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UBS-Milliardenabschreiber: Aktionäre müssen bluten

Die Medien sehen Marcel Ospel nicht mehr fest im Sattel an der UBS-Spitze.

(Keystone)

Nach dem Abschreiber von 16 Mrd. Franken bemüht sich die Grossbank, das Vertrauen der Anleger zu stärken und den Kernbereich der Vermögensverwaltung zu schützen.

Den Preis für die Refinanzierung durch Investoren – eine "Panikreaktion" - zahlen teilweise die Aktionäre.

Die UBS hat sich an der US-Hypothekarkrise die Finger stärker verbrannt als angenommen: Nach einer Wertberichtigung von 4,2 Mrd. Franken im Oktober musste die Grossbank am Montag einen weiteren Abschreiber von 11,3 Mrd. Franken vornehmen.

Am Dienstag gab die Bank bekannt, dass sie die Verluste selber hätte auffangen können. Sie habe es aber eine 13-Mrd.-Refinanzierung vorgezogen: 11 Milliarden schoss die Singapore Investment Corporation ein, 2 weitere Milliarden steuerte ein ungenannter Investor aus dem Nahen Osten bei.

Dieser schnelle Verkauf vom 11%-UBS-Anteil an ausländische Investoren zu absoluten Vorzugsbedingungen wird nicht überall begrüsst. Ebenso wenig wie die Ausgabe neuer Aktien und die Auszahlung der Dividende in Form von Aktien statt Geld.

Von "Panikreaktion" profitieren Dritte

"Die neuen Investoren aus dem Fernen und Nahen Osten kommen zu sehr guten Bedingungen zum Handkuss, während die bisherigen Aktionäre die Rechnung begleichen müssen", sagt Professor Manuel Ammann von der Universität St. Gallen gegenüber swissinfo.

Mit der Ausgabe neuer Aktien splitte sich dieser Effekt noch weiter auf. "Das kommt einer Panikreaktion gleich", bilanziert der Direktor des Schweizerischen Instituts für Banken und Finanzen.

Mediales Ospel-"Bashing"

Die Medien stellten am Dienstag immer lauter die Frage nach der Verantwortung; UBS-Boss Marcel Ospel rückt dabei immer mehr ins Zentrum der Kritik.

Le Quotidien Jurassien kam direkt auf den Punkt: "Marcel Ospel muss gehen". Dies sei besser für die Glaubwürdigkeit der Bank, schrieb die jurassische Tageszeitung.

Die Basler Zeitung (BaZ) bezeichnete Ospel als verantwortlich für die "fatalen Folgen". Sie ist der Meinung, Ospel müsse nun das "Debakel ausbaden und für Ordnung sorgen".

Die Neue Luzerner Zeitung (NLZ) sah Ospels Position geschwächt. "Ob er sich halten kann, hängt davon ab, wie weit er bei Kunden und Investoren zur Imagehypothek mutiert."

Der Blick warnte vor der Gefahr, dass die Bank in ausländische Hände fällt, namentlich in jene von Singapur, einem der zwei Grossinvestoren. "Steht das 'S' von UBS bald nicht mehr für die Schweiz", sondern für "United Bank of Singapore?", fragte die Boulevardzeitung.

Auch der Tages-Anzeiger (TA) sah das Vertrauen massiv angeschlagen, auch mit Blick auf die neuen Grossinvestoren. Einer bleibe anonym und bei Singapur handle es sich um ein Staatswesen, "das westlichen Demokratiestandards nicht standzuhalten vermag".

Die UBS müsse auf der Hut bleiben, warnte die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ). Dies gelte insbesondere in Bezug auf das Vermögensverwaltungsgeschäft, in dem die UBS weltweit führend ist. "Ein Vertrauensverlust wohlhabender Privatkunden und institutioneller Adressen" könnte das Finanzinstitut "nachhaltig erschüttern.

Positive Reaktionen

Die Rekapitalisierung wurde am Montag gut aufgenommen, der Börsenkurs stieg um zwei Prozent. Das zeige, dass der UBS-Plan aufgehe, sagte Analyst Andreas Venditti von der Zürcher Kantonalbank.

"Es ist ein Zeichen des Vertrauens, dass die UBS so rasch so grosse Investoren finden konnte", so Venditti gegenüber swissinfo. Mit diesem drastischen Schritt versuche die Bank, das Vertrauen in die Vermögensverwaltung zu schützen.

Die UBS verwaltet weltweit Vermögen von über 3100 Mrd. Franken, was sie zur Nummer 1 in dem Bereich macht. Allein in diesem Jahr betrug der Zuwachs 155 Mrd. Franken.

Ende der Fahnenstange in Sicht?

Manuel Ammann wertet den Anstieg des Aktienkurses als Indiz, dass die Aktionäre Marcel Ospel eine Chance geben. "Seine Position ist zwar geschwächt", sagte der Finanzspezialist. An der nächsten Aktionärsversammlung könnte Ospel deshalb ein rauer Wind ins Gesicht blasen. Aber die Reaktion am Markt zeige, dass die Aktionäre der Meinung seien, dass das Schlimmste überstanden sei.

Es kann aber auch anders kommen. Denn die UBS hält weitere Subprime-Papiere im Wert von 29 Mrd. Franken. Das Ende ist also noch nicht ausgestanden. Auch nicht für Marcel Ospel.

swissinfo, Matthew Allen in Zürich
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

In Kürze

Die UBS ist eines der weltweit führenden Finanzinstitute.

In der Schweiz ist sie im Privat- und Firmenkundengeschäft die Nummer 1.

Die Schweizer Grossbank ist in 50 Ländern und an allen wichtigen Finanzplätzen der Welt mit Niederlassungen vertreten.

Weltweit beschäftigt die UBS über 80'000 Mitarbeitende.

Die UBS ist 1998 aus der Fusion von Bankgesellschaft und Bankverein entstanden.

Infobox Ende
(swissinfo.ch)


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