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Swisscom beteiligt sich nicht an Telekom Austria

Swisscom: Auch in Wien Fusionspech.

(Keystone)

Swisscom und die österreichische Staatsholding ÖIAG, welche die Telekom Austria kontrolliert, haben einen Schlussstrich unter die Fusionsbestrebungen gesetzt.

Für die Swisscom ist dies ein Rückschlag, wollte sie sich doch mit 42,2% am grössten österreichischen Operator beteiligen.

Das Anbändeln zwischen der Swisscom und der Telekom Austria (TA) ist wohl endgültig vorbei, die Swisscom entsprechend enttäuscht: Ausser Spesen nix gewesen.

Vor einer Woche schon musste Swisscom einen im Vergleich zum Vor-Halbjahr um 20% verringerten Reingewinn ausweisen. Das schlechte Resultat ging ebenfalls auf ein Ausland-Abenteuer zurück (Debitel), das die Buchhaltung des "Blauen Riesen" strapazierte.

Letztlich ein politisch bedingtes "Njet"

Österreich, Indien, Malaysia, Deutschland, Tschechien etc.: Die Flopliste ist lang. Swisscom steht seit langem unter dem Zwang, ihr Wachstumspotenzial im Ausland zu suchen (Wachstum durch Akquisitionen). Denn im Inland ist in der kleinen Schweiz der Markt bald ausgeschöpft.

Swisscom-Konzernchef Jens Alder gab nach dem Scheitern der Verhandlungen in Wien zu: "Ich verliere nicht gern. Da arbeitest du zwei Jahre und dann kommt nichts dabei raus. Ich bin enttäuscht".

Alder glaubt, dass das Scheitern des Verkaufs letztlich eine "politische Entscheidung" in Österreich gewesen ist. Auch wenn eventuell "bei den sehr filigranen politischen Entscheidungsprozess" in Österreich ein Verhandlungsfehler der Swisscom möglich gewesen sei.

"Auf absehbare Zeit" werde die Swisscom keine neuen Verhandlungen über einen Kauf der Telekom aufnehmen, erklärte Alder. Das sei das Ende der Swisscom-TA- Saga.

Die österreichische Staatsholding ÖIAG hält 47,2% der grössten Telekommunikations-Gruppe Österreichs – der Telekom Austria Gruppe (TA). Über die Hälfte der Aktien sind also in nichtstaatlichem Streubesitz. Demgegenüber hält in der Schweiz der Bund 62,7% der Swisscom. Unter 50% darf er in der Schweiz ohne Gesetzesänderung nicht gehen.

Keine Akquisitionsobjekte in Sicht

TA hält als grösste Telekom-Gruppe Österreichs im Ausland in Liechtenstein, Kroatien, Slowenien und Tschechien Beteiligungen, die Swisscom nirgends. Die TA-Gruppe wies 2002 einen Umsatz von 3,9 Mrd. Euro (rund 5,9 Mrd. Franken) aus, Swisscom rund 14,8 Mrd. Franken (noch mit Debitel).

Alternativen habe Swisscom derzeit nicht im Blick, sagt Alder. Auf absehbare Zeit sehe er keine substanziellen Akquisitions-Objekte, sagte er weiter. "Daher fokussieren wir uns weiter auf organisches Wachstum in der Schweiz". Geplant ist nun die Wiederaufnahme des Aktienrückkauf-Programmes.

Belegschaft jubelt.....

Bei Politikern und Gewerkschaften in Österreich herrschte derweil Erleichterung über die gescheiterten Verhandlungen. Auf TA-Konzernebene dominierte dagegen das Bedauern.

Der geplante Deal mit Swisscom hatte zuletzt zu heftigen politischen Protesten geführt. Der österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat den Abbruch der Verhandlungen sogar ausdrücklich begrüsst. Auch der Regierungsbeauftragte für den Kapitalmarkt, Richard Schenz, bezeichnete dies als "natürlich positiv".

Nun jubelt die Belegschaft der Telekom Austria und vergisst, dass der Abbruch Folgen auf ihre eigenen Beteiligungen im Ausland hat. "Die geplante Expansion der Mobilfunktochter Mobilkom Austria in Südosteuropa wird ohne das Kapital der Swisscom langsamer vorankommen", sagte dazu TA-Chef Heinz Sundt.

Der Abbruch der Gespräche zeige, dass "man es in diesem Land doch noch schafft, wenn man sich rechtzeitig rührt, den Finanzminister zum Umdenken zu bewegen", hiess es seitens des Betriebsrats.

ÖIAG-Verwaltungsratspräsident Alfred Heinzel meinte, für eine Lösung mit der Swisscom sei "der Zug abgefahren". Er, ÖIAG-Vorstandssprecher Peter Michaelis und Telekom-Austria Konzernchef Heinz Sundt bedauerten das Scheitern der Gespräche einhellig. "Ich bedauere ausserordentlich, dass wir nicht diese industrielle Lösung umsetzen konnten", sagte Michaelis.

...die Aktie taumelt

Weniger interessant ist TA für die Aktionäre geworden. An der Wiener Börse war die TA-Aktie nach dem Bekanntwerden des Platzens des Deals mit der Swisscom um zeitweise über 20% abgestürzt. Auch ein zwischenzeitliches Aussetzen des Handels half wenig. Die Aktie schloss am Donnerstag mit 11,40 Euro, um 19,5% unter dem Vortagesniveau.

Umgesetzt wurden 12,9 Mio. Aktien. Fusionskandidaten werden üblicherweise vor der Übernahme in grösseren Mengen und bereits zu höheren Preisen gehandelt.

"Da wollen jetzt natürlich alle raus, die auf eine Übernahme der Gesellschaft spekuliert hatten", meinte ein Händler. Der Kurs befände sich nun wieder auf einem Niveau wie vor dem Aufkommen der ersten Übernahmegerüchte. Die Bewertung sei auf dem aktuellen Niveau wieder "fair", sagte ein Teilnehmer.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Swisscom erhoffte sich eine Partizipation von 42% in Telekom Austria.
Sie offerierte 11% ihres Kapitals und 1,5 Mrd. Franken.
Der Bund hält 62,7% von Swisscom.
Die Staatsholding ÖIAG hält 47,2% von Telekom Austria.

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In Kürze

Invest-Leidensweg der Swisscom im Ausland:
1995 investiert die Swisscom (PTT) über 800 Mio. Franken in Tschechien (wo Telekom Austria jetzt ist). Swisscom verkauft die Beteiligung wieder für 600 Mio.

Die PTT investiert 250 Mio. in Indien und 390 Mio. in Malaysia. Der Rückzug kostet mehr als 500 Mio.

1998 kauft Swisscom 50% des österreichischen Operators UTA. Kostenpunkt: 400 Mio. Franken.

1999 investiert Swisscom Milliarden in den deutschen Operator Debitel. Im März 2004 stösst die Swisscom Debitel wieder ab. Verlust: Mehr als 2 Milliarden.

"Uni Source": Eine Allianz mit verschiedenen ausländischen Operatoren, die nicht zu Stande kam. Swisscom lässt rund 400 Mio. Franken liegen.

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