Swissair-Beschäftigte: Unmut wächst

Gewerkschafter Vischer gibt den Investoren noch zwei Wochen Zeit, auf die Forderungen der Gewerkschaften einzugehen. Keystone

Die Swissair-Beschäftigten fordern ultimativ eine Finanzierung der Lohn- und Sozialansprüche von 200 Mio. Franken.

Dieser Inhalt wurde am 19. November 2001 - 22:47 publiziert

Bei den Beschäftigten der bankrotten Swissair reisst langsam der Geduldsfaden. Viele möchten lieber schon heute als morgen ihrem Unmut durch Streik oder andere Kampf-Massnahmen Ausdruck verleihen, wie an einer Versammlung des Bodenpersonals in Zürich vom Montag klar wurde.

Die Gewerkschaften dagegen mahnen noch zur Zurückhaltung. Sie erwarten aber bis Ende November einen Plan, wie die Sozialkosten gedeckt werden sollen.

Der Rückhalt in der Bevölkerung dürfe nicht zerstört werden, sagte Daniel Vischer, Präsident VPOD Luftverkehr. Für die vom Niedergang der Airline betroffenen Betriebe müsse für den Erhalt von Arbeitsplätzen eine möglichst gute Ausgangslage geschaffen werden.

In zwei Wochen Geduld am Ende

So übten sich die Swissair-Beschäftigten vorerst weiter in Geduld. Als letzte Chance werde eine neue Verhandlungs-Delegation gebildet. Diese soll direkt in Kontakt treten mit dem Bund, dem Steuerungsausschuss und mit Pieter Bouw, dem nominierten Crossair-Verwaltungsrats-Präsidenten.

Im Fall eines abermaligen Nein der Investoren zu den Forderungen soll eine nächste Personalversammlung angesetzt werden. In vierzehn Tagen sei dann die Geduld zu Ende, sagte Vischer weiter.

Dann sei es Zeit über eigentliche Kampf-Massnahmen zu entscheiden. Vorderhand regte Vischer jedoch Aktionen an, die zwar der Wichtigkeit des Themas Ausdruck verleihen, den Unternehmen jedoch nicht schaden.

Keine Lohnreduktionen

Die Gewerkschaften VPOD, Kaufmännischer Verband (SKV) und die Gewerkschaft PUSH wollen neben der Finanzierung der Sozialkosten erreichen, dass jene Angestellten, die von der neuen Crossair weiterbeschäftigt werden, keine Lohnreduktionen hinnehmen müssen und dass die Gesamt-Arbeitsverträge übernommen werden.

Der angebotene Lohn liege bis zu 30% unter den bestehenden Löhnen, hiess es an der Versammlung. Beim Bodenpersonal arbeiten rund 70% der Leute zu Löhnen zwischen 3'000 und 3'500 Franken.

Hier sei nicht die Rede von Piloten, sagte Vischer. Wird der Artikel 333 des Obligationenrechts (OR) nicht eingehalten, wollen die Gewerkschaften Klage gegen die Crossair einreichen, wie Vischer sagte.

Die Gewerkschaften verlangten zudem, dass ein Vertreter der Boden-Personalverbände im neuen Verwaltungsrat der neuen Schweizer Airline Einsitz nimmt.

Beim westschweizer VPOD reist der Geduldsfaden

Auch in Genf fand eine Betriebsversammlung des Swissairpersonals statt. Die Westschweizer Gewerkschaftsvertreter haben am Montagabend einen halbtägigen Streik vorgeschlagen. "Wir können es uns nicht erlauben, Zeit zu verplempern", sagte der Westschweizer VPOD-Sekretär Rémy Pagani.

Die Versammlung entschied sich daraufhin für den Streik, der bereits am Dienstag stattfinden soll. Das Swissair-Personal will auf dem Flughafen Genf-Cointrin während vier Stunden die Arbeit niederlegen. Bestreikt werden soll allerdings nur die Crossair.

Banken-Vollmacht an Peter Forstmoser

Die Grossbanken UBS und Credit Suisse Group (CSG) gaben derweil am Montag bekannt, dass sie ihr Stimmrecht an der ausserordentlichen Crossair-Generalversammlung dem Rechtsprofessor Peter Forstmoser übertragen. Sie erteilen Forstmoser, der auch Mitglied des Steuerungs-Ausschusses und Swiss-Re-VR-Präsident ist, eine Vollmacht ohne Weisungen.

Die beiden Grossbanken haben die Investoren und den von Rainer E. Gut präsidierten Steuerungs-Ausschuss über ihr Vorgehen zur Ausübung ihrer Stimmrechte informiert, wie der Steuerungs-Ausschuss in Bern bekannt gab.

Forstmoser habe erklärt, er werde gemäss dem endgültigen Vorschlag des Steuerungs-Ausschusses stimmen, erklärte ein Sprecher des Eidgenössischen Finazdepartements (EFD) in Bern. Forstmoser habe zudem darauf verwiesen, dass der Vorschlag zur Zusammensetzung des neuen Verwaltungsrates noch nicht definitiv stehe, noch sei ein "Fein-Tuning" im Gange.

Nach Angaben von Forstmoser ermöglichten die Banken mit ihrem Vorgehen, dass ihre Stimmen im Sinne der neuen Kapitalgeber eingesetzt werden, hiess es beim Finanzdepartement weiter.

Keine neue Allianz

Crossair-Chef André Dosé hält den Aufbau einer eigenen Allianz für die neue Schweizer Fluggesellschaft in naher Zukunft für nicht machbar. Es sei unrealistisch, eine neue Allianz zu gründen und sie schnell umzusetzen, sagte Dosé in einem Interview mit dem «Blick».

Die Bildung einer eigenen Allianz sei sehr schwierig und genau die Strategie, die bei der Swissair nicht funktioniert habe. Der designierte Crossair-Verwaltungsrats-Präsident, Pieter Bouw, hatte hingegen in der «SonntagsZeitung» die Frage einer möglichen Allianz aufgeworfen.

swissinfo und Agenturen

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