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Skyguide spart und senkt Tarife

Ein Skyguide-Angestellter vor dem Kontroll-Bildschirm beim Flughafen Kloten. Keystone

Die Schweizer Flugsicherung Skyguide will über die nächsten drei Jahre 15 Mio. Franken sparen. Das bedeutet einige Stellen und einige Projekte weniger.

Dieser Inhalt wurde am 11. Oktober 2004 - 08:38 publiziert

Skyguide war wegen ihrer Flugsicherung-Standards unter Beschuss geraten. Die geplanten Einsparungen werden jedoch die Sicherheit nicht berühren.

Die Sparprogramme der Schweizer Flugsicherung Skyguide können laut Verwaltungsrats-Präsident Guy Emmenegger zu "einigen wenigen" Entlassungen führen.

Spätestens seit der Flugkatastrophe von Überlingen kommt Skyguide nicht mehr aus den Schlagzeilen. In der Unglücksnacht vor etwas mehr als zwei Jahren hatten nur zwei Fluglotsen Dienst. Seither wird wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung gerichtlich ermittelt.

Zwischen Sparzwang und Sicherheits-Vorgaben

Die nicht gewinnorientierte Skyguide ist laut Emmenegger der Auffassung, einen staatlichen Auftrag zu erfüllen; sie gelte demnach als Service-public-Unternehmen.

Als solches habe es Anrecht auf staatliche Abgeltung für gemein-wirtschaftliche Leistungen, sagte Emmenegger in einem Interview mit der "SonntagsZeitung".

Damit der Flugverkehr geregelt abläuft und die Flugzeuge sich im dicht beflogenen Luftraum nicht in die Quere kommen, ist eine Flugsicherung nötig.

Skyguide: Finanzierung durch Tarife und öffentliche Gelder

Skyguide finanziert sich mit Tarifen, deren Höhe ein Politikum darstellt – unter anderem wegen der Auswirkungen auf die Attraktivität der Schweizer Flughäfen, die eine Funktion im öffentlichen Verkehr erfüllen.

Skyguide verlange, so schreibt das Unternehmen selber, im Anflugbereich hohe Tarife. Begründet wird dies durch "nicht entschädigte Leistungen in delegierten Lufträumen", sprich Gratisleistungen oder entgangenen Einnahmen für Dienste in den Nachbarländern.

Gemeint sind damit laut Skyguide auch "nicht benutzergerecht verteilte Service-Public-Leistungen auf Regional-Flugplätzen und in der Freizeitaviatik".

Das Unternehmen befindet sich seit Jahren im Clinch zwischen politisch vorgegebenen Sparzwängen einerseits, den sich ändernden Bestimmungen des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) betreffend Flugverfahren, dem vertragslosen Zustand mit Deutschland und den Sicherheitsauflagen gemäss internationalen Standards.

Abbau bei Fluglotsen-Assistenten und bei Projekten

Sicher sei, so Emmenegger im Interview der "SonntagsZeitung" weiter, dass die Stellen der Fluglotsen-Assistenten in Zürich wegfallen würden. Ihre Funktion brauche es in dieser Form nicht mehr.

Die Aufgaben dieser Assistenten würden automatisiert, sagt Skyguide-Sprecher Patrick Herr gegenüber swissinfo. "Dies hat aber keinen Einfluss auf die Sicherheit. Es ist sogar denkbar, dass sich die Sicherheit durch die Automatisierung verbessern liesse."

Nach dem Flugzeug-Zusammenstoss von Überlingen hatte Skyguide bereits weitere Stellen geschaffen und die Ausbildung forciert. Der Personalbestand nahm so innert Jahresfrist um 30 Stellen auf 1266 Vollzeitstellen zu.

Mit den angekündigten Entlassungen habe das jedoch nichts zu tun. "Das sind zwei verschiedene Arbeitssektoren", sagt Patrick Herr. "Wir investieren in die Sicherheit, dafür sparen wir im operationellen Bereich."

Sparprogramm, um Tarife zu senken

Betroffen von den Sparmassnahmen sind laut Emmenegger aber auch Projekte. Skyguide habe den Sparauftrag vom Bund erhalten. Es wird laut Emmenegger eine enorme Anstrengung brauchen, ihn umzusetzen. Denn gleichzeitig werde Skyguide voraussichtlich für 2005 die Tarife senken.

Skyguide habe 2003 einen Überschuss gemacht und müsse diesen weitergeben, erläuterte Emmenegger. Der Überschuss des nicht gewinnorientierten Unternehmens im Jahr 2003 betrug 14,8 Mio. Franken.

Der Überschuss sei aber nicht als ein Zeichen finanzieller Stärke oder Effizienz auszulegen, meint Patrick Herr. Ziel des Sparprogramms sei es nicht, den Gewinn zu erhöhen, "sondern die Tarife für unsere Kundschaft, die Fluggesellschaften, zu senken."

Um wie viel die Tarife sinken, wird laut Emmenegger erst im November entschieden.

Bisher zahlt nur Frankreich

Der VR-Präsident hofft indes auf Mehreinnahmen. Die Luftfahrt-Infrastruktur ist verkehrstechnisch bedingt und reicht deshalb über die politischen Landesgrenzen hinaus. Doch von den Nachbarländern bezahlt bisher einzig Frankreich die Skyguide für diesen Dienst.

Das heisst, dass Skyguide ohne Entgelt deutschen, österreichischen und italienischen Luftraum kontrolliert. Verkehrsminister Moritz Leuenberger habe versprochen, dass Verhandlungen über die Bezahlung dieser Dienste zügig vorangetrieben würden, sagte Emmenegger.

Aber das gehe nicht von heute auf morgen. Zudem sei es wahrscheinlich unrealistisch, dass Skyguide 36 Mio. Franken dafür erhalte - so viel, wie die Arbeit für die drei Länder wert sei.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Skyguide ist verantwortlich für die Flugsicherung in der Schweiz und in einem Teil des angrenzenden ausländischen Luftraumes.

Sie ist eine nicht gewinnorientierte Aktiengesellschaft im Mehrheitsbesitz des Bundes.

Bei den Überflug-Gebühren gehört Skyguide bereits heute zu den kosten-effizienten Anbietern.

Skyguide erhebt einheitliche Gebühren auf allen Flughäfen. Sie bemessen sich einzig am Gewicht der Flugzeuge.

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Fakten

Umsatz im Jahr 2003: 343 Mio. Franken.
Überschuss: 14,8 Mio.
1300 Mitarbeitende
Der Flugsicherer oder "Air Traffic Controller" Skyguide hat innerhalb Europa teure Anflug-Gebühren.
Gründe: nicht benutzergerecht verteilte Service-Public-Leistungen (zirka 21 Mio.) und nicht bezahlte Leistungen für delegierte Lufträume (zirka 35 Mio.)

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