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Starker Franken Schweizer Privatbanken kämpfen ums Überleben

Die Entscheide der Nationalbank machen den Privatbanken das Leben schwieriger.

(Keystone)

Die plötzliche und massive Aufwertung des Schweizer Frankens hat den Druck auf die Privatbanken verschärft. Stellenabbau und Insolvenzen sind zu einem Thema geworden.

Der Entscheid der Nationalbank vom 15. Januar, den Euro-Mindestkurs aufzugeben, hatte eine schlagartige und massive Aufwertung des Schweizer Frankens zur Folge.

Analysten und Banker fürchten, dass die dramatische Kehrtwende der Notenbank äusserst negative Auswirkungen auf die Schweizer Privatbanken haben wird, denn diese haben ein hohes Kostenaufkommen in Schweizer Franken und machen den Grossteil ihrer Umsätze in Fremdwährungen.

Laut der Ratingagentur Moodys leiden die Bank Julius Baer, die Zürcher Kantonalbank, Credit Suisse und die UBS "am meisten" unter den negativen Währungseffekten.

Ein Sprecher von Julius Baer, der grössten schweizerischen Privatbank, bestätigte gegenüber Financial Times, das sein Personalabbau zu den zu prüfenden Kostensenkungsmassnahmen gehören.

Thomas de Saint-Seine, CEO der Genfer Firma RAM Active Investments sagte, seine Firma werde die Anstellung von neuem Personal beschränken und versuchen, die Kosten auch in anderen Bereichen zu senken, um die Folgen der Währungseffekte zu mildern.

Saint-Seine geht davon aus, dass der Nettoertrag um 15 bis 20% fällt, falls der Wechselkurs auf dem derzeitigen Niveau bleibt. "Das wird das Überleben sehr schwierig machen", sagte Christian Hintermann von der Zürcher Niederlassung der KPMG. "Die grossen Privatbanken werden damit umgehen können, die kleinen jedoch sind in Gefahr."

Die am stärksten betroffenen Banken werden laut Hintermann 10-15% ihrer Gebühreneinnahmen verlieren. Das wird den Druck auf den Schweizer Bankensektor verstärken, der bereits die strengeren Regeln zur Steuertransparenz und den Steuerstreit mit den USA verkraften muss.

"Der Anstieg des Frankens war ein Schlag für alle Unternehmen, deren Kosten überwiegend in Schweizer Franken anfallen", sagte Burkhard Varnholt, Leiter des Bereichs Investment bei Julius Baer. "Investoren hassen Volatilität und Unsicherheit. Und das ist genau, was passiert ist. Sowas ist eine Herausforderung für jede Privatbank auf der ganzen Welt."

Der Entscheid der Nationalbank, auf Guthaben Negativzinsen einzuführen, wird zusätzlich die Rentabilität jener Banken beeinträchtigen, die vor allem auf dem Heimmarkt aktiv sind. Davon betroffen sind laut Moody’s vor allem die St. Galler Kantonalbank, die Berner Kantonalbank und die Valiant Bank.

Die Berner Kantonalbank geht von tieferen Nettozinsmargen aus, lehnte es jedoch ab, die Auswirkungen der Negativzinsen auf die Rentabilität zu kommentieren. Ein Sprecher der St. Galler Kantonalbank sagte: "Der Entscheid der Nationalbank hat uns überrascht. Wir sind derzeit daran, die Auswirkungen zu analysieren."

Einige grosse Privatbanken versicherten den Investoren und Aktionären, dass sie die Belastungen verkraften könnten.

Martin Moeller, Anlagechef der Genfer Privatbank UBP sagte: "Das Private Banking hatte bereits vor ein paar Jahren Schwierigkeiten. Ich glaube nicht, dass es nun zu Insolvenzen kommt, aber einige Banken werden ihre Möglichkeiten überdenken müssen."

Die Privatbank Notenstein fügte hinzu, dass 70% ihrer Kundschaft in der Schweiz wohne und dass diese keine Verluste erlitten hätten. EFG International erwartet keinen grossen negativen Einfluss auf ihre Gewinne.

Ray Soudah, der Gründer vom Millenium Associates, einer Firma für strategische Beratung, gab sich weniger optimistisch. "Die ersten Reaktionen werden Kostensenkungen, Personalreduktionen und Übernahmen innerhalb der Schweiz sein. Potentielle ausländische Käufer werden zögern."

Copyright: The Financial Times Limited 2015


(Übersetzt aus dem Englischen: Andreas Keiser), Financial Times

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