Selbst ist die Chefin

Immer mehr Schweizer Winzerinnen haben Erfolg, so auch Coraline Wurstemberger in Mont-sur-Rolle. Keystone Archive

In der Schweiz arbeiten viele Frauen selbstständig - mehr als im europäischen Vergleich. Fast 90% gründen Firmen im Dienstleistungssektor.

Dieser Inhalt wurde am 17. Juli 2002 - 12:36 publiziert

In der Europäischen Union (EU) arbeiteten im Jahr 2000 doppelt so viele Männer (16%) wie Frauen (8%) als selbstständig Erwerbende. In der Schweiz hingegen betrug der Frauen-Anteil 11%, wie das Bundesamt für Statistik mitteilt. Der Anteil bei den Männern lag bei über 18%.

Hinzu kommt in der Schweiz der hohe Frauen-Anteil bei neuen Firmen-Gründungen. "Er betrug 2001 rund 33%", bestätigt Irene Meier vom Verband Frauen-Unternehmen gegenüber swissinfo.

Als ein Grund dafür wird die Aus- und Weiterbildung der Frauen genannt. Sie habe sich, so Meier, in den letzten Jahren sehr deutlich verbessert: "Das ergibt natürlich eine bessere Ausgangslage, um ein Unternehmen erfolgreich führen zu können."

Vor allem Dienstleistungen

Die grosse Mehrheit der Frauen gründe ihr Unternehmen im Dienstleistungs-Bereich. Auch bei den Männern entfallen 68% der Gründungen auf die Dienstleistungen, wie einer Studie der Fachhochschule Solothurn zu entnehmen ist.

"Das hat auch noch zum Teil mit dem entsprechend ausgerichteten Aus- und Weiterbildungsverhalten der Frauen zu tun", sagt Meier. Und ausserdem es sei naheliegend, dass man sein Unternehmen in jenen Bereichen gründet, wo man auch berufliche Erfahrungen gemacht habe.

"Nach wie vor wählen sehr viele junge Frauen keine technisch orientierten oder gewerblichen Berufe, wenn sie sich ausbilden", präzisiert Meier. Deshalb entstünden in diesem Bereichen vorderhand wenig Frauenunternehmen.

Weniger Lohn

Auch in der Selbstständigkeit ist, laut Meier, das geschlechtsspezifische Einkommensmuster wahrnehmbar. Viele Frauen verdienen als selbstständig Erwerbende weniger als die Männer - häufig sogar noch weniger, als wenn sie angestellt wären. "Allerdings liegt ein Teil dieses Verdienst-Unterschiedes darin begründet, dass einige Frauen auch nicht vollzeitlich in ihrem Unternehmen engagiert sind", erklärt Meier.

In den personennahen Dienstleistungsbereichen sei die Wertschöpfung tiefer als in anderen Branchen. "Daher haben einige Frauen unter diesem Brancheneffekt zu leiden", sagt Meier.

Dies betreffe vor allem Unternehmen aus dem Beratungs- oder Gesundheitsbereich, wo die Dienstleistungen immer direkt eins zu eins mit der Kundin zusammen erbracht werde. "In diesen Branchen ist es sehr schwierig, wirklich attraktive Ansätze erreichen zu können, weil die Marktsituation und die Kaufkraft der Kundschaft das unter Umständen nicht erlaubt."

Frauen nehmen sich mehr Zeit

Erfahrungen haben ergeben, dass Frauenunternehmen langsamer wachsen, wie Meier weiter ausführt. "Da ist schon eine gewisse Kultur absehbar, dass Frauen gerne direkt unternehmerisch tätig sind und sich vielleicht länger Zeit nehmen, das Unternehmen aufzubauen."

Auch würden viele Frauen Positionen meiden, wo sie nicht mehr selbst in der Produktion oder Dienstleistung tätig seien. "Hier ist ein Unterschied zwischen Frauen- und Männerunternehmen klar erkennbar", ist Meier überzeugt.

Alina Kunz Popper

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