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Skyguide zahlt für Flugzeugcrash von Überlingen

Trauernde Angehörige der Überlingen-Opfer.

(swissinfo.ch)

Knapp eineinhalb Jahre nach der Flugzeugkatastrophe bei Überlingen zahlt die Schweizer Flugsicherung erste Entschädigungen an die Hinterblieben von Opfern.

In Zürich wurde am Donnerstag eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.

Die Anwälte von Skyguide und Heiko van Schyndel, der Anwalt der Familien von zwölf Opfern - elf Crew-Mitgliedern und einem Passagier -, haben sich auf Zahlungen einigen können. Dies teilte Schyndel am Freitag mit.

Skyguide habe das Geld bereits gezahlt, sagte van Schyndel. Damit bestehe kein Hindernis mehr für die Auszahlung. Die Überweisung von Skyguide gehe zuerst vollumfänglich auf das Anwaltskonto. Von da "wird das Geld in Russland verteilt".

Die Auszahlungen sollen innert den nächsten 14 Tagen erfolgen.

Höher als in der Schweiz üblich

Über die Höhe der Entschädigungs-Summen gab van Schyndel keine Auskunft. Die in den Medien genannten Summen von zwischen 100'000 und 300'000 US-Dollar pro Person wollte er "weder bestätigen noch dementieren". Gemäss dem Anwalt hat man sich auf Zahlungen geeinigt, welche "die Entschädigungssätze nach Schweizer Recht deutlich übersteigen und auch nach europäischem Standard stattlich sind".

Die Übereinkunft sei "nach langen und intensiven Verhandlungen" zu Stande gekommen, sagte van Schyndel gegenüber swissinfo. "Manchmal kamen wir an einen Punkt, an dem sie fast abgebrochen wären. Aber jetzt haben wir eine Lösung gefunden, die beide Seiten befriedigt."

Aussergerichtliche Vereinbarung begrüsst

Die Frage, wer für die Katastrophe verantwortlich sei, sei nie diskutiert worden. "Verantwortlich könnten auch die Piloten sein, die zu meinen Klienten gehören. Deshalb bin ich froh, dass wir nicht vor Gericht gegangen sind. Denn" – so van Schyndel – "diese Frage hätte dort gestellt werden können."

Von Skyguide-Mediensprecher Patrick Herr waren keine genaueren Angaben zu erhalten. Er sagte gegenüber swissinfo lediglich, diese Einigung mit 12 Familien sei juristisch gesehen ein positiver Schritt. "Wir haben immer gesagt, eine aussergerichtliche Vereinbarung sei viel besser."

Hilfe von Regierungen

Die nun erreichte erste Einigung ist laut van Schyndel nicht zuletzt deshalb möglich geworden, weil die Regierungen von Deutschland und der Schweiz "einen nicht geringen Betrag" zur Bewältigung der finanziellen Folgen des Crashs geleistet hätten. Beide Länder hatten sich im Juni 2003 darauf geeinigt, je rund 10 Millionen Dollar in einen Entschädigungsfonds zu zahlen.

Über die Entschädigungszahlungen der übrigen Opfer ist bis anhin noch keine Einigung zu Stande gekommen. Nach Angaben von Gerrit Wilmans, dem Anwalt, der die Hinterbliebenen von 40 Opfern des Absturzes vertritt, sind die Gespräche im Gange.

Dies bestätigte Skyguide-Sprecher Patrick Herr. Die Inhalte der Gespräche seien indessen vertraulich. Er rechnet mit intensiven Verhandlungen.

Am 1. Juli 2002 waren eine russische Passagiermaschine der Bashkirian Airlines BAL und eine Frachtmaschine des Kurierdienstes DHL in der Nähe des Deutschen Bodensee-Städtchens Überlingen zusammengeprallt und abgestürzt. In der russischen Tupolew kamen 52 Jugendliche und 17 Besatzungsmitglieder ums Leben, in der Frachtmaschine die beiden Piloten.

swissinfo und Agenturen

Fakten

1.7.2002: 71 Todesopfer bei Flugzeugcrash von Überlingen

Unter den Opfern 45 russische Kinder und Jugendliche

Vorgelegte Schadenersatz-Forderungen der Hinterbliebenen-Anwälte: Bis zu 1,5 Mio. Dollar pro Opfer

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In Kürze

Rund anderthalb Jahre nach der Flugzeugkatastrophe vom Bodensee mit 71 Toten werden erste Entschädigungen gezahlt.

Anwälte der Schweizer Flugsicherung Skyguide und von Hinterbliebenen der Crew der russischen Maschine haben am Donnerstag in Zürich eine entsprechende Abfindungserklärung unterzeichnet.

Die Vereinbarung soll eine Zahlung zwischen 100'000 und 300'000 US-Dollar für jedes der zwölf getöteten Besatzungsmitglieder der russischen Maschine vorsehen, je nach Einkommen und Familienstand des Opfers.

Im Gegenzug mussten die Hinterbliebenen Berichten zufolge versichern, keine weiteren Ansprüche gegen Skyguide mehr geltend zu machen.

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