkten Anschlägen gegen Israelis aufgerufen.

US-Präsident George W. Bush hatte zuvor Verständnis für das israelische Vorgehen geäussert. Trotzdem forderte am Samstag der UNO-Sicherheitsrat mit Stimme der USA den Abzug der israelischen Armee "aus palästinensischen Städten, einschliesslich Ramallahs". Zugleich appellierte der Rat an Israelis und Palästinenser, umgehend für eine Waffenruhe zu sorgen.

Demonstrationen

Am Samstag hatten 15 Schweizer an einer Kundgebung von israelischen Arabern teilgenommen. Die Kundgebung fand in der Negev-Wüste im Süden Israels zum "Tag der Erde" statt.

In der Arabischen Welt demonstrierten über die Osterfeiertage Hunderttausende gegen die jüngsten israelischen Militäraktionen. Allein in Ägypten versammelten sich bis zu 60'000 Menschen. Der irakische Präsident Saddam Hussein forderte die arabischen Führer zu einem Wirtschaftsboykott gegen die USA auf, um diese zu grösserem Druck auf Israel zu zwingen. Die ölreichen Golfstaaten sollten auch die Ölwaffe einsetzen.

Die Islamische Konferenzorganisation mit 57 Mitgliedstaaten sprach von einer "Verletzung aller internationaler Normen und Gesetze". Die diplomatischen Vertreter der EU, Russlands, der USA und der UNO bemühten sich am Montag ergebnislos um ein Treffen mit dem belagerten Arafat.

Die Schweiz betrachtet die israelische Militäraktion gegen das Hauptquartier von Arafat als "entwürdigend" und forderte Israel auf, die Aktion "zu beenden". Die Schweiz unterstützt zudem vollumfänglich die vom UNO-Sicherheitsrat verabschiedete Resolution 1402.

swissinfo und Agenturen

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