Swissair am Abgrund

Blick nach unten: Swissair-Konzern-Chef Mario Corti als Hiobsbotschafter in der Arena. Keystone

Schicksalstage für die Swissair Group: Neben dem Schuldenberg von über 15 Mrd. Franken bedrohen nun auch akute Liquiditätsprobleme den Fortbestand des Flugkonzerns. Bei der Sabena ist die Lage ebenfalls prekär.

Dieser Inhalt wurde am 29. September 2001 - 20:02 publiziert

Die Swissair manage die Liquidität zurzeit von Tag zu Tag, sagte Konzernchef Mario Corti am Freitagabend in der Sendung "Arena" von Schweizer Fernsehen DRS. Er gab daher keine Garantie dafür ab, dass die am 25. Oktober fälligen Löhne gezahlt würden.

Bisher sei die Swissair aber sämtlichen Verpflichtungen nachgekommen und sei bestrebt, dies auch weiterhin zu tun, sagte Corti. Es blieb offen, ob es bereits zu Verzögerungen bei fälligen Zahlungen gekommen ist.

Kein Zugriff auf Milliarden-Kredit

Corti bestätigte in der "Arena", dass die Swissair auf den dringend benötigten Überbrückungs-Kredit von CSFB, Citibank und Deutsche Bank in der Höhe von 1 Mrd. Franken im Moment nicht zurückgreifen könne. Die Swissair erfülle nicht alle erforderlichen Bedingungen.

Am Samstag kamen die Verwaltungsräte der Swissair Group und der Crossair zu Krisensitzungen zusammen. Allfällige Entscheide wurden nicht bekannt gegeben, da es "noch keine kommunizierbaren Zwischenergebnisse" gebe, sagte Konzernsprecher Rainer Meier am Abend.

Weitere Belastungsprobe am Montag

Meier liess auch offen, ob die Swissair am Montag die fällige Teilzahlung von 200 Mio. Franken an die Sabena zahle. Die kritische Finanzlage der belgischen Fluglinie wurde durch die Piloten weiter verschärft, die ihren wilden Streik am Wochenende fortgesetzt haben. Hintergrund der Aktion ist die seit Wochen dauernde Auseinandersetzung über die Sanierung der halbstaatlichen Linie, die zu 49,5% im Besitz der Swissair Group ist.

Nach Angaben der Sabena-Leitung entstehen dem Unternehmen pro Streiktag weitere Verluste in Höhe von bis zu 300 Mio. belgischen Franc (rund 11 Mio. Franken). Luc Coene, Kabinettschef des belgischen Premierministers, sagte in einem Zeitungsinterview, das Verhalten der Piloten könne der Swissair "ein exzellentes Argument geben, das versprochene Kapital nicht zu zahlen".

Corti erklärte in der "Arena", die noch im August verkündeten Pläne, aus eigener Kraft - ohne Staatshilfe und wenn möglich ohne Kapitalerhöhung - aus dem Tief zu kommen, seien "empfindlich gestört". Dies sei eine Folge der Anschläge in den USA.

Bremi-Gruppe ohne Zusagen

Kurz vor der Sendung war bekannt geworden, dass die von Alt-Nationalrat Ulrich Bremi geleitete Arbeitsgruppe komplett ist. Sie soll Vorschläge zur langfristigen finanziellen Rettung der Swissair ausarbeiten. Der Gruppe gehören 21 Personen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung an, die am Freitag zu einer ersten Sitzung zusammenkamen.

In Interviews mit der Sonntagspresse äusserte sich Bremi skeptisch zu den Überlebenschancen der Fluggesellschaft. Man müsse davon ausgehen, dass der Geldbedarf in die Milliarden gehe. Finanzielle Zusagen gebe es noch nicht. Unter Umständen gebe es für die Swissair "keine Lösung".

Finanzminister Kaspar Villiger sagte in der "Samstags-Rundschau" von Schweizer Radio DRS, dass der Bund eine Rettung der Swissair als wichtig für die Schweiz erachte. Zur Sanierung würde der Bund im Rahmen seiner bisherigen Beteiligung von 3% oder "allenfalls auch mit einem etwas grösseren Beitrag" beitragen, sagte der Bundesrat.

Voraussetzung sei aber, dass Banken und die Wirtschaft mitmachten. Der Bundesbeitrag bewege sich wohl näher bei 100 Mio. Franken als bei 1 Mrd. Franken.

swissinfo und Agenturen

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