Schweizer Multis und KMU in Iran aktiv

Iran wächst: Das Land sollte pro Jahr rund eine Million Stellen schaffen, um der Bevölkerung Arbeit zu verschaffen. Keystone

Die Schweizer Grosskonzerne, aber auch zahlreiche Klein- und Mittelbetriebe (KMU), wollen stärker im Iran aktiv werden. Iran plant in den nächsten Jahren Investitionen in Milliardenhöhe und will schrittweise die Gesetze reformieren.

Dieser Inhalt wurde am 14. Oktober 2001 - 12:44 publiziert

Die Islamische Republik Iran ist im Aufbruch. Um der Bevölkerung Arbeit zu verschaffen, müsse das Land pro Jahr rund eine Million neue Stellen schaffen, sagte ein ABB-Vertreter in Iran vor Wochenfrist am Rande eines Besuches von Bundesrat Pascal Couchepin in dem Land.

Ausbau der Infrastruktur

Iran, dessen Wirtschaft nach wie vor zu rund 85% vom Staat kontrolliert wird, plant massive Investitionen. Allein 10 Mrd. Dollar sollen in den Ausbau der Infrastruktur gepumpt werden.

Schweizer Unternehmen hoffen auf Aufträge. Bereits einen Fuss in der Tür hat der Technologie-Konzern ABB, der in Projekten mit Bestellungen von einigen Mio. Franken präsent ist. Schindler schielt auf den Bedarf an Aufzügen und Rolltreppen.

Bühler stellt vor Ort her

Die einzige Schweizer Firma mit einer Herstellung vor Ort ist derzeit der St.Galler Technologie-Konzern Bühler, der Anlagen für die Nahrungsmittel-Industrie herstellt. Das Unternehmen steigerte den Umsatz in Iran in diesem Jahr um 20%.

Als kleineres Unternehmen versucht sich die Freiburger Boschung Mecatronic einen Nischenmarkt in Iran zu erschliessen. Sie hat bereits mehrere Aufträge für die Lieferung von Strassenreinigungs-Fahrzeugen, Schnee-Fräsen und Glatteis-Detektor-Systemen erhalten.

Nestlé mit Joint-Venture

Einen Erfolg vermeldet auch der Nahrungsmittel-Konzern Nestlé. Nach zweieinhalb Jahren Verhandlungen hat Nestlé ein Joint-Venture für die Produktion von Milchpulver unter Dach und Fach gebracht, wie der Direktor von Nestlé-Iran, Stuart Young, sagt.

Die Genfer Société Générale de Surveillance verhandelt über einen neuen Vertrag. Der Konzern erachtet den iranischen Markt als "prioritär".

Auch wenn die Schweizer Firmen in Iran nach wie vor hohe administrative Hürden zu überwinden haben und viele Probleme - etwa bei der Besteuerung -. ungelöst sind, geht es voran. Die Reformen gingen weiter, versichern auch Irans Wirtschafts- und Finanzminister Tahmasb Mazaheri und Industrieminister Eshagh Jahangiri.

Uhrenindustrie boomt

Die wirtschaftliche Öffnung verleiht nicht zuletzt der Schweizer Uhrenindustrie Impulse. Die Uhren-Exporte nach Iran haben im letzten Jahr zwar nur 9,8 Mio. Franken erreicht. Mit 55,5% war die Wachstumsrate jedoch eindrücklich.

Und die positive Tendenz setzt sich fort. In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres betrug die Zunahme erneut 40%, wie François Habersaat, Präsident des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH), sagt.

Konjunktur trübt Ausblick

Die weltweite Abschwächung der Konjunktur lässt den Handel der Schweiz mit Iran jedoch nicht ungetrübt. Der gesunkene Ölpreis lässt die Deviseneinnahmen Irans schrumpfen, wodurch weniger Geld für den Kauf ausländischer Waren zur Verfügung steht. Dagegen profitieren die Schweizer davon, dass die Sanktionen der USA gegen Teheran noch immer in Kraft sind.

Der Wirtschafts-Delegation, die mit Couchepin nach Teheran reiste, gehörten rund 40 Personen an. Nicht mit dabei war économiesuisse-Präsident Andreas Leuenberger. Als Swissair-Verwaltungsrat war er andersweitig beschäftigt.

Iran ist nach Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz im Nahen und Mittleren Osten. Im letzten Jahr beliefen sich die Exporte auf fast 400 Mio. Franken.

Swissinfo und Philippe Gumy (sda)

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