Transitfahrten versteigern!

Alpenquerende Fahrten künftig nur noch für die Meistbietenden? Keystone

Der Verein Alpeninitiative schlägt vor, Alpentransit-Rechte für LKW künftig zu versteigern. Das Transport-Gewerbe meldet Widerstand an.

Dieser Inhalt wurde am 22. Februar 2002 - 16:21 publiziert

Die geforderte Reduktion auf 650'000 LKW-Fahrten pro Jahr könne mit den bisherigen Mitteln nicht erreicht werden, erklärte der Verein Alpeninitiative am Freitag.

Zwar habe sich die Zahl der LKW über Gotthard und San Bernardino im vergangenen Jahr in etwa auf dem Niveau des Vorjahres gehalten, sagte Alpen-Initiative-Geschäftsführer Alf Arnold. Die Stagnation sei aber primär eine Folge des Unfalls im Gotthardtunnel, der eine ausserordentliche Situation geschaffen habe. Vor dem Inferno sei das Verkehrsaufkommen um 4,6% gestiegen.

"Es müssen unbedingt Lösungen gefunden werden, die es unterbinden, dass holländische Kartoffeln in Italien geschält und dann zurück nach Holland gekarrt werden", sagte der grüne Genfer Nationalrat Patrice Mugny. Die Bevölkerung sei nicht mehr gewillt, die tägliche Lastwagenflut zu ertragen.

Alpentransit-Börse

Als Massnahme schlägt der Verein Alpeninitiative die Schaffung einer Alpentransit-Börse vor. Über diese soll eine zum Voraus fixierte Zahl von Alpentransit-Rechten versteigert werden.

"Die Alpentransit-Börse ist ein marktwirtschaftliches Instrument", sagte der Tessiner Alpeninitiative-Präsident und SP-Nationalrat Fabio Pedrina. Durch ein solches Verkehrs-Management liessen sich Staus vor den Dosierungsstellen weitgehend vermeiden. Der Vorschlag wurde von Pedrina in Form eines Postulats auch im Nationalrat deponiert.

ASTAG: Ja, aber...

Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband (ASTAG) erachte den vom Verein Alpen-Initiative eingebrachten Vorschlag als "durchaus interessant", erklärte ASTAG-Sprecher Beat Keiser auf Anfrage von swissinfo.

Man habe allerdings grosse rechtliche Bedenken: "Die Schweiz hat sich im Landverkehrs-Abkommen mit der EU zu fixen Tarifen für die Durchfahrt durch die Alpen verpflichtet. Auch garantiert die Schweiz im Abkommen die freie Wahl des Verkehrsmittels. Wie diese Bestimmungen mit der von der Alpen-Initiative vorgeschlagenen Börse vereinbar sind, ist mir schleierhaft", sagte Keiser.

Alpen-Initiative hofft auf Europa

Die Alpen-Initiative will sich wegen des Landverkehrs-Abkommens nicht entmutigen lassen - und hofft auf die Unterstützung aus der EU: etwa im Zusammenhang mit der Einführung der Leistungsabhängigen Schwerverkehrs-Abgabe (LSVA) in Deutschland, der Revision der Eurovignetten-Richtlinie in der EU oder dem zweiten Reformpaket der EU-Kommission zur Wiederbelebung der Eisenbahn.

Felix Münger und Agenturen

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