UBS streicht 5500 Stellen

Keystone

Die Schweizer Grossbank baut bis Mitte 2009 weltweit 5500 Stellen ab. Betroffen ist vor allem das krisengeschüttelte Investment-Banking. In der Schweiz gehen 1500 Stellen verloren.

Dieser Inhalt wurde am 06. Mai 2008 - 11:21 publiziert

Bis Ende Jahr würden im Investment-Banking 2600 Arbeitsplätze abgebaut, sagte UBS-Chef Marcel Rohner - die meisten davon durch Entlassungen.

Betroffen seien hauptsächlich die USA und Grossbritannien, so Rohner. Bisher hatte die Grossbank in dem Bereich, der durch die US-Hypothekenkrise unter die Räder geraten ist, schon 1500 Banker auf die Strasse gestellt.

Der Abbau von insgesamt 5500 der 83'800 Stellen schlägt auch auf die Schweiz durch. Von den 2900 Arbeitsplätzen, die ausserhalb des Investment-Bankings gestrichen werden, entfallen laut Rohner rund 50% (1500 Stellen) auf die Schweiz.

Der Abbau solle vor allem über natürliche Fluktuation erfolgen, die derzeit bei 9% liege, sagte Rohner. "Das bedeutet, dass wir in der Schweiz normalerweise 2500 bis 3000 Leute pro Jahr verlieren."

Keine Prognose für 2008

Letztes Jahr habe die UBS rund 6000 neue Leute eingestellt. Dieses Jahr würden es weniger sein, so etwa 1000 bis 2000 Personen, sagte Rohner: "Wenn sich nichts ändert, wird dies zu einem tieferen Stellenbestand in einigen Monaten führen." Kündigungen würden sich dennoch nicht vollständig vermeiden lassen."

"Beim Stellenabbau handelt sich um eine kurzfristige Massnahme", erklärt Francois Savary von der Genfer Asset Management Firma Reyl & Cie SA. Gegenüber swissinfo. "Der Abbau ist nötig, um die Kosten zu senken und um Kapital frei zu stellen und so die Auswirkungen der Krise einzudämmen."

Analysten rechnen damit, dass die Bank das Jahr 2008 mit einem Verlust von mehr als fünf Milliarden Franken abschließen wird nach 4,4 Mrd. Franken Verlust im Jahr 2007. Rohner selbst wollte keine Prognose für dieses oder das kommende Jahr abgeben.

Im ersten Quartal 2008 musste sie einen Verlust von mehr als 11,5 Mrd. Fr. hinnehmen. Die tiefroten Zahlen entsprechen den Erwartungen. Vor einem Monat hatte die Grossbank bekannt gegeben, rund 12 Mrd. Fr. Verlust für die ersten drei Monate zu erwarten.

Keine bösen Überraschungen

Damit brachte das definitive Quartalsergebnis zwar keine bösen Überraschungen. Im Urteil der Marktbeobachter sehen die Zahlen jedoch nicht wirklich rosig aus.

Zu denken gibt laut Experten insbesondere der Netto-Neugeldabfluss von 12,8 Mrd. Franken. Dagegen sei der Verkauf von Hypothekenpapieren an den Fonds Blackrock positiv. "Das zeigt, dass der Markt wieder zu spielen beginnt. Das lässt hoffen", sagte ein Händler.

Die Bank Rahn & Bodmer bewertet die ausgewiesenen Zahlen besser als befürchtet. Möglicherweise habe die UBS sogar zuviel abgeschrieben.

Kein Schutz für Zocker

Harte Kritik am Abbau von 5500 Arbeitsplätzen übt Angestelltenverband KV Schweiz. Wiederum müssten die Arbeitnehmenden die Fehler des Managements ausbaden, das seine Fehlentscheide höchstens in Form einer Reduktion seiner stattlichen Boni büssen müsse, während das Grundgehalt nach wie vor äusserst komfortabel bleibe, schreibt der Verband in einer Mitteilung.

Dass ein Grossteil des Stellenabbaus durch natürliche Fluktuationen und Umschulungen aufgefangen werde, sei an und für sich erfreulich, genüge aber nicht: "Für eine Grossbank wie die UBS wäre es problemlos machbar, auf jegliche Entlassungen zu verzichten."

Allerdings wehre man sich nicht gegen den Rauswurf der Investment Banker, die sich im US-Hypothekenmarkt so massiv verspekuliert hätten, machte die Leiterin der Angestelltenpolitik im KV Schweiz, Barbara Gisi, deutlich: "Es ist nicht so, dass wir die Zocker schützen wollen."

Es sei aber ungerecht, dass die Fehler der Zocker und des Managements die Falschen träfen, nämlich die, die solide Arbeit gemacht hätten.

Keine weitere Kapitalerhöhung

Die UBS gilt als in Europa am stärksten von der US-Kreditkrise betroffene Bank. Bisher musste sie mehr als 37 Milliarden Dollar abschreiben.

Um die Verluste auszugleichen, erhöhte die Bank das Kapital in zwei Schritten um 13 Mrd. und um 15 Mrd. Franken. Die UBS habe die Krise bisher aus eigener Kraft gemeistert, sagte Rohner. Das werde auch in Zukunft so sein und eine weitere Kapitalerhöhung sei nicht zu erwarten.

swissinfo

DIE LEIDENSGESCHICHTE DER UBS

Die UBS macht seit 2007 schwere Zeiten durch. Es begann mit dem Kollaps der Hedgefonds Dillon Read Capital.

Zwei Monate später, im Juli 2007, musste CEO Peter Wuffli abrupt und ohne Erklärung seinen Hut nehmen.

Im Oktober gab die UBS bekannt, sie werde 1500 Jobs im Bereich Investment Banking streichen.

Ende Oktober wurde mitgeteilt, dass die UBS 4,2 Mrd. Franken auf den Subprime-Schuldscheinen abschreibe und dass im 3. Quartal 2007 ein Verlust von 726 Mio. Franken anfalle.

Im Dezember kündigte die UBS weitere 10 Mrd. Fr. Abschreibungen an. Gleichzeitig informierte sie, dass 13 Mrd. Eigenkapital aufgenommen würden, von einem Singapurer Staatsfonds und mittelöstlichen Investoren.

Im Januar 2008 musste die Grossbank weitere 4 Mrd. abgeschreiben. Dadurch erhöhte sich die Summe der Abschreiber auf 20 Milliarden Franken.

Nachdem Marcel Ospel Anfang April Abschreibungen von weiteren rund 20 Mrd. Franken bekannt gab, musste er auf den Termin der Generalversammlung seinen Rücktritt erklären.

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