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Schweizer Patienten bald unter deutschen Messern

Operationen in deutschen Spitälern wären billiger. Keystone

Wenn die Krankenkasse CSS ihre Pläne umsetzen kann, werden Schweizer-Patienten bald in deutschen Spitälern operiert.

Dieser Inhalt wurde am 05. November 2004 - 13:05 publiziert

Die Kasse argumentiert mit den Gesundheitskosten und sucht nach billigeren Alternativen im benachbarten Ausland.

Die CSS denkt vor allem an Operationen wie das Einsetzen eines Herz-Schrittmachers, das Entfernen der Gebärmutter oder das Einsetzen von künstlichen Hüftgelenken, die auch in Deutschland ausgeführt werden können.

Die Einsparungen wären beträchtlich: An der Universitätsklinik Lausanne kostet eine orthopädische Operation 28'400 Franken, im deutschen Rheinfelden jedoch lediglich 19'900 Franken.

Rechtliche Hürden

Die CSS hat bereits Einsparungen realisiert, indem sie ihre Patienten zur Rekonvaleszenz statt in der Schweiz in Kliniken im Schwarzwald geschickt hat.

Allerdings ist es für die Krankenkassen fast unmöglich, ihre Patienten im Ausland behandeln zu lassen. Gemäss Schweizer Gesetzgebung werden Operationen im Ausland nicht bezahlt, ausser bei Notfällen oder wenn der Patient zusatzversichert ist.

Die Versicherten müssten demnach eine solche Zusatzversicherung abschliessen. Oder anders gesagt: Nur privat Versicherte kommen vorläufig für einen Eingriff im Ausland in Frage.

Ehepartner inklusive

CSS-Sprecher Stephan Michel sagte gegenüber swissinfo, dass die Krankenkasse einen Vertrag mit einer deutschen Klinik in Bad Säckingen abgeschlossen habe.

Dorthin werden Patienten zur Rehabilitation geschickt. Der Tag koste in Bad Säckingen 187, in der Schweiz jedoch 600 Franken.

Die CSS versucht nun, ihre 180'000 privat Versicherten mit einer Spezialofferte nach Deutschland zu locken.

"Bei den Preise in Deutschland", sagt Michel, "kann der Patient seinen Ehepartner gleich mitnehmen. Es kostet den Versicherten nicht mehr."

Die Krankenkasse sagt weiter, dass die Einsparungen an die Versicherten weiter gegeben werden sollen, was zu Prämienreduktionen führen würde.

Die Pläne der CSS hätten bereits dazu geführt, dass die Schweizer Spitäler ihre Kostenstruktur besser unter die Lupe nähmen.

Billiger operieren

"Zur Zeit sind Operationen in der Schweiz alle gleich teuer. Es wird nicht unterschieden, ob es sich um einen einfachen oder komplexen Eingriff handelt", so der CSS-Sprecher.

"Wir sind im Gespräch mit einigen Spitälern, welche Bereitschaft signalisiert haben, bei einfacheren Eingriffen die Kosten tiefer zu berechnen."

Margrit Kessler, Präsidentin der Schweizerischen Patienten- Organisation ist einverstanden damit, dass preiswertere Alternativen gesucht werden.

Sie sorgt sich aber um die Tatsache, dass Schweizer Patienten bald dazu gezwungen würden, sich im Ausland operieren zu lassen.

"Was geschieht, wenn etwas schief läuft und der Patient ist in Deutschland und seine Angehörigen sind in der Schweiz? Wer würde über rechtliche Aspekte entscheiden, deutsche oder Schweizer Richter?"

Stephan Michel von der CSS sieht dieses Argument, ist aber der Meinung, dass das unproblematisch sei, da die Patienten über die nötige Versicherungsdeckung verfügten.

Auch das Bundesamt für Gesundheit beschäftigt sich mit der Angelegenheit und hat bereits eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Sie soll prüfen, welche Anpassungen an die Rechtslage nötig sind, damit Schweizer Patienten im Ausland medizinisch behandelt werden können.

Zu viele Spitäler

Die hohen Gesundheitskosten haben ihre Ursache in den Infrastrukturkosten und den Löhnen in der Schweiz. Doch, so CSS-Sprecher Michel, seien auch die Überkapazitäten ein wesentlicher Faktor.

"Wir haben zahlreiche Kliniken mit einer Auslastung von 60%. Die Kosten können aber nur sinken, wenn sie zu 80 oder 90% ausgelastet wären", sagt Michel.

"Es gibt zu viele Spitäler. Viele sind zu klein und weisen deshalb zu hohe Betriebskosten auf."

Der Verein der leitenden Spitalärzte der Schweiz (VLSS) reagiert naturgemäss skeptisch auf die Aktivitäten der CSS.

"Es ist ein Spiel der Krankenversicherer mit den Medien. Da hat jemand mal einen Stein ins Wasser geworfen und schaut nun, was passiert", sagt VLSS-Präsident Hans-Ueli Würsten.

Wer soll das bezahlen?

"Gesundheit hat ihren Preis und die Krankenkassen wollen dafür nicht aufkommen. Die Patienten jedoch sind bereit für eine gute Gesundheitsversorgung zu bezahlen", sagt Würsten und fügt an, dass die meisten Patienten gar nicht ins Ausland gehen wollten.

"Die wollen nicht nach Deutschland – es ist schon schwierig genug, sie von Biel nach Montana zu schicken."

Komme dazu, dass nur derjenige profitieren würde, der eine Privatversicherung abgeschlossen habe. Dort würden die Prämien möglicherweise sinken. Für die Grundversicherung aber hätte eine Behandlung im Ausland keine Auswirkungen.

swissinfo, Faryal Mirza
(Übertragung aus dem Englischen: Urs Maurer)

Fakten

Die Kosten für die obligatorische Krankenkasse stiegen zwischen 1999 und 2003 um 24%.
In diesem Jahr steigen die Prämien um durchschnittlich 4%.
Die Krankenkasse CSS hat rund 1,2 Mio. Versicherte.
Jede siebte Person in der Schweiz ist bei der CSS versichert.

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