Swissair: Blockierte Maschinen und reduzierter Betrieb

Swissair-Maschine auf dem Londoner Flughafen Heathrow. Keystone

Im Flughafen London-Heathrow sind am Dienstagmorgen zwei Maschinen der Swissair festgehalten worden. Swissair-Sprecher Patrick Gendrin bestätigte auf Anfrage, dass die Behörden die Maschinen versiegelt hätten. Diverse Flüge nach Europa wurden annuliert.

Dieser Inhalt wurde am 02. Oktober 2001 - 12:39 publiziert

Nur wenige Stunden nach der Bekanntgabe der Radikalkur bei der Swissair wurden auf dem Londoner Flughafen Heathrow zwei Maschinen der Schweizer Fluggesellschaft blockiert.

Die Behörden wollen die beiden Flugzeuge nicht starten lassen, bevor die Swissair Group zahle. Zur Art der ausstehenden Zahlungen wollte Swissair-Sprecher Patrick Gendrin vorerst keine näheren Angaben machen. Aus anderen Swissair-Kreisen verlautete, dass es sich um Landetaxen handle, die nicht bezahlt worden seien.

Die Swissair Group soll dem Londoner Flughafen insgesamt 300'000 Pfund (umgerechnet rund 720'000 Franken) Landetaxen schulden. Laut Gendrin waren von der Blockierung eine Maschine des Typs A-330 aus Zürich-Kloten und eine A-321 aus Genf betroffen.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Swissair kein Flugbenzin mehr erhält. Dies wurde den Passagierren im Flughafen Zürich-Kloten per Lautsprecher-Durchsage mitgeteilt. Davon seien alle europäischen Flüge betroffen.

Swissair-Flüge annuliert

Die Swissair Group hat wegen der fälligen und nicht geleisteten Zahlung von 200 Mio. Franken an die Sabena seit Montagabend vorläufig ihre Flüge nach Belgien gestrichen.

Von den Annullationen betroffen waren insgesamt 643 Passagiere. Ein Teil von ihnen werde auf Sabena-Maschinen umsteigen können. Die Sabena, die normalerweise nur Genf anfliegt, werde Dienstag ausnahmsweise auch drei Flüge nach Zürich-Kloten absolvieren, sagte der Swissair-Sprecher.

Der einzige Crossair-Flug zwischen Zürich-Kloten und Brüssel vom Dienstagnachmittag ist laut Swissair-Sprecher Donzel von der Massnahme nicht tangiert und sollte flugplanmässig verkehren.

Angst vor Beschlagnahmung

Mit der Annulierung der Belgien-Flüge wolle die Swissair Group verhindern, dass wegen der ausbleibenden Zahlung von 200 Mio. Franken eine Swissair-Maschine in Brüssel blockiert werden könnte. Die belgische Regierung hatte am Montagabend die Möglichkeit von rechtlichen Schritten gegen die Swissair angedeutet.

Im Flughafen Zürich-Kloten sind am Dienstag noch weitere Swissair-Flüge annuliert worden. Betroffen war eine Maschine nach Salzburg sowie Flüge nach Tripoli und Genf. Zahlreiche weitere Flüge wurden verschoben. Am Nachmittag will die Swissair ihre Passagiere weiter informieren.

Sabena-Piloten setzen Streik aus

Die Piloten der angeschlagenen belgischen Fluggesellschaft Sabena haben nach dem Zusammenbruch des Grossaktionärs Swissair ihren Streik am Dienstag für 24 Stunden ausgesetzt. "Alle Flüge sind gesichert", sagte ein Unternehmens-Sprecher am Morgen, nachdem die Cockpit-Crews vier Tage lang im Ausstand waren.

Die belgische Traditionslinie kämpft im Schatten des Swissair-Debakels weiterhin ums Überleben. Am Dienstagmorgen wartete das Unternehmen noch auf 200 Mio. Franken, die die Swissair ihrer Tochtergesellschaft überweisen wollte. Nach dem Kollaps des Konzerns, der mit 49,5% an der Sabena beteiligt ist, ist diese Überweisung jedoch fraglich.

Rücktritt Müllers gefordert

Gleichzeitig stimmte die Sabena-Belegschaft über einen Sanierungsplan des deutschen Vorstands-Vorsitzenden Christoph Müller ab. Dieser erwartet Zustimmung für seine Pläne, die von den Piloten abgelehnt werden. Die Piloten verlangen inzwischen Müllers Rücktritt.

Nach dem Sanierungsplan sollen gut 1'400 der insgesamt 12'000 Arbeitsplätze bei dem Unternehmen abgebaut werden. Bei der Sabena sind etwa 1'000 Piloten angestellt.

swissinfo und Agenturen

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