Synergien nutzen: Sondermüll-Entsorgung

Die Schweiz spielt in Sachen Entsorgung von Elekro-Müll eine Pionierrolle. Keystone

Die 160 Vertrags-Staaten der Basler Konvention wollen im Umweltschutz vermehrt Synergien nutzen. Die Konvention regelt den grenzüberschreitenden Transport von gefährlichen Abfällen.

Dieser Inhalt wurde am 23. Oktober 2004 - 17:51 publiziert

Die Schweiz möchte die privaten Unternehmen mehr in die Pflicht nehmen.

Beim internationalen Transport gefährlicher Abfälle strebt die Schweiz direkte Partnerschaften mit internationalen Industrieverbänden an. Dafür sprach sich die Schweizer Delegation an der siebten Vertragskonferenz der Basler Konvention in Genf aus, die am Freitag zu Ende ging.

Die rund 400 Teilnehmer der Konferenz beschlossen, die Zusammenarbeit mit anderen UNO-Umwelt-Konventionen mit Sitz in Genf zu verbessern. Dies erklärte Marco Buletti vom Schweizer Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) am Freitag.

Dabei geht es um die Rotterdamer Konvention, die den Handel mit gefährlichen Chemikalien regelt (Prinzip des "Prior Informed Consent") und um die Stockholm Konvention über persistente organische Schadstoffe (POPs).

Zudem sollen in Zukunft auch Synergien mit anderen UNO-Organisationen und der Industrie genutzt werden.

Firmen in die Pflicht nehmen

"Wir wollen die Firmen in Sachen verantwortungsvoller Entsorgung aller möglicher Geräte und Substanzen von Computern bis zu chemischen Abfällen in die Pflicht nehmen", hatte Beat Nobs, Chef der Abteilung Internationales beim Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) und Leiter der Schweizer Delegation, schon im Vorfeld der Genfer Konferenz erklärt.

"Wir möchten grössere Synergien zwischen multinationalen Konzernen, Umwelt- und UNO-Organisationen", so Nobs zu swissinfo.

Zum Schutz ärmerer Länder

Das Ziel der Basler Konvention von 1989 ist es, zu verhindern, dass die reichen Länder ihren Sondermüll in ärmere Nachbarländer absetzen. Die Konvention regelt den Handel mit gefährlichen Abfällen und strebt die sichere Entsorgung sowie die Minimierung von solchen Abfällen an.

Nach den Worten von Beat Nobs konnte seit dem Inkrafttreten der Konvention 1992 der so genannte "Gifthandel" weitgehend unter Kontrolle gebracht werden. Es müssten aber noch viele Fragen gelöst werden, so zum Beispiel das unkontrollierte Abwracken ausgedienter Hochseeschiffe an den Stränden von Indien, Bangladesch und China.

Schiff-Abwracken

"Es werden grosse Hochseeschiffe an Land gebracht und dort abgewrackt. Die Arbeiter wissen oft nicht, dass sie mit gefährlichem Material wie Asbest in Kontakt kommen", erklärt Nobs. Ziel sei die Entwicklung eines internationalen Regelungssystems, damit alle Hochseeschiffe künftig umweltgerecht entsorgt würden.

"Da müssen wir eng mit Hochseeschiff-Gesellschaften, anderen UNO-Organisationen wie der Internationalen Meeres-Organisation (IMO) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) kooperieren."

Diese Haltung wird von der Umweltorganisation Greenpeace unterstützt, die der Genfer Konferenz als Beobachterin beiwohnt. Die Frage der Schiff-Abwrackung sei prioritär, sagt Wangpo Tethong, Sprecher von Greenpeace Schweiz.

"Die chemische Industrie muss für ihr Handeln zur Rechenschaft gezogen werden. Wir hoffen, dass die Regierungen gesetzliche Regelungen erlassen, welche die Konzerne in die Pflicht nehmen", so Tethong zu swissinfo.

Auf Beschluss der Konferenz soll nun eine Arbeitsgruppe ein neues Instrument erarbeiten, um die Abwrackung solcher Hochseeschiffe umweltgerecht und für die Arbeiter möglichst ungefährlich zu machen.

Jedes Jahr werden nach BUWAL-Angaben etwa 700 Hochsee-Frachtschiffe abgewrackt. Oft geschieht dies an Stränden des indischen Subkontinents. Die Arbeiter und deren Familien sind dabei gefährlichen Substanzen wie Asbest ohne jeden Schutz ausgeliefert.

Weltweites Sorgenkind Elektro-Müll

Im kommenden Jahr sollen zudem in mehreren Ländern Projekte zur Rücknahme von ausgedienten Mobiltelefonen gestartet werden. Auf Initiative der Schweiz war schon vor zwei Jahren ein umfassendes Pilotprojekt gestartet worden, an dem alle weltweit führenden Hersteller von Mobiltelefonen mitmachen.

Ziel ist der korrekte Umgang mit ausgedienten Geräten, was zum Beispiel mit der Einführung von Sammelsystemen und umweltverträglichen Recyclingmethoden erreicht werden soll.

Nach den Worten des Schweizer Delegationsleiters Nobs werden Transport und Entsorgung von "E-Müll" sowohl für Industrie- wie auch für Entwicklungsländer immer mehr zum Problem. Weltweit würden sich Millionen Tonnen von veralteten elektronischen Geräten stapeln.

"Sondermüll ist für jedermann ein Problem", sagt Nobs. "Wir sind alle potenziell giftigen Chemikalien wie Arsen, Blei, Quecksilber, Nickel oder Zink ausgesetzt."

In China näherte sich 2003 die Anzahl von Fernsehgeräten, Waschmaschinen, Kühlschränken, Klimaanlagen und Computern der 900-Millionen-Grenze. Schätzungsweise rund 28 Millionen dieser Geräte sind veraltet.

Gemäss einer vom BUWAL in Auftrag gegebenen Studie werden in der Schweiz jährlich etwa 82'000 Tonnen elektrische und elektronische Abfälle generiert.

Recycling-Überwachung

Die Schweiz rühmt sich eines hoch entwickelten Recyclingsystems für ausgediente elektronische Geräte. Das "Swico"-System verlangt von den Herstellern, ihre ausgedienten Produkte zurückzunehmen.

Die Kunden bezahlen beim Kauf eines Gerätes eine Recycling-Gebühr. Wenn es veraltet ist kann das Gerät bei jedem Einzelhändler gratis abgegeben werden.

Aber Wangpo Tethong von Greenpeace gibt zu bedenken, dass es keinen "systematischen Überwachungs-Mechanismus" gebe. "Wir wissen nicht, ob Zwischenhändler die Ware kaufen und dann in armen Ländern entsorgen."

swissinfo

Fakten

25.-29.10.2004: 7. Vertragsparteien-Konferenz der Basler Konvention in Genf
1989: Annahme der Basler Konvention
1992: Inkrafttreten der Basler Konvention
Schweiz: Rund 82'000 Tonnen elektrische und elektronische Abfälle pro Jahr

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In Kürze

Die Basler Konvention regelt den Handel mit gefährlichen Abfällen und strebt die sichere Entsorgung sowie die Minimierung von solchen Abfällen an.

Das Übereinkommen ist eine der drei internationalen Konventionen über Chemikalien und Abfälle, deren Sekretariate in Genf angesiedelt sind.

In Genf befindet sich auch das Sekretariat der Rotterdam-Konvention über den Handel mit gefährlichen Chemikalien. Es wird gemeinsam mit Rom geführt.

Ebenfalls in Genf ist das interimistische Sekretariat der Stockholm-Konvention über persistente organische Schadstoffe. Die Schweiz bewirbt sich für die permanente Ansiedlung des Sekretariates in Genf.

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