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Umfrage Waffenschutz-Initiative: Gegner holen auf



Waffen werden in einem Zeughaus in Morges, Kanton Waadt, eingelagert.

Waffen werden in einem Zeughaus in Morges, Kanton Waadt, eingelagert.

(Reuters)

Die Initiative "für den Schutz vor Waffengewalt" spaltet und mobilisiert das Schweizer Stimmvolk. Gut eine Woche vor der Abstimmung schwindet der Vorsprung der Befürworter. Der Ausgang bleibt aber offen. Die Kluft zwischen den Geschlechtern bleibt bestehen.

Nachdem die Befürworter der Initiative in der ersten Umfrage Anfang Januar mit 52% Ja gegenüber 39% Nein einen Blitzstart hingelegt hatten, ist ihr Vorsprung in der zweiten Befragung Ende Januar geschmolzen wie der Schnee im Frühling.

Mit lediglich 2% Rückstand auf die Befürworter (47% Ja-Stimmen) haben die Gegner in der Zwischenzeit stark aufgeholt(45% Nein-Stimmen).

Damit ist die Ausgangslage eine gute Woche vor der Abstimmung vom 13. Februar wieder offen. 8% der Befragten wussten noch nicht, ob sie Ja oder Nein einlegen wollen.

Die Veränderung in der Wahlabsicht zwischen den beiden Umfragen deutet nun eher auf eine Ablehnung der Initiative "für den Schutz vor Waffengewalt" an der Urne hin.

"Das ist die plausibelste Hypothese", sagt Claude Longchamp, Leiter des Instituts gfs.bern, das die Umfrage im Auftrag der SRG SSR durchgeführt hat, gegenüber swissinfo.ch. "Trotzdem können andere Szenarien nicht absolut ausgeschlossen werden."

Longchamp setzt in dieser Einschätzung auf die Erfahrungen, die sein Institut in zehn Jahren der Beobachtung von Abstimmungen auf Bundesebene gemacht hat. Am wahrscheinlichsten sei, dass die Gegnerschaft in der Endphase des Abstimmungskampfs noch zulegen könne und damit das Volksbegehren wohl abgelehnt wird.

"Die Entwicklung folgte dem klassischen Schema, wie es bei den meisten Initiativen zu beobachten ist", erklärt der Politologe. Es sei typisch, dass ein Volksbegehren zu Beginn mehr Zuspruch erhalte und sich das Blatt während der Kampagne zu Gunsten der Gegnerschaft wende.

Hohe Beteiligung

Im Fall der Waffenschutz-Initiative sei der Einfluss deutlich zu spüren, den die Kampagne auf die Mobilisierung der Wählerschaft habe. Wollten Anfang Januar 42% der Befragten sicher abstimmen gehen, sind es Ende Monat bereits 55%. "Eine extrem hohe Stimmbeteiligung", sagt der Leiter von gfs.bern.

Auch scheinen die Stimmwilligen bei diesem Thema sehr gut informiert zu sein: 79% schätzen sich selber so ein. Bei der ersten Umfrage waren es 58%, was laut Longchamp bereits eine hohe Rate ist.

Im Verlauf der Kampagne habe der Wunsch, sich an der Abstimmung zu beteiligen, zugenommen, weil viele laut Longchamp "quasi aus dem Bauch heraus" auf das Argument der zahlreichen Plakate reagiert hätten, die Initiative zerstöre die traditionellen Schweizer Werte.

Doch auch das Hauptargument der Befürworter, Waffen zu Hause seien eine Bedrohung für die ganze Familie, scheint laut der Umfrage einen grossen Einfluss auf die öffentliche Meinung zu haben. Dieses Argument könnte, zusammen mit jenem der Verhinderung von Suiziden, möglicherweise noch bei den Unentschlossenen greifen.

Graben Stadt-Land

Die Initianten können besonders auf die Städte und Ballungsgebiete zählen, während die Gegner auf dem Land mehr Unterstützung erhalten, zeigt die Umfrage. In kleineren und mittelgrossen Städten scheint die Unentschlossenheit noch relativ hoch zu sein, namentlich in der deutschsprachigen Schweiz. Diese Personen könnten laut Longchamp das Ergebnis der Abstimmung noch beeinflussen.

Eine nicht unwesentliche Rolle spielt zudem der Umstand, dass für ein Ja am 13. Februar auch eine Mehrheit der Schweizer Kantone nötig ist. Dieser Faktor wurde bisher nicht untersucht.

Sprachregionaler Graben

Neu resultiert bei der zweiten Umfrage eine Umkehr der Situation in der italienischen Schweiz: Noch vor drei Wochen war die Unterstützung der Initiative mit 59% Ja, 34% Nein und 7% Unentschlossenen in der Südschweiz am stärksten. Jetzt aber erwächst ihr dort mit 50% Nein, 38% Ja und 12% Unentschlossenen im sprachregionalen Vergleich am meisten Widerstand.

Ein doch spektakulärer Meinungsumschwung, der laut Longchamp klar zeigt, welche wichtige Rolle der Kampagne zukommt. Zum Zeitpunkt der Erstbefragung hatte die Kampagne im Tessin gar noch nicht richtig begonnen, so der Politologe.

Auch in der Deutschschweiz  hat sich der Nein-Anteil erhöht, wenn auch weniger spektakulär als südlich des Gotthards: 48% Nein gegenüber 45% Ja und 7% Unentschlossenen. In der Westschweiz wiederum dominieren vorläufig die Ja-Stimmen: 54% Ja, 36% Nein, 10% Unentschlossene.

Geschlechter-Graben

Bleibt der Unterschied im Stimmverhalten zwischen Frau und Mann. Die Initiative wird immer noch, wenn auch weniger stark als in der ersten Umfrage, von einer Mehrheit der befragen Frauen unterstützt: 55% Ja, 35% Nein und 10% Unentschlossene. Bei den Männern ist es umgekehrt: 54% lehnen sie ab, 39% stimmen dafür, 7% wissen noch nicht, wie sie stimmen wollen.

Was die Mobilisierung der Stimmen betrifft, weisen Frauen und Männer gleiche Werte auf. Mit anderen Worten, die Frauen bringen sich bei dieser Vorlage überdurchschnittlich stark mit ein. Denn üblicherweise liegt die Mobilisierung bei den Frauen tiefer als bei den Männern, so Longchamp.

Nähme das Engagement der Frauen in der Endphase der Abstimmung noch zu, könnte dies am 13. Februar sogar zu einem Ja führen. Unabhängig vom Abstimmungsausgang sei eine hohe Stimmbeteiligung der Frauen die beste Art, den 40. Jahrestag der Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz zu feiern, der knapp eine Woche vorher begangen wird.

gfs-Umfrage

Die Umfrage wurde telefonisch bei 1209 Personen in allen Landesregionen zwischen dem 24. und 29. Januar durchgeführt.

47% waren bestimmt oder eher dafür, 45% bestimmt oder eher dagegen, 8% hatten sich noch keine Meinung gemacht.

Der Stichprobenfehler liegt bei +/- 2,9%

Die beiden Umfragen vor dem Urnengang vom 13. Februar 2011 wurden von der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG in Auftrag gegeben, zu der auch swissinfo.ch gehört.

Infobox Ende

Die Initiative

Das Volksbegehren wurde von rund 70 Nichtregierungs-Organisationen eingereicht.

Die wichtigsten Forderungen: Schaffung eines eidgenössischen Waffenregisters, der Bedarf von Waffen muss nachgewiesen und die erforderlichen Fähigkeiten zum Waffenbesitz müssen vorhanden sein, Militärwaffen werden im Zeughaus aufbewahrt, Erwerb und Besitz von besonders gefährlichen Waffen (automatische Waffen, Pump Guns/Vorderschaftrepetierflinten) sind für Privatpersonen verboten.

Mitte-links Parteien und einige rechts der Mitte unterstützen die Initiative, während die Rechte dagegen ist, zusammen mit dem Bundesrat (Landesregierung) und einer Parlamentsmehrheit.

Die Stimmberechtigten sind am 13. Februar aufgerufen, sich brieflich oder an der Urne zur Vorlage zu äussern.

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(Übertragung aus dem Italienischen: Christian Raaflaub und Alexander Künzle), swissinfo.ch


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