Tessin: Wiederöffnung des Gotthards erhitzt die Gemüter

Im Gotthardtunnel wird zurzeit mit Hochdruck gearbeitet. Keystone Archive

Der Gotthardtunnel wird an Weihnachten auch für den Schwerverkehr geöffnet. Dieser bundesrätliche Entscheid hat im Tessin für Wut, Ratlosigkeit und Konsternation gesorgt.

Dieser Inhalt wurde am 11. Dezember 2001 - 20:03 publiziert

"Bis jetzt hat mir noch niemand erklärt, wohin ich mit den Lastwagen soll", sagte Marco Guscio, Chef der Tessiner Verkehrspolizei. Am Gotthard-Südportal werde durch das Einbahnsystem für Camions und die Wartezeiten ein "gigantisches Chaos" entstehen.

Sechs Polizisten stehen Guscio derzeit zur Regelung des Verkehrs auf der A2 zur Verfügung. Er verlangt nun vom Bund Geld, um dreissig private Sicherheitskräfte anheuern zu können. Diese sollen fürs Verkehrsmanagement eingesetzt werden und kosten 40 Franken pro Stunde und Person.

Eine dieser Hilfskräfte wird jeweils am Portal des Tunnels die Lkws stoppen und im Stundentakt durch den Gotthard lassen. "Um 22 Uhr ist dann Schluss und die Camions bleiben dort, wo sie sind", erklärt Guscio. "Ein Chaos ist also vorprogrammiert."

Lösung auf dem Monteforno-Gelände?

Abhilfe schaffen könnte ein Projekt von Ulrich Giezendanner. Der SVP-Nationalrat möchte auf dem Gelände des 1995 stillgelegten Stahlwerkes Monteforno in Bodio einen Stauraum mit Motel, Restaurant und Tankstellen bauen. Kosten würde das Projekt rund 20 Mio. Franken.

Für die Realisierung des Projekts müssen noch einige Hürden genommen werden. "Die umliegenden Gemeinden sind verschnupft und wollen keinen Rastplatz", erklärte Hans-Anton Meier. Der Präsident des ehemaligen Stahlwerkes, das der Von Roll AG gehört, ist für die Wiederverwendung des Geländes zuständig.

Laut Meier bringt das Projekt der unteren Leventina aber nur Vorteile: "Ein stillgelegtes Areal würde neu belebt. Bringt man dort noch eine Zollabfertigung sowie ein Logistik- und Technologiezentrum unter, könnten bis zu hundert neue Arbeitsplätze entstehen."

Grossräte drohen mit Blockaden

Die drohenden Lastwagenkolonnen auf der Gotthardroute waren am Dienstag auch im Tessiner Kantonsparlament ein heiss diskutiertes Thema. Es wurden dazu rund ein halbes Duzend Anfragen und Interpellationen eingereicht. So verlangen 13 Grossräte aus dem Mendrisiotto Klarheit über die zukünftigen Stauräume.

Sie wollen wissen, ob die Version von Bundespräsident Moritz Leuenberger stimme, wonach in Sigirino, Bodio und Piotta Stauräume geschaffen werden sollen. Oder ob - wie von Regierungsrat Marco Borradori gefordert - der Transitverkehr tatsächlich bereits an den Grenzübergängen in Chiasso und Basel gestoppt und dosiert würde.

In einer von SVP- und Lega-Grossräten unterzeichneten Interpellation wird die Tessiner Regierung zudem aufgefordert, sich dem Entscheid von Leuenberger zu widersetzen. In einem "offenen Brief an den Staatsrat" droht Grossrat Norman Gobbi (Lega) ferner mit Strassenblockaden.

SBB reduzieren ihr Angebot

Wegen der Wiederöffnung des Gotthards reduziert die Eisenbahn die Rollende Landstrasse zwischen Brunnen und Lugano-Vedeggio. Noch bis am 21. Dezember befördern täglich vier Züge in beiden Richtungen Lastwagen. Die SBB wollen laut ihrem Sprecher Ruedi Estermann nun die Bedürfnisse ihrer Kunden abklären.

swissinfo und Agenturen

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