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Tourismusindustrie gegen Budgetkürzungen

Die Schweiz wird für Touristen aus Asien zunehmend attraktiver.

(Keystone)

Über der Schweizer Tourismusindustrie ziehen sich dunkle Wolken zusammen, obwohl das Land als Tourismusziel momentan viel populärer ist als noch vor ein paar Jahren.

Die Regierung will das Budget für die nationale Tourismus Marketing-Agentur kürzen. Diese befindet sich bereits in einer Restrukturierungsphase und muss auch wegen des Klimawandels mit weniger Einnahmen rechnen.

Die Schweizer Landesregierung, der Bundesrat, hat das Parlament ersucht, das 186 Mio. Franken-Budget für die nächsten vier Jahre für Schweiz Tourismus zu genehmigen.

Vertreter der Tourismus-Industrie sprachen jedoch am Mittwoch von einem Abstrich für Schweiz Tourismus, wenn man die Inflation einrechne. Deshalb verlangen sie 195 Mio. Franken für die Periode von 2008 – 2011.

"Die Zunahme der Hotelbelegungs-Raten um 5,6% im Jahr 2006 und die starke Zunahme der Besucherzahlen in der gegenwärtigen Steuerperiode zeigen, dass Investment das Wachstum fördert", sagt Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus.

Die Tourismus-Industrie hat aber ihre Wachstums-Prognosen für dieses Jahr auf 1,1% heruntergeschraubt, da man eine schlechte Wintersaison befürchtet.

Wegen des ungewöhnlich warmen Wetters konnte viele der 230 Skigebiete des Landes ihre Pisten, wenn überhaupt, nur sporadisch öffnen. Und während die Hotels in den Erholungsgebieten nur von wenigen Annullierungen betroffen waren, mussten beim Absatz von Skipässen empfindliche Einbussen hingenommen werden.

Die Universität Bern stellte am letzten Montag eine Studie vor, die sich auf die Gebirgserholungsorte im Berner Oberland konzentriert. Sie prognostiziert eine Abnahme der Wintereinkünfte um bis zu 30%.

Fatale Konsequenzen

Die Berner Forscher erwarten, fatale Folgen für die Bergbahnen, erzielen diese doch 80-90% ihres Umsatzes in der kurzen Skisaison.

Der Autor des Berichts ist der Ansicht, der Verlust könnte teilweise wettgemacht werden, indem man mehr in Werbekampagnen zur Förderung der Sommersaison investiere.

"Viele Erholungsorte und Dörfer werden nicht mehr am Wintergeschäft teilhaben können", sagt Tourismus Schweiz-Direktor Schmid gegenüber swissinfo. Das gebe Sieger und Verlierer.

Es könnte zu einem "Konzentrationsprozess" kommen und viele Firmen in den Bankrott treiben.

Breite Basis

Anders als das Nachbarland Österreich, das stark von deutschen Touristen abhängig ist, kann die Schweiz eine breitere Besucher-Basis vorweisen.

Im letzten Jahr besuchten Briten (die höchsten Zahl seit 1970), Amerikaner, Russen, Inder und Chinesen in rekordverdächtigen Zahlen die Schweiz. Diese Nationalitäten neigen eher dazu, im Frühjahr, Sommer und Herbst zu reisen. Die Tourismusindustrie erhofft sich, damit die Winterverluste wett zu machen.

Franz Steinegger, Präsident des Schweizer Tourismus-Verbandes, ist jedoch der Ansicht, wenn das Parlament den Anträgen der Regierung folgen sollte, würde es schwierig, die Schweiz in den Wachstumsmärkten zu verkaufen.

"Wir haben zum Beispiel neue Märkte in Asien. Und wir sollten dort mehr präsent sein. Deshalb brauchen wir mehr Geld", sagt er gegenüber swissinfo.

Die Tourismus-Vertreter bedauerten auch, dass ein Plan hinausgeschoben wurde, Schweiz Tourismus mit zwei anderen staatlichen Promotions-Agenturen zu fusionieren. Dies hätte der Tourismusindustrie dringend benötigte staatliche Mittel verschafft.

swissinfo, Dale Bechtel
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)

In Kürze

Das jährliche Budget von Schweiz Tourismus beläuft sich auf 74,6 Mio. Franken – davon stammen 46 Mio. vom Bund.

Eine von der Universität St. Gallen durchgeführte Studie zu Schweiz Tourismus zeigt auf, dass jeder in die Schweizer Tourismusindustrie investierte Franken wichtige Einnahmen generiert.

Gemäss dieser Studie erzeugen die 46 Mio. Franken, die der Bund in Schweiz Tourismus investiert, einen direkten Umsatz von 2,26 Mrd. Franken. Von dieser Summe fliessen 318 Mio. Franken via Abgaben und Steuern zurück an Staat und Gemeinden.

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Zahlen 2006:

Im Vergleich zu 2005 wurden 5,8% mehr Übernachtungen gezählt (34'848'426)

Aus folgenden Ländern hat die Zahl der Touristen besonders stark zugenommen:
Grossbritannien (8,8%)
USA (11%)
Russland (18,7%)
Golfstaaten (15,6%)
Indien (14,2%)
China (19,5%)

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