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Swissair: UBS kontert Mario Cortis Vorwürfe

Die Chemie stimmte nicht: UBS-Chef Marcel Ospel (links) und Swissair-Boss Mario Corti.

(Keystone)

Die Schweizer Grossbank weist die Anschuldigungen von Mario Corti in einem 19-seitigen Dossier zurück, das sie ausserhalb des Prozesses publiziert hat.

Die Bank wirft Corti insbesondere vor, mit der Restrukturierung der Airline "mehrere Monate" im Verzug gewesen zu sein.

Im Swissair-Prozess hatte der Ex-Chef Mario Corti am Dienstag der Bank UBS praktisch die alleinige Verantwortung für das Grounding vom Herbst 2001 zugeschoben. Am Donnerstag konterte die Bank die Vorwürfe, mit einem Dossier, das einigen Journalisten zugestellt wurde.

Zentraler Vorwurf an die Adresse Cortis: Er habe damals die dringend notwendige Sanierung des Flugkonzerns während mehrerer Monate versäumt.

Diese Versäumnisse hätten auch dazu geführt, dass der Swissair am 2. Oktober 2001 "schlicht und einfach das Geld ausgegangen sei", heisst es im UBS-Papier. "Hätte man seitens der SAirGroup den Willen und Mut gehabt, eine richtige und konsequente Sanierung durchzuführen, hätte man mit grösster Wahrscheinlichkeit wesentliche Teile der Swissair retten können."

Chemie hat nicht gestimmt

Die UBS-Unterlagen dokumentieren auch das Zerwürfnis zwischen Corti, der die Führung der schwer angeschlagenen SAirGroup am 15. März 2001 übernommen hatte, und der UBS-Spitze. UBS-Chef Marcel Ospel hatte Corti bei dessen Amtsantritt Unterstützung zugesagt, in der Folge die Beteiligung an einem Milliardenkredit aber abgelehnt.

Zu einem konstruktiven Dialog zwischen der UBS und der SAirGroup sei es nie gekommen, hält das UBS-Dossier weiter fest. Ende März 2001 habe die UBS Corti eine Dokumentation übergeben, in welcher sie schätzte, dass die Schulden der SAirGroup um bis zu 3 Mrd. Franken höher waren als der Wert des Unternehmens. Corti habe dies aber zurückgewiesen.

Cash Pool

Wie ein UBS-Sprecher bereits am Dienstag erklärt hatte, weist die Bank auch den Vorwurf zurück, mit der Kündigung des Cash Pools im Herbst 2001 die Liquidität des Konzerns verschlechtert zu haben. Der Cash Pool, in dem die Guthaben der Konzerngesellschaften zusammengefasst waren, hatte laut dem Sprecher keinen Einfluss auf die Liquidität der Gruppe gehabt.

Corti hatte die Kündigung dieses Cash Pools am Dienstag vor dem Bezirksgericht Bülach als "Strangulierungsmassnahme" bezeichnet. Diese habe dazu geführt, dass sich der Bedarf der Gruppe an liquiden Mitteln um 250 Mio. Franken erhöht habe.

Phoenix-Konzept

Die UBS lehnt auch eine Urheberschaft am "Phoenix"-Konzept zur Weiterführung einer nationalen Fluggesellschaft auf Basis der Crossair ab: Man habe erstmals an einer Krisensitzung am 29. September 2001 überhaupt von dem Konzept gehört, das dann schlussendlich zur heutigen Fluggesellschaft Swiss geführt hatte.

Corti hatte den "Phoenix"-Plan als hinter seinem Rücken geschmiedeten "Insider-Deal" bezeichnet. Er gab sich in der Gerichtsverhandlung überzeugt, dass die Swissair mit seinem Rettungsplan, der unter anderem einen Überbrückungskredit des Bundes über 1 Mrd. Franken bedingt hätte, überlebt hätte.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Der Prozess gegen ehemalige Swissair-Verantwortliche begann am 16. Januar vor dem Bezirksgericht Bülach und dauert bis am 9. März

Im Swissair-Prozess haben am Donnerstag auch die ehemalige Chef-Juristin der SAirGroup und ein externer Berater ihre Unschuld beteuert. Beiden wird vorgeworfen, Gläubiger bevorzugt behandelt zu haben.

Am Freitag wird der frühere Patron der Credit Suisse, Lukas Mühlemann, vor Gericht erwartet.

Die Einvernahme der 19 Angeschuldigten soll bis am 5. Februar dauern.

Ab 15. Februar folgen die Anklage der Staatsanwaltschaft und die Plädoyers der Verteidigung.

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PROJEKT "PHOENIX"

Kurz vor dem "Grounding" der Swissair wurde am Wochenende vom 29. und 30. September 2001 dem Verwaltungsrat das Projekt "Phoenix" unterbreitet.

Dieser unter Federführung der Banken entstandene Plan sah vor, dass die Crossair aus der SAirGroup herausgelöst wird und Teile des Swissair-Fluggeschäfts übernimmt.

UBS und Credit Suisse sollten ihr SAir-Mehrheitsbeteiligung von 70% der Crossair verkaufen.

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