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UBS schreibt nochmals Milliarden ab

Die UBS muss für das ganze Jahr 2007 mit roten Zahlen rechnen.

(Keystone)

Die grösste Schweizer Grossbank UBS steckt tiefer im Strudel der amerikanischen Hypothekarkrise als noch vor kurzem befürchtet. Sie muss weitere 11 Milliarden Franken ans Bein streichen.

Inzwischen befürchtet die UBS für das ganze Geschäftsjahr 2007 rote Zahlen. Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel will dessen ungeachtet im Amt bleiben.

Mit neuen Hiobsbotschaften der UBS war seit Wochen gerechnet worden, weil sich die Kredit- und Immobilienkrise in den USA seit der Bekanntgabe der Zahlen für das dritte Quartal weiter verschärft hat.

Mit dem am Montag bekannt gegebenen nochmaligen Abschreiber von zehn Milliarden Dollar auf den Beständen der UBS im Geschäft mit verbrieften zweitklassigen Hypotheken liegen die Folgen am oberen Ende der Befürchtungen.

UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel sagte in einem Interview am Schweizer Radio zu den verbleibenden Risiken der Grossbank im Subprime-Geschäft: "Noch schlimmere Auswirkungen sind für mich nur sehr schwer vorstellbar."

Entgegen den Ende Oktober gemachten Aussagen, können die Verluste bei der Investmentbank nicht mehr durch das nach wie vor florierende Vermögensverwaltungs-Geschäft aufgefangen werden.

Für die Gesamtbank werde im vierten Quartal mit einem Verlust gerechnet, heisst es in der Mitteilung der Grossbank. Auch das den Aktionären zurechenbare Ergebnis für das ganze Jahr 2007 werde möglicherweise negativ ausfallen.

Finanzspritze aus Singapur

Die UBS gab gleichzeitig mehrere Schritte zur Stärkung der Eigenkapitalbasis bekannt. Die Government of Singapore Investment Corporation Pte Ltd. (GIC), ein Fonds des Stadtstaats Singapur, schiesst 11 Mrd. Franken ein.

Der Fonds hält somit gemäss eigenen Angaben einen Anteil von rund 9% an der UBS. Damit ist die GIC die grösste Einzelaktionärin der UBS. Gemäss Aktienführer hält sonst kein Aktionär mehr als 5%.

Weitere zwei Mrd. Franken will ein nicht namentlich genannter Investor aus dem Nahen Osten einschiessen.

Für diese Kapitalerhöhung braucht die UBS die Zustimmung der Aktionäre, die an einer ausserordentlichen Generalversammlung Mitte Februar entscheiden sollen.

Ebenfalls zwei Milliarden Franken sollen durch den Verkauf eigener Aktien beigebracht werden. Und die Aktionäre selber sollen sich für 2007 mit einer Aktiendividende statt einer Bar-Dividende begnügen. Unter dem Strich sollen so 19,4 Mrd. Franken zufliessen.

Damit dürfte die Kernkapitalquote von 10,6% Ende September auf mehr als 12% ansteigen.

Ospel will bleiben

Auf die Sicherheit der UBS angesprochen, sagte Ospel im Radio-Interview, die Wertberichtigungen hätten auch ohne Kapitalerhöhung bewältigt werden können. Mit den nun eingeleiteten Massnahmen werde die UBS zu einer der sichersten Banken überhaupt.

Der Verwaltungsratspräsident räumte aber ein, dass die anhaltenden Spekulationen der letzten Wochen zu einer erheblichen Verunsicherung bei Kunden und Mitarbeitenden geführt habe.

Konsequenzen für Ospel selber hat das Debakel bei der US-Hypothekenkrise nach wie vor nicht. Sein Rücktritt sei im Verwaltungsrat nie ein Thema gewesen. Er wolle Teil der Lösung des Problems sein, sagte Ospel. Nun sei man auf gutem Weg dazu.

Optimismus trotz Krise

Auch Konzernchef Marcel Rohner, der im letzten Juli das Zepter überraschend von Peter Wuffli übernommen hatte, gab sich zuversichtlich: Die UBS sei nach den Abschreibungen und der gestärkten Kapitalbasis gut positioniert, um weiter profitabel zu bleiben, sagte er laut Mitteilung.

Bitter für die Grossbank ist, dass die Bekanntgabe des ersten möglichen Jahresverlusts fast auf den Tag genau zehn Jahre nach der Ankündigung der Fusion von Bankgesellschaft und Bankverein zur UBS erfolgt.

Ende Oktober hatte die Bank noch schwarze Zahlen für das letzte Quartal und damit auch für das ganze Jahr 2007 erwartet.

Reaktion EBK

Die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) erachtet die UBS als weiterhin gut kapitalisiert. Personelle Massnahmen in der Führungsspitze der Grossbank würde die EBK derzeit als nicht angemessen erachten.

Trotz der neuen Milliardenabschreiber erreiche die UBS mit den angekündigten Massnahmen eine im internationalen Vergleich sehr gute Eigenmittel-Ausstattung, sagte EBK-Sprecher Alain Bichsel.

Steuerausfälle wahrscheinlich

Gemäss Bundesrat Hans-Rudolf Merz trifft die Hypothekenkrise via UBS-Gewinn die Bundeskasse. "Was für mich wichtig ist, ist die Tatsache, dass die Hypokrise auch in der Bundeskasse angekommen ist", sagte der Finanzminister am Schweizer Fernsehen.

So wie sich die voraussichtlichen Ergebnisse der UBS präsentieren würden, komme es im nächsten Jahr zu Steuerausfällen im Umfang von mehreren 100 Millionen Franken, sagte Merz.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die UBS ist eines der weltweit führenden Finanzinstitute.

In der Schweiz ist sie im Privat- und Firmenkundengeschäft die Nummer 1.

Die Schweizer Grossbank ist in 50 Ländern und an allen wichtigen Finanzplätzen der Welt mit Niederlassungen vertreten.

Insgesamt beschäftigt die UBS weltweit über 80'000 Mitarbeitende.

Die UBS ist aus der Fusion von Bankgesellschaft und Bankverein entstanden.

Infobox Ende
(swissinfo.ch)


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