Swissair: Bund soll helfen

Die Terroranschläge in den USA verschärfen die finanziellen Probleme der Swissair massiv. Keystone

Die in einer Finanzkrise steckende Swissair Group hat nach den Terror-Anschlägen in den USA in der vergangenen Woche Ertrags-Einbussen von rund 65 Mio. Franken erlitten. Zudem wird mit einem Passagier-Rückgang gerechnet. Gewerkschaften fordern vom Bund Finanzhilfe.

Dieser Inhalt wurde am 20. September 2001 - 20:45 publiziert

Die Terroranschläge am 11. September haben beträchtliche Auswirkungen auf das kommerzielle Geschäft der Swissair und auf den im August vorgestellten Restrukturierungs-Plan, wie die Luftverkehrs-Gesellschaft mitteilte. So musste die Swissair letzte Woche 54 Hin- und Rückflüge Nordatlantikroute und neun weitere in den mittleren Osten streichen.

Nicht bezifferbarer Schaden

Derzeit geht die Swissair Group davon aus, dass die Folgen der Anschläge die ganze Gruppe alleine in der vergangenen Woche 65 Mio. Franken gekostet haben.

Zudem wird mit einem allgemeinen Rückgang der Passagierzahlen gerechnet. Die daraus entstehenden finanziellen Einbussen könnten noch nicht beziffert werden, sagte Swissair-Kommunikationschef Rainer Meier.

Gewerkschafter fordern Finanzspritze des Bundes

Arbeitnehmerverbände forderten am Donnerstag eine Finanzhilfe des Bundes für die Swissair. Bei der Vereinigung des Cockpit-Personals der Swissair (Aeropers) und beim Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) wurde darauf hingewiesen, dass auch die USA ihren Fluggesellschaften massive finanzielle Hilfe zugesichert hätten. Auch die EU werde nicht um einen derartigen Entscheid herumkommen.

"Im Gegensatz zu dem, was Bundesrat Kaspar Villiger sagt, wäre es deshalb wettbewerbsverzerrend, wenn die Schweiz auf ihrer wirtschaftsliberalen Grundhaltung beharrt und der Swissair keine Finanzhilfe gewährt", sagte Daniel Vischer, Präsident der VPOD-Sektion Luftverkehr. Gleichzeitig müssten die Banken einen Schulden-Verzicht zusichern.

Auch Analysten postulieren, dass der Bund die Swissair mit einer Finanzspritze unterstützen soll. "Ich glaube, die Regierung hat gar keine andere Option, als die Gesellschaft zu retten", sagte Beat Stuber von der in der Vermögens-Verwaltung tätigen Johnson und Stuber.

Der Bundesrat lehnt staatliche Beihilfen an die Swissair zwar grundsätzlich ab, schliesst aber unter gewissen Voraussetzungen eine Neubeurteilung nicht aus.

Wie der Ständerat wird auch der Nationalrat über die Lage der Swissair diskutieren. Sein Büro hat am Donnerstag eine Interpellation von Susanne Leutenegger Oberholzer (SP/BL) dringlich erklärt und dafür zwei Stunden reserviert. Die Debatte findet in beiden Räten in der dritten Woche der Herbstsession statt.

Swissair-Aktien im Sinkflug

Die Investmentbank Lehman Brothers änderte ihre Empfehlungen zu den europäischen Airlines und stufte die Swissair-Aktien von "kaufen" auf "verkaufen" herunter.

An der Börse geriet die Swissair-Aktie in neue Turbulenzen. Der Kurs brach um bis zu 15% ein und lag bei Börsenschluss mit 45 Franken 9,7% unter dem Vortageswert.

Weltweiter Einbruch in der zivilen Luftfahrt

Der weltweite Einbruch des Luftverkehrs-Geschäfts traf auch andere Gesellschaften: Die deutsche Lufthansa legt nun die Bestellung von bis zu 15 Airbus A380 und von vier Boeing 747-400 auf Eis. Dies entschied der Aufsichtsrat am Mittwochabend.

Die britische Fluggesellschaft British Airways streicht 7'000 Stellen und reduziert ihr Angebot um 10%. Die US-Fluggesellschaften American Airlines und United Airlines haben Massen-Entlassungen von je 20'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angekündigt.

US-Präsident George W. Bush will den US-Fluggesellschaften bei der Bewältigung ihrer Probleme nach den Terroranschlägen mit einer Finanzspritze von 5 Mrd. Dollar helfen.

EU-Verkehrs-Kommissarin Loyloa de Palacio dämpfte die Erwartungen an ähnliche Hilfen für europäische Linien. Sie sagte gegenüber der "Frankfurter Rundschau", dass die Folgen der Anschläge für die Amerikaner ungleich gravierender seien als für die Europäer: Die US-Gesellschaften hätten vier Tage lang überhaupt nicht fliegen konnten. Die europäischen Airlines hätten demgegenüber lediglich ihr US-Geschäft unterbrechen müssen.

swissinfo und Agenturen

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen