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Sorgen in der Sonnenstube

Trotz Postkartenidylle: Die Tessiner Tourismusverantwortlichen sind unzufrieden.

(Keystone)

Verkehrsstaus am Gotthard, der starke Franken, zu viele Beizen und zu wenige Erstklasshotels und die Konkurrenz der Expo.02: Tourismus-Sorgen im Tessin.

Grosse Sorgen um den Tessiner Fremdenverkehr drückte letzte Woche Claudio Belloli, Präsident der Gastgewerbe-Vereinigung "Gastroticino", an der Jahresversammlung aus. Für die Sommersaison wagt niemand eine Vorhersage. Die Auswirkungen der Expo.02 seien noch nicht abzuschätzen, aber sicher spürbar, meinte Belloli vorsichtig.

Als eindeutig grössten Negativfaktor bezeichnen alle Tourismus-Verantwortlichen die Situation beim Gotthard-Strassentunnel. "Seit dem Brand vom 24. Oktober 2001 stellen wir eine unerwartete psychologische Auswirkung fest: Es kommen täglich rund 200 Personenwagen oder 20 Prozent weniger durch den Tunnel als vorher".

"Offenbar haben viele Leute Angst", sagt Marco Guscio, Chef der Verkehrspolizei. Das Gastgewerbe fordert nun, dass die Gotthard-Passstrasse nicht auch noch den Lastwagen offen stehen soll, sondern dem Personenverkehr vorbehalten bleibt.

Teurer Franken

Der Grenzkanton Tessin ist seit je mit Preisvergleichen mit Italien konfrontiert. "Seit der Einführung des Euro hat sich das Preisverhältnis ohne unser Zutun um zehn Prozent verschlechtert. Der Franken ist zu stark", sagt Giuseppe Stinca, Direktor im Fremdenverkehrsbüro Ticino Turismo.

Wenn die Wirte den schlechten Umsatz auch noch durch Preiserhöhungen zu kompensieren versuchten, könne das die Situation weiter verschlechtern.

Zu viele Restaurants ...

Claudio Belloli beklagt das auch ungehemmte Wachstum der Zahl von öffentlichen Lokalen: "Wir haben im Tessin gut 400 Lokale zu viel. Das Verhältnis liegt bei einem Restaurant auf 130 Einwohner, verglichen mit eins zu 240 in der
ganzen Schweiz.

Hinzu komme der Dauermangel an geschultem, einheimischem Personal und das Fehlen einer "echten Kultur der Gastfreundschaft."

...und wenig Hotels der Spitzenklasse

Die Flaute im Gastgewerbe führt dazu, dass die Hoteliers, wichtige Investitionen nicht tätigen. Manche werfen lieber das Handtuch, oder verwandeln die Betriebe in Stundenhotels.

Im Tessin gibt es neun Fünfstern-, 34 Vierstern-, und 107 Dreistern-Hotels. Zu wenig für das Förderungsprojekt von Ticino Turismo, das dem Kongresstourismus gilt.

Ein Beispiel: Für den Internationalen Lymphom-Kongress mit rund 3000 Teilnehmern vom Juni in Lugano, musste die Organisatorin Hotelzimmer in Como und Mailand suchen. Neben dem knapp genügenden Kongresszentrum in Lugano gibt es für Grossanlässe nur noch das Centro Fevi in Locarno.

Hilfe vom Staat?

In den 90-er Jahren floss die staatliche Unterstützung für den Fremdenverkehr hauptsächlich in Luftseilbahnen und Skilifte. Ersteres half dem Ferienwohnungs-Sektor in den Locarneser Tälern. Letzteres erwies sich weitgehend als Reinfall: Heute sind besonders die an chronischem Schneemangel leidenden Anlagen im Konkurs oder in Stundungsverfahren.

Nun soll der Rahmenkredit zur Tourismusförderung für die kommenden vier Jahre verdoppelt werden. Nicht im Giesskannenprinzip, sondern zur Förderung von Zeichen setzenden Grossprojekten, mit denen neue Märkte erschlossen werden sollen.

Noch sind die Vorstellungen eher vage: Die Rede ist vom "Tessin als grüner Park" vom "Tessin als Aquapark" und Ort der "architektonischen Events".

swissinfo und Gabriella Broggi (AP)

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